Kommentare Abstract
2007/2 New Library World – Was gibt es Neues in den schweizerischen Bibliotheken?

Inspirierender Bau mit Luft, Licht und Ausstrahlung. Die Bibliothek des Rechtswissenschaftlichen Institutes (RWI) der Universität Zürich

Kommentare Abstract

Von aussen kaum sichtbar findet sich im Innenhof eines denkmalgeschützten Gebäudes die Ende 2004 eröffnete neue Bibliothek der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich.

Seit Jahren war klar, dass die Bibliothek des Rechtswissenschaftlichen Institutes (RWI) der Universität Zürich mit ihrem begrenzten Angebot an Arbeitsplätzen, den fehlenden Laufmetern an Bücherregalen und den diversen Dozentenbibliotheken, welche auf verschiedene Aussenstationen verteilt waren, dringend mehr Platz benötigte.

Bereits 1989 wurde der Architekt Santiago Calatrava mit der Projektierung einer neuen juristischen Bibliothek beauftragt. Doch erst im Jahre 2000 erfolgte die Baubewilligung für sein Erweiterungskonzept im ehemaligen Kantonsschul- und späteren Universitätsgebäude an der Rämistrasse: Einbau einer neuen Bibliothek als sechsstöckige Stahlkonstruktion in den Luftraum über den Innenhof, zweigeschossige Aufstockung der beiden rückseitigen Flachdachbereiche und Überdachung des Innenhofes mit einer Stahl-Glas-Kuppel.

Ein neu geschaffener Bibliothekseingang auf der Rückseite des Gebäudes führt direkt ins Bibliotheksfoyer.

Hier befindet sich ein Empfangsschalter, der den zahlreichen Instituts- und Bibliotheksbesuchern als erste Auskunftsstelle dient. In zwei gegenüberliegenden Nebenräumen sind Garderobe und Schliessfächer untergebracht.

Betritt man die Bibliothek durch die Schiebetüren, ist kein Buch und kein Bücherregal zu sehen. Ein unauffälliges Informationsschild lässt einen Auskunftsschalter vermuten. Eine grosse helle Halle gibt den Blick frei über die sechs Galerien hinauf zum Glasdach. Die Lesegalerien, mit schallschluckenden Ahorn-Elementen verkleidet, sind scheinbar losgelöst vom Altbau erstellt und berühren die Innenhoffassaden nur punktuell, was optimale Lichtbedingungen schafft. Ein unter der Kuppel eingebauter Lamellenfächer dient in aufgefaltetem Zustand als Blendschutz.

Glaslifte mit Aussicht auf Leseplätze

Erst bei der Fahrt mit einem der beiden Glaslifte sieht man auf den Galerien die Leseplätze und die Freihandbestände. Die RWI-Bibliothek beherbergt ca. 160 000 Bücher und verzeichnet rund 600 abonnierte Zeitschriften und Serien. Platz ist hier für 5000 Laufmeter Bücher und als Reserve in einer Compactusanlage nochmals für 1200 Laufmeter. Bereits jetzt sind nur noch 500 Laufmeter frei, dies bei einem jährlichen Zuwachs von ca. 100 Laufmetern.

Hauptsammelgebiet der Bibliothek ist das schweizerische Recht, das Recht der Nachbarländer sowie das anglo-amerikanische Recht. Die Bibliothek ist eine Präsenzbibliothek und die Bücher müssen vor Ort konsultiert werden. Hierfür stehen den Studierenden 500 Arbeitsplätze mit WLAN und auf allen Galerien links und rechts je zwei Abfragestationen für den Bibliothekskatalog bzw. Internetrecherchen zur Verfügung.

Zurück in der Halle befindet sich im Hochparterre der sogenannte Info- Boden mit Informationsschalter, weiteren Abfragestationen für den Bibliothekskatalog, Internetrecherchen, CD-ROMs etc. Etwas versteckt zeigt sich auch der klassische Zettelkatalog, der Bücherbestände mit Erscheinungsjahr vor 1988 nachweist. Ebenfalls auf diesem Boden findet der Benutzer die Zeitschriftenregale mit allen ungebundenen Zeitschriften des laufenden Jahrganges.

Die ersten vier Galerien verfügen je über einen kleinen Kopierraum sowie ein Parlatorium, das für kurze fachliche Gespräche genutzt werden kann. In der Aufstockung untergebracht ist eine Studienbibliothek, die von den wichtigsten juristischen Lehrbüchern und Kommentaren nochmals Mehrfachexemplare aufweist. Die Bücher sind nach Fachgebieten (A–Z) aufgestellt und ohne Probleme auch für einen Erstbenutzer zu finden.

Sehr begehrt sind auf Höhe der Aufstockung im Altbaubereich des Gebäudes die Zimmer der ehemaligen Hauswartswohnung, die als Besprechungsräume eingerichtet wurden. Auf diesem Stock stehen den Studierenden noch ein grosser Kopierraum und ein Computer-Arbeitsraum mit ca. 20 Computerstationen zur Verfügung. Das oberste Niveau der Aufstockung ist als Arbeitsraum für Doktoranden eingerichtet worden. Kleinere Büros mit je drei Arbeitsplätzen sowie weitere Arbeitsplätze auf einer Galerie, mit Blick auf die unteren Stockwerke, ermöglichen es rund 70 Doktorierenden, hier zu arbeiten. Allen wird ein Regal für ihre persönlichen Unterlagen und Bücher bereitgestellt. Ausserhalb der eigentlichen Bibliothek sind die Büros der Bibliotheksverwaltung ebenfalls in der Aufstockung untergebracht. Zur Zeit beschäftigt die Bibliothek 20 Mitarbeitende.

Ruhe kommt vor Rummel

Die Bibliothek ist wöchentlich 74 Stunden geöffnet. Täglich ist der Kampf um die Arbeitsplätze gross, denn nicht nur Jus-Studierende nutzen das architektonisch beeindruckende Ambiente für ihre Studien. Bereits mussten einzelne Stockwerke für Studierende der Rechtswissenschaften reserviert werden. Das vertraute Gefühl einer Lesesaal-Atmosphäre geht hierbei ein wenig verloren und das Bibliothekspersonal sieht sich gezwungen, vermehrt auf Ruhe und Ordnung hinzuweisen. Dessen ungeachtet zieht die Bibliothek auch nach zwei Jahren nebst Studierenden immer noch zahlreiche Architekturinteressierte an und die Anfragen, die Bibliothek bzw. die Halle als Eventort anderweitig zu nutzen, sind zahlreich. Hier muss der Vorrang eindeutig der Bibliothek als Ort der Ruhe und Konzentration gewährt werden.

Avatar

Franziska Gasser

Leiterin RWI-Bibliothek Zürich

Kommentare

*Pflichtfeld

Abstract

Après une planification de plusieurs années et une construction de quatre années, la bibliothèque de l’Institut des sciences juridiques a pu être inaugurée fin 2004: une installation imposante de l’architecte Santiago Calatrava, au sein de la cour intérieure d’un bâtiment protégé, recouverte d’une coupole d’acier et de verre. Pratiquement détachée de l’ancienne construction et avec une entrée séparée, la bibliothèque apparaît avec ses six galeries de lecture comme une «maison dans la maison». 500 places de travail se situent dans cette bibliothèque de consultation où un fonds de 160 000 livres est à la disposition des étudiant(e)s. Grâce à la technologie sans fil WLAN, les usagers/usagères ont accès dans toute la bibliothèque à internet et au réseau de l’Université. Une systématique simple indexe le fonds selon des critères de contenu. Malgré la nouvelle construction, les réserves de places ne sont pas exceptionnelles; mais la bibliothèque offre désormais au moins une place pour sept étudiant(e)s.