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2008/3 Informationseinrichtungen und Sport

Die Bibliothek der Sektion Bern des SAC – ein Erbe aus der alpin­wissenschaftlichen Forscherzeit in der Universitätsbibliothek Bern

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Die 1863 gegründete Bibliothek der Sek­tion Bern des SAC wurde im Jahr 2002 auf vier verschiedene Institutionen auf­ geteilt, wobei die Bücher­ und Zeitschriftenbestände in die Zentralbibliothek der Universitätsbibliothek Bern gelangten. Dieses bedeutende kulturelle Erbe gilt es, zu erhalten, zu erschliessen und zu nutzen: «Was heute in Büchern aktuelle Information ist, mag zwar morgen veral­tet sein, aber übermorgen schon wird es zum Zeugnis geistiger Grundlagen, auf denen neue Werte gründen.»

Bibliothek zur Förderung der alpinen Forschung

Es sei bemühend, ja beschämend, dass sich die Schweizer über ihr Hochgebirge bald bei den Engländern orientieren müssten, stellte der SAC-Initiant Theodor Simler 1862 fest. Bezug nehmend auf den britischen Alpine Club, der bereits 1857 gegründet worden war, vertrat er die Auffassung, dass einheimische Forscher durch ihr Zusammenwirken [im SAC] «Fruchtbareres leisten könnten als benannter fremdländischer Club».

Der Schweizer Alpen-Club widmet sich heute in erster Linie dem Bergsteigen, visiert jedoch seit seiner Gründung – wie aus Obgenanntem deutlich hervorgeht – wissenschaftliche und kulturelle Ziele an. Seine ursprüngliche Zweckbestimmung «das schweizerische Hochgebirgsland allseitig genauer zu erforschen, näher bekannt zu machen, und den Besuch desselben zu erleichtern» führte daher bereits ein Jahr nach seiner Entstehung am 2. November 1864 in der Berner Sektion zum grundsätzlichen Entscheid, eine womöglich alle Seiten der Alpenwelt umfassende Bibliothek zu führen. Über die frühesten Bestände der Sektionsbibliothek auf Ende 1865 gibt bereits ein zehn Druckseiten umfassender Katalog Auskunft, dem auch das Bibliotheksreglement vorangestellt wurde, welches das Ziel der Bibliothek mit der «Förderung seiner wissenschaftlichen und touristischen Zwecke» umschreibt. Die Statuten sowie das Bibliotheksreglement der Sektion Bern wurden in der Folge immer wieder überarbeitet. Dem Bibliothekar bzw. den Bibliothekaren stand jeweils auch eine Bibliothekskommission zur Seite, wobei ein zielbewusster Bestandesaufbau zu erkennen ist.

Zielbewusster Bestandesaufbau

Beim 50-Jahres-Jubiläum der Sektion auf Anfang 1913 umfasste die Bibliothek bereits einen Bestand von 8295 Büchern, Karten und Bildern, die teilweise auch aus Schenkungen stammen. Der erste Teil eines gedruckten Katalogs wurde 1908 herausgegeben. Der zweite Teil (mit Nachträgen zum 1. Teil) folgte 1913, der dritte Teil 1931. Anschliessend wurde der Zuwachs jeweils in den Clubnachrichten veröffentlicht. Die Sektion Bern kargte auch in der Folge nicht mit den erforderlichen Mitteln. In den folgenden 25 Jahren verausgabte sie aus der laufenden Rechnung Fr. 31 500, und 1937 verfügte sie mit einem Bestand von 11 544 Exemplaren vermutlich über die grösste Sektionsbibliothek des SAC. Zur Nutzung gibt es aus dieser Zeit ebenfalls Zahlen. 

Die Ausleihe stieg von 1082 Stück im Jahre 1913 auf 2030 Stück im Jahre 1937. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 31 610 Exemplare ausgeliehen. Diese Erfolgsgeschichte liesse sich hier weiterschreiben, doch in sämtlichen Entwicklungen sind immer wieder Wellenbewegungen zu erkennen.

Zeitgemässe Erschliessung und Nutzung der Bibliothek

Vor neun Jahren begann sich eine Ar- beitsgruppe des SAC unter dem Motto «Sektionseigene Bibliothek noch aktuell?» mit der Langzeitstrategie ihrer Sektionsbibliothek zu befassen. Sie untersuchte die Attraktivität der Bibliothek, erkundigte sich bei anderen Sektionen, klärte mögliche EDV-Erfassungen ab, untersuchte die kulturelle und materielle Bedeutung des Bestandes und machte sich Gedanken über eine Auslagerung. Eine gezielte Umfrage lieferte zudem Hinweise auf den Wunsch nach attraktiveren Öffnungszeiten und die Zugänglichkeit über das Internet, zeigte aber auch, dass nur wenige Mitglieder die Ausleihe benutzten.

Als Kantons- und Universitätsbibliothek gehört es zu den Aufgaben der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern (StUB, heute: Universitätsbibliothek Bern, Zentralbibliothek [UB Bern, ZB]), Lösungen für den Weiterbestand derart wertvoller Sammlungen zu finden. Im Verlaufe des Jahres 2001 erfolgten daher erste Gespräche zwischen dem SAC und der damaligen StUB. In einer Expertise erarbeitete die StUB einen konkreten Lösungsvorschlag, der darauf abzielte, den Bibliotheksbestand zeitgemäss zu erschliessen, einer aktiven Nutzung zuzuführen und sachgerecht zu lagern. Die Sektionsversammlung des SAC stimmte Ende 2002 der befristeten Auslagerung der Buchbestände als Leihgabe in die StUB einstimmig zu, dies mit der Option der späteren Umwandlung in eine Schenkung. Ebenfalls angenommen wurde der Antrag, Fotografien, Panoramen, alte geografische Karten, Gemälde und Druckgrafiken ins Schweizerische Alpine Museum auszulagern.

Der Alpenraum als Schwerpunkt in der Universitätsbibliothek Bern

Nach diesem Beschluss, der noch im «UNO-Jahr der Berge 2002» erfolgte, wurde sofort mit den Übernahmearbeiten begonnen. Bereits am 27. November 2002 konnte der Depotvertrag von der Sektion Bern des SAC und der StUB unterzeichnet werden. Im Frühjahr 2003 wurden die Buch- und Zeitschriftenbestände vom Sektionslokal in das Speichermagazin der Universitätsbibliothek Bern an der Hallerstrasse 6 gezügelt. Der Bestand umfasst insbesondere alpine Schriften, Belletristik, wertvolle und historische Werke, Club- führer, Jahresberichte, Reiseberichte und Forschungsreisen, Skibücher, Wanderbücher und Reiseführer sowie Kataloge, Reglemente und Lexika (siehe unten stehende Tabelle). Die Karteikärtchen des bestehenden Autoren- sowie Belletristikkatalogs wurden durch die Firma Mikrounivers in Berlin gescannt und für die Nutzung im Internet aufbereitet (http://www.zb.unibe.ch/sac). Die Recherche in den Beständen ist seither möglich über einen sogenannten IPAC (= Image Public Access Catalogue), wie dies bereits für den alten Katalog der Zentralbibliothek der Universitätsbibliothek Bern bzw. für die Bongars-Sammlung der Fall ist. Die Benutzung der Bestände erfolgt heute entsprechend der Benutzungsordnung der Universitätsbibliothek Bern. Ebenfalls in die Hand genommen wurde die Eingliederung der Zeitschriftenbestände.

Die Bibliothek des SAC der Sektion Bern bildet eine ideale Ergänzung zu den Beständen der Universitätsbibliothek Bern, die zum Thema Alpenraum über namhafte eigene Bestände verfügt. Mit dem künftigen Bestandesaufbau wird dieses fächerübergreifende sowie wissenschaftlich bedeutende Gebiet in der Universitätsbibliothek Bern weiter verstärkt.

Nach der Übergabe des Bestandes als Depositum bereitete Jürg Heinrich von Seiten der Sektion Bern des SAC auch die Umwandlung des Bestandes in eine Schenkung vor. In einem Mail vom 5. Juli 2005 teilte er mir mit, dass er nun grünes Licht für Verhandlungen betreffend Umwandlung in ein Legat habe. Jürg Heinrich, der mit grossem Engagement die Auslagerung der Sektionsbibliothek vorangetrieben hatte, verstarb am 29. Juli 2005 unerwartet bei einem Verkehrsunfall. Die aktuelle Sektionsbibliothek ist laut Auskunft von Christian Isenschmid strikt auf möglichst aktuelle (Landes-)Karten und Tourenführer und wenig «technische» Literatur (Wetterkunde, Bergrettung, Flora usw.) reduziert worden. Die Sektionsbibliothek im Sektionslokal an der Brunngasse 36 in Bern wurde neu im Schweizerischen Alpinen Museum untergebracht, was sich als sehr benutzerfreundlich erwiesen habe und auch den freiwilligen Betreuern sehr entgegenkomme. Eine erhebliche Verbesserung wird auch im Hinblick auf die Bestände des Depositums in der Universitätsbibliothek Bern angestrebt. Die zurzeit wieder diskutierte Umwandlung des Depotvertrags in eine Schenkung bildet eine Voraussetzung für eine bibliothekarische Aufarbeitung des Bestandes (Katalogisierung im IDS-Verbund, fachgerechte Ausrüstung der Dokumente mit Signaturvergabe usw.). Von Bedeutung ist, dass der Bestand als Ganzes erhalten bleibt. Die Bibliothek der Sektion Bern des SAC ist ein direktes Erbe aus der Pionierzeit der alpinwissenschaftlichen Forschung in Bern. Auf diesen Bestand trifft zu, was Georges Budmiger, der frühere Direktor des Schweizerischen Alpinen Museum 1988 zum 125-jährigen Bestehen der Sektion Bern des SAC schrieb: «Was heute in Büchern aktuelle Information ist, mag zwar morgen veraltet sein, aber übermorgen schon wird es zum Zeugnis geistiger Grundlagen, auf denen neue Werte gründen.»

Auslagerung und Aufteilung der Bibliothek der Sektion Bern des SAC (1863–2002)

Die ehemalige Bibliothek der Sektion Bern des SAC umfasste zum Zeitpunkt der Auslagerung ca. 10000 Monografien, 500 Karten und Panoramen, 1000 Fotos, 20 Zeitschriften sowie die Studer-Sammlung.

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Thomas Klöti

Leiter der Sammlung Ryhiner der Zentralbibliothek Bern

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La bibliothèque du Club Alpin Suisse de la section bernoise, créée en 1863, a pour but de promouvoir la recherche alpine. Le Club Alpin Suisse s’intéresse avant tout à la découverte des montagnes, mais il vise aussi des objectifs scientifiques et culturels. Dès 1865, la section bernoise du CAS a décidé de constituer une bibliothèque afin de «promouvoir ses buts scientifiques et touristiques».

Lors des 50 ans de la section, en 1913, la bibliothèque comptait déjà 8295 livres, cartes et illustrations provenant en partie de dons. Un catalogue a été élaboré au fur et à mesure des acquisitions. La section a également publié un bulletin d’informations qui a connu ses heures de gloire.

Mais la question de l’attractivité actuelle d’une telle bibliothèque s’est posée en 2001 déjà, et un groupe de travail a pu constater que des heures d’ouverture plus appropriées et un accès par Internet seraient nécessaires pour la rendre plus attrayante. D’autre part, peu de membres avaient recours au service du prêt. C’est alors qu’est née l’idée de voir avec la Bibliothèque cantonale et universitaire de Berne – à qui il appartient de trouver des solutions pour la conservation et la transmission de collections significati­ves – comment rendre ce patrimoine accessible au public. En 2002, l’assemblée géné­ rale du CAS Berne a accepté de transférer, à titre de prêt, son fonds à la Bibliothèque cantonale et universitaire. L’assemblée a également opté pour le dépôt des photogra­phies, panoramas, anciennes cartes géographiques, peintures et graphiques auprès du Musée Alpin Suisse.

La remise des documents (écrits sur les Alpes, rapports de voyages, règlements, ouvra­ ges sur le ski et sur la randonnée, lexiques, etc.) à la BCU de Berne a permis une mise à disposition au public de ce riche patrimoine. Grâce à l’informatisation du catalogue, consulter ces documents est devenu très facile. Des discussions sont actuellement en cours pour transformer ce prêt en don, en vue de conserver l’intégralité du fonds de la bibliothèque du CAS. L’actuelle bibliothèque du CAS Berne se limite aujourd’hui à la littérature strictement «technique».