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2010/3 Das Erbe Gutenberg virtualisiert sich! E-Books et al.

Digitale Bibliotheken Die Alternative zum Copy-Shop

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Naht das Ende der Lehrbuchsammlungen an Universitätsbibliotheken? Eine neue Webplattform beginnt die Fachbuchverlage zu überzeugen. Das Geschäftsmodell gewinnt Anhänger unter den Studierenden. http://paperc.de/ 

Der Student Felix Hofmann hatte die Idee zur Plattform in der Endphase des eigenen Studiums: Schlussprüfungen in Berlin, ein weiteres Studium in St. Gallen. Das bedeutete, auf Reisen kiloweise Bücher zu schleppen und aufzupassen, dass keine Ausleihfrist abläuft. Felix Hofmann suchte im Internet, fand aber keine gesetzeskonforme Lösung. Verbotenes Filesharing kam nicht in Frage. Google Books half auch nicht weiter, denn dort gibt es nur Bücher, deren Copyright abgelaufen ist. So entstanden die Idee und das Konzept für PaperC, das Hoffmann gemeinsam mit Martin Fröhlich weiterentwickelte. PaperC ist eine Internetplattform, die ursprünglich im Rahmen des Forschungsprojektes «Books in the Digital Age» am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement St. Gallen entwickelt wurde. Heute existiert eine eigene Firma in Leipzig, die die Plattform betreibt. Als Folge könnten das Finden von Fachbüchern über die Fernleihe der Bibliothek und das anschliessende Anstehen im Copy- Shop als «Studentenpflicht» schon bald der Vergangenheit angehören.

Eine ungewöhnliche Geschäftsidee findet ihre Anhänger 

Das junge Unternehmen aus Leipzig bietet Fachbücher im Internet zum kos- tenfreien Lesen an. Gegenwärtig hat PaperC über 2700 Titel aus 25 Fachverlagen im Programm. PaperC möchte einen freien Zugang zu Fachliteratur ermöglichen, an dem Verlage verdienen.

Das Lesen und Durchsuchen ist bei jedem Buch von der ersten bis zur letzten Seite kostenlos. Gegen einen Seitenpreis können Nutzer ihre Fachliteratur auf PaperC umfassend managen: Textstellen und Zitate lassen sich speichern, markieren, ausdrucken und mit Kommentaren versehen. Die Hälfte der über diese Premium-Funktionen generierten Erlöse geht an die Verlage.

Das Gründerportal Deutsche Startups wählte PaperC zum «Startup des Jahres 2009». Der Börsenverein des deutschen Buchhandels zeichnete PaperC mit dem AKEP Award 2009 für Innovation im digitalen Publizieren aus. Die Auszeichnungen haben zur rasch wachsenden Popularität des Portals beigetragen. Seit Kurzem sind etwa 600 Bücher des Verlags O’Reilly aufgeschaltet. Verlage wie de Gruyter, Markt + Technik oder UTB sind ebenfalls vertreten. Geplant ist ein englischsprachiges Portal im laufenden Jahr. Für ein naturwissenschaftliches Studium beispielsweise ist ein solches unverzichtbar.

Jeder Studierende gibt pro Jahr durchschnittlich 40 bis 60 Euro allein für Kopien aus. Die 2,2 Millionen deutschsprachiger Studenten kopieren jedes Jahr Fachbücher im Wert von über hundert Millionen Euro. Mit PaperC sparen die Studierenden wertvolle Zeit, weil sie sich nicht mehr zwischen Bücherregalen verirren und anschliessend auch nicht Stunde um Stunde am Fotokopierer mit Warten verlieren. Das haben wir alle schon erlebt: Ist man endlich an der Reihe, merkt man, dass die Kopierkarte leer ist und nachgeladen werden muss. Dann sind da noch die Öffnungszeiten der Bibliotheken und die schlechte Verfügbarkeit von Büchern zu Prüfungszeiten. Oft steht in einer Bibliothek nur eine Ausgabe eines Buches, und es ist immer gerade dann ausgeliehen, wenn man es am dringendsten benötigt.

Es dauerte eine Weile, bis der erste Verlag begriffen hatte, dass ihm nicht ein Geschäft entging, sondern ihm normalerweise entgangene Einnahmen alternativ eingespielt wurden. Schliesslich will niemand 280 Seiten eines Fach- buchs am Bildschirm lesen. Zusätzlich eröffnen sich Marketingchancen. Das Beispiel der Musikindustrie hat gezeigt, dass es besser ist, die Entwicklungen im Internet aufzugreifen, anstatt gegen sie anzukämpfen.

Nur Lesen ist gratis

Die Bücher werden in einer Flash-Applikation gezeigt und können darin vergrössert werden. Auch innerhalb des gewählten Buches kann nach Inhalten gesucht werden. Das Kopieren einzelner Textpassagen ist nach Kauf der jeweiligen Seiten möglich. Dafür berechnet PaperC 10 Cent pro Seite. Textstellen lassen sich direkt am Bildschirm mit Notizen und Markierungen versehen und online ablegen. Jede Seite, die erworben wird, bleibt gespeichert. Warum soll ich mir ein Buch illegal herunterladen, wenn ich es bei PaperC legal und kostenfrei bekommen und darüber hinaus weitere Funktionen wie eine automatische Fussnotenerkennung nutzen kann?

Anmerkungen lassen sich hinterlegen und Seiten als druckbares PDF herunterladen. Es ist auch möglich, das ganze Buch herunterzuladen. Von dieser Möglichkeit wird allerdings seltener Gebrauch gemacht. Abgerechnet wird über ein Guthabenkonto, das vorgängig per Paypal oder Kreditkarte in Schritten von 1,5 oder 10 Euro aufzuladen ist. Für das Lesen der Bücher am Bildschirm genügt eine kostenfreie Registrierung.

Hollaender Stephan 2016

Stephan Holländer

Stephan Holländer unterrichtet als Lehrbeauftragter an der HTW Chur und an der HEG Genève. Als Beauftragter für Weiterbildung BIS ist er für das Weiterbildungsprogramm des Bibliotheksverbandes BIS verantwortlich.
Daneben bietet er mit seiner eigenen Firma umfassende Beratung für die Bereiche Archiv, Bibliothek, Dokumentation und Wissensorganisation an.
Stephan Holländer war viele Jahre Mitglied der Redaktion von arbido.  Heute publiziert er noch gelegentlich für arbido, wie auch für den deutschen Online-Nachrichtendienst Password Online sowie die deutsche Zeitschrift Bit Online

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*Pflichtfeld

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La plate-forme internet PaperC a été développée par un étudiant. Elle est maintenant gérée par une société commerciale à Leipzig. Sur cette plate-forme sont proposés gratuitement en mode lecture des livres numériques. Actuellement, plus de 2700 titres de 25 éditeurs, y compris de Gruyter, Markt+Technik et UTB, sont à disposition. Une version anglaise du portail est prévue en 2010.

Sur PaperC, seule la lecture et la recherche du livre sont gratuites. Au prix d’un émolument par page, les utilisateurs peuvent gérer intégralement leur documentation sur PaperC: textes et citations peuvent être enregistrés, mis en surbrillance, imprimés, et on peut y ajouter des commentaires.

La moitié des revenus liés à ces fonctions va aux éditeurs qui tirent ainsi profit de cette offre électronique. La facturation passe par un compte de crédit qui peut être configuré sur Paypal ou par carte de crédit. Pour les étudiants, PaperC permet un précieux gain de temps parce qu’ils n’ont plus à chercher le livre en bibliothèque et ils n’ont plus à passer au centre de reprographie pour les photocopies. En outre, la disponibilité de la littérature, en particulier durant les périodes d’examens, s’en trouve sensiblement améliorée grâce à PaperC.

PaperC a été désignée startup de l’année 2009 par le Gründerportal des startups allemandes, tandis que l’Association des libraires allemands a décerné au portail le prix AKEP 2009 pour l’innovation dans l’édition numérique.