Commentaires Résumé
2018/3 Notre mission professionnelle

Herbert Staub: «Ich bin dabei und schreibe stolz auf meine Visitenkarte ‹Mitglied von Bibliosuisse›»

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Am 29. August findet in Montreux, als Auftakt zum Schweizer Bibliothekskongress 2018, die erste Generalversammlung des neuen Berufsverbandes Bibliosuisse statt. Herbert Staub, Präsident von Bibliothek Information Schweiz, erklärt die Bedeutung.

Wir schreiben den 29. August 2018, heute findet die erste Generalversammlung des Verbandes Bibliosuisse statt. Was bedeutet dies für die Bibliotheken und Dokumentationsstellen in der Schweiz? Herbert Staub: Nach fast drei Jahren ist ein erstes Ziel erreicht: Alle Bibliotheken und Dokumentationsstellen sind in einem gemeinsamen Verband vereint. An der heutigen Generalversammlung wird über die Struktur des Verbandes abgestimmt. Mit der Wahl des Vorstandes wird die Phase des Interregnums vorbei sein. Jetzt gilt es, auf der Basis der Vorarbeiten der Arbeitsgruppe Gründung die inhaltlichen Fragen anzupacken. Und da gibt es sehr viel zu tun!

arbido und der Schweizer Bibliotheksverband waren und sind eng verknüpft. Als erste Ausgabe von arbido gilt das summarische Protokoll einer Zusammenkunft von Bibliothekaren vom 30. Mai 1897. Sie trafen sich damals, um die erste Vereinigung schweizerischer Bibliothekare vorzubereiten; dem Vorgängerverband von BIS und Bibliosuisse und hielten fest: «Die Vereinigung schweizerischer Bibliothekare will keineswegs die schweizerischen Bibliotheken zwangsweise vereinheitlichen, sondern lediglich 1. freien Gedankenaustausch veranlassen über alles, was Bibliotheken berührt, und 2. gemeinsame Interessen wahren und gemeinsame Aufgaben lösen helfen.» Inwiefern gilt das heute noch oder wieder? Im Grundsatz gelten die 1897 genannten Ziele auch für den neuen Verband: Bibliosuisse vertritt auf nationaler Ebene alle Bibliotheken und Dokumentationsstellen, schafft aber gleichzeitig mit den Sektionen Raum für fachliche und regionale Vielfalt. Was damals «Gedankenaustausch» hiess, heisst heute Kommunikation, und die steht nicht nur jetzt mit dem Kongress in Montreux im Zentrum. Das «Wahren von Interessen» nennen wir heute Lobbying und zählt zu den wichtigen Aufgaben des Verbandes, sowohl auf kommunaler wie auf nationaler Ebene. Und vielleicht mehr denn je stehen Bibliotheken heute vor Aufgaben, die nur gemeinsam gelöst werden können.

Welche Aufgaben sind das, die gemeinsam gelöst werden müssen?  Etwas vom Wichtigsten ist die Aus- und Weiterbildung. Bei der Weiterbildung müssen die Kräfte unbedingt gebündelt werden. Parallelstrukturen sind in diesem Bereich absurd und eine Verschleuderung von Ressourcen. Die Ausbildung soll endlich den ganzen Bibliotheks- und Dokumentationsbereich umfassen. Dabei muss die Grundbildung im Zentrum stehen und Basis für die Bibliotheksarbeit werden. Nennen Sie mir einen anderen Beruf, den man ohne Lehre ausüben kann. Informatikerin? Verkäufer? Koch? Nein. Aber in einer Bibliothek darf man arbeiten ohne Berufslehre. Warum das? Die Anforderungen sind in den letzten Jahrzehnten enorm gestiegen. Doch das Berufsbild scheint noch aus dem letzten Jahrhundert zu stammen. Im Weiteren wird die gemeinsame Interessenvertretung immer wichtiger. Bibliotheken sind heute enorm gefordert. Nicht zuletzt durch die kulturpolitische Diskussion, die laut und heftig geführt wird. Bibliotheken brauchen deshalb eine starke Stimme, die ihnen im politischen Umfeld Gehör verschafft. 

Kaum jemand bezweifelt die Notwendigkeit eines starken Berufsverbandes, doch braucht es für einen starken Verband nicht auch starke Bibliotheken? Die Bibliotheken sind in den letzten Jahren selbstbewusster, und damit auch stärker geworden. Sie haben sich den Diskussionen und Herausforderungen offen gestellt und ihre Angebote neuen Bedürfnissen und einer immer diverser werdenden Gesellschaft angepasst. Gerade in einer sich schnell verändernden Welt wird ein zentraler Auftrag von Bibliotheken immer wichtiger: Den Zugang zu Information niederschwellig und für alle zu garantieren. Das wirkt sich auch auf den Berufsstolz der Schweizer Bibliothekarinnen und Bibliothekare aus. Die Aussage «I’m proud to be librarian» ist längst nicht mehr nur in US-amerikanischen Bibliotheken zu hören. In Bezug auf Bibliosuisse heisst das: Starke, selbstbewusste Bibliotheken stellen Forderungen, die von einem starken, selbstbewussten Verband vertreten werden.

Starke, selbstbewusste Bibliotheken stellen Forderungen, die von einem starken, selbstbewussten Verband vertreten werden.

Bibliosuisse, wie andere Berufsverbände auch, ist auf das Engagement seiner Mitglieder, Einzelpersonen wie Institutionen, angewiesen. Wieso lohnt es sich, sich im Verband Bibliosuisse zu engagieren? Auch abgesehen von der Mehrsprachigkeit, waren die Schweizer Bibliotheksverbände im Vergleich zu jenen im Ausland schon immer in einer speziellen Position: Institutionen und Mitarbeitende, also Arbeitgebende und Arbeitnehmende, waren sowohl bei SAB als auch bei BIS in einem Verband vereint. Das ist bei Bibliosuisse nicht anders, und das ist vielleicht auch typisch für die Schweiz und ihre Konsenspolitik. Bibliosuisse ist aber mehr als nur Bibliotheksverband, er ist auch Personalverband. Das wird mit der Einzelmitgliedschaft betont, die eine grössere Bedeutung erhält. Die diffuse Kollektivmitgliedschaft gibt es nicht mehr. Jetzt heisst es: Ja, ich bin dabei und schreibe stolz auf meine Visitenkarte «Mitglied von Bibliosuisse». Im Wissen darum, dass jeder und jede mit der Mitgliedschaft den Verband stärkt, und von einem starken Verband alle profitieren. 

Jene Männer, welche 1897 die erste Vereinigung schweizerischer Bibliothekare gründeten, trafen sich an einem Sonntag. Ihr Engagement schien kein Wochenende, keinen Feierabend zu kennen. Wie will Bibliosuisse gerade die Berufsleute dafür gewinnen, sich neben herausfordernden Jobs, notwendiger Weiterbildung und Privatleben auch noch für ihren Berufsverband einzusetzen? Schauen Sie die lange Liste der Kandidatinnen und Kandidaten für den Bibliosuisse-Vorstand an! Das spricht doch Bände! Wir hatten erfreulicherweise keine Mühe, Leute zu finden, die sich für Bibliosuisse engagieren wollen. Der Funke ist ganz offensichtlich gesprungen: Das Gemeinschaftsgefühl, das Bibliosuisse vermittelt, überträgt sich auf seine Mitglieder und ihr Engagement.

Die morgen erscheinende Ausgabe von arbido widmet sich der beruflichen Mission. Hat Bibliosuisse eine Mission? Bibliotheken haben eine Mission. Sie ist in der Charta der Schweizer Bibliotheken von 2010 formuliert, wo es unter anderem heisst: «[Die Bibliotheken] bereiten Information in all ihren Erscheinungsformen in hoher Qualität auf und stellen sie in einer anregenden Umgebung zur Verfügung. Sie dienen sowohl dem Einzelnen als auch der Gemeinschaft und unterstützen den Zusammenhalt in einer zunehmend komplexen Gesellschaft.» Die Mission von Bibliosuisse ist es, die Bibliotheken, und ja: auch die Dokumentationen, bei der Erfüllung dieser wichtigen kulturellen und gesellschaftlichen Aufgabe durch Ausbildung, Vernetzung und Interessenvertretung zu unterstützen.

Die Mission von Bibliosuisse ist es, die Bibliotheken durch Ausbildung, Vernetzung und Interessenvertretung zu unterstützen.

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