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2019/4 Qualité de service – Service de qualité

Fachtagung VSA 2019: Kollektive Intelligenz - Neue Formen archivischer Kooperation

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Die Fachtagung des VSA fand am 13. September im Kanton Schwyz statt. Zahlreiche Archivarinnen und Archivare versammelten sich an der Pädagogische Hochschule in Goldau. Die Arbeitsgruppe Zugang und Vermittlung hatte dieses Jahr ein Programm zusammengestellt, das sich durch eine grosse Breite von Themen auszeichnete.

Begrüsst wurden die Anwesenden durch Claudia Engler, die diese Aufgabe als abtretende VSA-Präsidentin zum letzten Mal wahrnahm. Claudia Engler konstatierte, dass echte Innovation den Mainstream immer in Frage stellen sollte. Sie wies darauf hin, dass allein mit künstlicher Intelligenz und neuer Software keine Probleme gelöst werden können. Vielmehr erhofft sie sich von neuen Arten der Zusammenarbeit einen intelligenten Archivschwarm. Danach führte Stefan Kwasnitza im Namen der AG Zugang und Vermittlung ins Thema der Tagung ein. Archivische Kooperation ist gemäss Stefan Kwasnitza notwendiger denn je. Nur im Dialog, mit gemeinsam entwickelten Tools und Open-Source-Lösungen können die Archive die Herausforderungen der digitalen Transformation angehen. Stefan Kwasnitza wies darauf hin, dass die AG Zugang und Vermittlung das Thema «Kooperation» nicht nur an der Fachtagung thematisiert, sondern verschiedene Beispiele zum Crowdsourcing auch auf der VSA-Webseite vorstellt. Der Begrüssung vorausgegangen war eine Präsentation von arCHeco durch Daniel Nerlich. Er zeigte, wie die bestehende Zusammenarbeit mit neuen Partnern ausgeweitet wurde, um so die Wirtschaftsbestände in den Archiven besser sichtbar zu machen.

Das erste Keynote-Referat hielt Peter Fornaro vom Digital Humanities Lab in Basel. Er strich zum Thema «Interoperabilität von Daten und Menschen» heraus, dass die Beschäftigung mit digitalen Objekten (in seinem Referat zeigte dies Peter Fornaro am Beispiel von Bildern) sich immer mit Datengenese, Aufbewahrung und Nutzung auseinandersetzen muss. Wichtig ist dabei, dass die Objekte zugänglich gehalten werden. Datenschnittstellen – die möglichst standardisiert sein müssen – sind dabei das Tor zu den Daten selbst. Peter Fornaro thematisierte den Standard IIIF, der eine bessere Anpassbarkeit von Bildern an verschiedene Nutzungsszenarien ermöglicht. Zudem ermöglichten Standards bei der Digitalisierung auch die Vergleichbarkeit von Bildern und deren Nutzung. Wichtig sei dabei, dass nachvollziehbar bleibt, wie ein Objekt entstanden ist.

Der erste Block mit Referaten stand unter dem Titel «Daten-Netzwerke / Réseaux de données». Tobias Hodel, neu Assistenzprofessor für Digital Humanities an der Universität Bern, zeigte mit dem EU-Projekt READ (Recognition und Enrichment of Archival Documents), an dem er von Seiten des Staatsarchivs Zürich mitgearbeitet hatte, wie die Zusammenarbeit von verschiedenen Forschungsgruppen und Archiven die Weiterentwicklung der Handschriftenerkennung ermöglicht und mit Transkribus eine Forschungsinfrastruktur geschaffen hat. Hier werden selbstlernende Technologien eingesetzt um neue Zugänge zu handgeschriebenen Dokumenten zu schaffen, mit einer sehr niedrigen Fehlerquote bei der Texterkennung. Möglich wurde diese Entwicklung laut Hodel erst durch den kontinierlichen Austausch und auch durch viel Arbeit in der Community, wo laufend Feedback abgeholt wurde. Michele Merzaghi und Niklaus Stettler stellten die Arbeit der Projektgruppe ENSEMEN des VSA vor. Die Projektgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, Metadaten und Informationspakete zu normieren und einen Standard, beruhend auf Linked Data Technologie, zu entwickeln, der vor allem den Archivnutzenden einen Mehrwert schafft. Metadaten sollen in einem generischen Modell abgebildet, die Grundlagen für ein Informationspaket und eine schweizerische Umsetzung des Standards Records in Context geschaffen werden. Die Projektgruppe stellt die archivübergreifende Zusammenarbeit einerseits bei ihrer eigenen Arbeit wie auch beim angestrebten Resultat in den Vordergrund. Silvan Heller und Loris Sauter von der Database and Information Systems Research Group an der Universität Basel schlossen den ersten Block mit der Präsentation der Möglichkeiten der inhaltsbasierten Multimediasuche mit «vitrivr» ab. Hier werden verschiedene Repräsentationen eines Objektes auffindbar gemacht mit einer Suche, die über die Suche nach Text und Metadaten hinausgeht.

Nach dem Mittag folgte der zweite Block zum Thema «Open(Source) Communities». Lambert Kansy vom Staatsarchiv Basel-Stadt stellte das Projekt «digitalAccess2archives» der Staatsarchive Basel-Stadt und St. Gallen vor, das sich mit dem Service Design für den digitalen Lesesaal beschäftigt hatte. Die beiden Archive wollten mit ihrem Projekt herausfinden, wie sich die verschiedenen Benutzergruppen die online und onsite Dienstleistungen des Archivs vorstellen. Dabei sollten nicht nur die bisherigen Benutzenden, sondern auch die Nicht-Nutzer befragt werden. Lambert Kansy zog – trotz eines hohen Aufwands – ein positives Fazit. Gerade die Öffnung der Fragestellung über das Digitale hinaus, hat beim Staatsarchiv Basel-Stadt dazu geführt, dass die Erkenntnisse aus dem Projekt nicht nur für die Entwicklung des digitalen Lesesaals verwendet werden können, sondern auch für den analogen Lesesaal im Neubau des Staatsarchivs hinzugezogen werden konnten. Kerstin Arnold vom Archives Portal Europe zeigte in ihrem Beitrag, wie das Portal ein Redesign im Dialog mit den Nutzenden angegangen ist. Die Aufgabe war dabei nach sechseinhalb Jahren moderner, visueller, mobiler und nutzerfreundlicher zu werden. Die Herausforderung war, den Kontakt mit verschiedenen Nutzergruppen in den diversen Ländern herzustellen. Erreicht wurde dies schliesslich über eine Benutzerumfrage auf dem Portal selber, mit Fokusgruppen in den jeweiligen Ländern und mit einem Check bei den Country Managern des Portals.

Das zweite Keynote-Referat war der Vorstellung des neuen Online Zugangs des Schweizerischen Bundesarchivs durch Martin Fries und Stefan Kwasnitza gewidmet. Dieser ist mehr als nur eine neue Suchmaschine, sondern soll den Lesesaalbesuch im Bundesarchiv mittelfristig obsolet machen. Der Online Zugang fasst Angebote wie Recherchieren, Bestellen, Konsultieren von digitalen und analogen Unterlagen sowie Digitalisieren für die Nutzerinnen und Nutzer zusammen und ermöglicht einen regel- und rollenbasierten Zugang. Von Seiten des Archivs wird auch die Prüfung und das Verwalten von Anfragen unterstützt. Eine Demo des Public Client des Online Zugangs zeigte diese verschiedenen Möglichkeiten und rundete damit die Tagung ab.

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Aus dem Tagungprogramm: Die Fachtagung 2019 untersucht und diskutiert Beispiele zeitgemässer Formen archivischer Kooperation. Vor dem Hintergrund der digitalen Transformation von Archivdienstleistungen gewinnt der Austausch mit den Nutzenden an Bedeutung. Gleichzeitig fördern OpenSource-Communities die nachhaltige Entwicklung fachspezifischer Software-Werkzeuge, die neue Einstiegspunkte in Archivgut ermöglichen. Nicht zuletzt ändern sich auch die Formen und Perspektiven der Zusammenarbeit. Zu der mittlerweile schon klassischen Gremienarbeit und der Projektarbeit mit Externen gesellen sich agile Entwicklung und die Arbeit in dynamischen Netzwerken.

Du programme de la journée professionelle: La journée professionnelle 2019 s’oriente autour d’exemples actuels de coopérations archivistiques. Dans un contexte de transformations digitales des services d’archive, l’échange avec les différents utilisateurs gagne en importance. Parallèlement, les communautés OpenSource favorisent le développement continu d’outils et logiciels spécialisés, qui offrent de nouvelles perspectives. Enfin, les types de collaborations sont également en transformation. Aux formes classiques de travail par commissions ou par projets s’ajoutent de nouvelles perspectives de travail via des réseaux dynamiques.