Commentaires Résumé
2016/2 Délocalisé, acheté, externalisé

Datenpool als kantonale Dienstleistung

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Der Kanton Zürich stellt den Gemeinde- und Schulbibliotheken im Kanton die Katalogdaten des Schweizerischen Bibliotheksdienstes (SBD.bibliotheksservice ag) kostenlos zur Verfügung. Der Beitrag erörtert die Hintergründe dieser Dienstleistung, berichtet über die Entwicklung der Nutzung und wirft einen Blick in die Zukunft. 

Seit der Jahrtausendwende gibt es im Kanton Zürich Bestrebungen, einen Verbundkatalog zu schaffen und den Datenaustausch zwischen den Bibliotheken zu fördern. Erste Schritte erfolgten im Bezirk Bülach und mündeten 2003 in einem Miniverbund von sieben Bibliotheken. In den Folgejahren wuchs der Verbund stark an: 2005 waren 55 Bibliotheken im Verbund; 2010 rund 80. Heute sind von den rund 150 Gemeinde- oder kombinierten Gemeinde- und Schulbibliotheken rund zwei Drittel im Verbund vertreten. Der Kanton fördert die Teilnahme, indem er die einmaligen Anschlusskosten an den Verbund für die Bibliotheken übernimmt und die Verbundseite www.bibliotheken-zh.ch betreibt. 

Schwierigkeiten und Herausforderungen 

Was schön klingt, hat auch seine Makel: Es ist einerseits kein Verbundkatalog im eigentlichen Sinn, sondern «nur» ein Metakatalog der beteiligten Bibliotheken, sodass er primär nutzerseitig, weniger aber auf Bibliotheksebene Erleichterungen bringt. Zudem handelt es sich de facto um einen Zusammenschluss der Winmedio-Bibliotheken (FA Predata) im Kanton. Nebst Winmedio sind aber andere Bibliothekssoftware-Anbieter auf dem Zürcher Markt präsent, insbesondere die FA BiThek, die rund 50 Gemeinde- oder Gemeinde- und Schulbibliotheken beliefert. Zwar haben auch diese Bibliotheken grundsätzlich die Möglichkeit, dem Verbundkatalog beizutreten. Sie erhalten dafür jedoch nur einen Nachweis ihres Bestands zu relativ hohen Kosten. 

Nur wenige haben auf den Datenaustausch gewartet 

Die Entwicklung des Verbundkataloges geht einher mit der Förderung des Datenaustausches zwischen den Bibliotheken. Der Kanton setzte sich ab 2005 stark dafür ein, den Datenaustausch zwischen den Bibliotheken zu fördern. Dies nicht nur im Bestreben um einen einheitlichen Verbundkatalog, sondern vor allem, um den Mitarbeitenden der Bibliotheken den Arbeitsalltag zu er- leichtern. Die Herausforderungen betrafen jedoch nicht nur technische und inhaltliche Belange, es bedurfte auch grosser Überzeugungsarbeit, um die Gemeinde- und Schulbibliotheken im Kanton Zürich vom Sinn und Nutzen des Fremddatenbezugs zu überzeugen. Dazu fanden diverse Anwendertreffen statt, wobei ein Grossteil der Bibliotheken die Bestrebungen unterstützte und schätzte. Eine Minderheit sah die Bestrebungen mit Skepsis, da sie die Katalogisierung als ihr Kernbusiness betrachteten, dass sie auch zukünftig pflegen wollten. Trotz der Widerstände wurden die Bestrebungen fortgesetzt, und 2008 konnte zum einen der Datenaustausch zwischen den Winmedio- Bibliotheken im Verbund realisiert werden. Zusätzlich wurde mit dem Schweizerischen Bibliotheksdienst (SBD) eine Lösung gefunden, mit welcher die Verbundbibliotheken die SBD- Katalogdaten nutzen können. Der Kanton bezahlt dabei pro heruntergeladenen Datensatz einen Fixbetrag. 

Nutzung der Fremddaten

In den ersten beiden Jahren wurde der Datenaustausch allgemein, insbesondere aber der kostenlose Bezug beim SBD sehr wenig benutzt. Eine Umfrage bei den Verbundbibliotheken über die Nichtnutzung brachte verschiedene Ursachen zutage:

  • Vielen Bibliotheken war nicht bewusst, dass die Datennutzung tatsächlich kostenlos ist.
  • Einige Bibliotheken trauten der Datenqualität nicht und katalogisierten deshalb selber.
  • Einige Bibliotheken erwähnten, dass die Daten nicht genügend schnell verfügbar seien. 

Durch eine nochmalige Informationsoffensive und nicht zuletzt durch ein gestiegenes Vertrauen in die Daten des SBD stieg die Nutzung des Angebots danach an. 2015 wurden 75 523 Datensätze heruntergeladen, wobei es sich um 24 692 unterschiedliche Sätze handelte. Das heisst: Ein Datensatz wurde durchschnittlich rund drei Mal heruntergeladen.

Damit lässt sich auch der ökonomische Nutzen des Angebots, zumindest in Form einer Milchbüchleinrechnung, beziffern. Ohne die Katalogdaten des SBD hätten die 24 692 Titel von einer der Bibliotheken katalogisiert werden müssen. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Katalogisierungszeit von zehn Minuten ergibt sich daraus eine Arbeitsersparnis von 4115 Stunden. 

Erweiterung auf möglichst alle Bibliotheken im Kanton 

Trotz guter Nutzung bleibt der Makel, dass ein Drittel der Zürcher Bibliotheken nicht von dieser Dienstleistung profitieren kann, da sie nicht im Verbundkatalog vertreten sind. Im neuen Vertrag, der mit dem SBD abgeschlossen werden konnte und der seit Anfang 2016 in Kraft ist, haben nun – ausser der PBZ und den Winterthurer Bibliotheken, die aufgrund ihrer Grösse davon ausgeschlossen sind – alle Gemeindebibliotheken Zugriff auf die Katalogdaten. Im Zuge der Neuverhandlungen wurde auch das Bezahlmodell geändert. Neu zahlt der Kanton einen Pauschalbetrag für den gesamten Datenpool und nicht mehr für jeden einzelnen Datensatz. Auch wenn sich aufgrund des Kostendachs in den vorherigen Verträgen und an der Technik des Bezugs (die Datensätze sind, da sie nur im Kanton Zürich genutzt werden können, weiterhin kopiergeschützt, und jede Bibliothek greift direkt auf den Datenpool des SBD zu) nichts geändert hat, ist der Wechsel zum Datenpool doch ein symbolisch wichtiger Schritt. 

Szenarien zum Datenaustausch der SAB 

In ihrer 2015 erschienen Publikation «Szenarien Datenaustausch» empfiehlt die SAB als ersten Schritt die Schaffung von Katalogverbünden; die Idee eines Datenpools wird als ein weiteres, in den Augen der AutorInnen jedoch unrealistisches Szenario skizziert. 

Die Fachstelle Bibliotheken sieht das anders. Natürlich würden auch wir uns «richtige» Katalogverbünde wünschen, da sie sowohl nutzer- als auch bibliotheksseitig Verbesserungen und Erleichterungen bringen. Gerade in Kantonen wie Zürich, mit einer heterogenen Landschaft von Bibliothekssystemen, sind flächendeckende Verbünde jedoch schwierig zu erreichen. Dagegen sind Datenpools einfacher und unabhängig von Verbünden möglich – sowohl die Datenpools der Softwareanbieter, die teilweise schon bestehen aber nicht völlig offen sind, als auch der Datenpool des SBD, der softwareunabhängig genutzt werden kann und mit dem der Kanton Zürich gute Erfahrungen macht. Insbesondere auch, weil die Daten im Vergleich zu kostenlosen Alternativen (bspw. DNB) den Anforderungen der Gemeindebibliotheken ge- recht werden. Wir würden es begrüssen, wenn auch weitere Kantone oder Verbünde daran partizipieren und die Entwicklung in Richtung nationaler Datenpool führen würde. 

Fazit

Seitens Kanton erwarten wir von den Gemeinde- und Schulbibliotheken (so auch in unserer Bibliotheksstrategie 2020), dass sie sich weiterentwickeln und ihre Angebote ausbauen. Das kann aber nur geschehen, wenn wir bei zentralen oder automatisierbaren Tätigkeiten Unterstützung bieten können. Deshalb bieten wir im Kanton Zürich nicht nur Informationen, Weiterbildungen und Beratung an, sondern erbringen auch zentrale Dienstleistungen, welche den Arbeitsalltag der Bibliotheken er- leichtern: Der Datenpool, den wir den Bibliotheken zur Verfügung stellen, ist ein Musterbeispiel dafür. 

Bibliographische Angaben: 

Kanton Zürich, Bibliotheksstrategie 2020, Zürich, 2015, online: www.tinyurl.com/bibstratZH (Zugriff vom 29.3.2016) 

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Tobias Schelling

Tobias Schelling arbeitet in der Fachstelle Bibliotheken des Amts für Jugend und Berufsberatung (AJB) des Kantons Zürich. Nach der BBS-Ausbildung an der ZB Zürich, einem Ethnologiestudium an den Universitäten Zürich und Basel und diversen Anstellungen in wissenschaftlichen Bibliotheken, war er vor seiner jetzigen Anstellung in der ZHB Luzern und der GGG Stadtbibliothek Basel in verschiedene Bauprojekte involviert. Er ist Mitglied der SAB-Normenkommission und Vorstandsmitglied der IG WBS. 

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Résumé

Le Canton de Zurich met depuis 2008 gratuitement à disposition de ses bibliothèques communales et scolaires du catalogue collectif zurichois le catalogue des données du Service suisse aux bibliothèques (SBD/SSB). Ceci afin de garantir l’uniformité et la qualité des données du catalogue collectif zurichois. Un autre objectif, voire le principal, est aussi de soulager les bibliothèques dans leurs tâches quotidiennes. C’est pourquoi dès cette année, ce ne sont plus seulement les bibliothèques membres du réseau mais toutes les bibliothèques communales et scolaires de Zurich qui profitent de cette offre.