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2015/4 Kompetenzen

Wer möchte in den I+D-Bereich? Ein Erfahrungsbericht aus Sicht der Berufsberatung

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Es sind wenige Schülerinnen und Schüler, die sich bei der Berufsberatung nach der dreijährigen Ausbildung zur «Fachperson Information und Dokumentation EFZ» erkundigen. Meist sind es die «Leseratten», die sich im Rahmen ihrer Berufswahl mit dem I+D-Bereich auseinandersetzen. Die Ausbildung verlangt aber noch weitere Interessen und Fähigkeiten. 

Im Beratungsalltag kommt es selten vor, dass Jugendliche den Berufswunsch Fachperson Information und Dokumentation äussern oder sogar schon einmal in diesem Arbeitsgebiet geschnuppert haben. Liegt dies daran, dass der Beruf zu wenig bekannt ist oder brauchen angehende Fachpersonen I+D gar keine Berufsberatung, weil sie sich selbst im Internet darüber schlau machen?

Kommt der Beruf in der Beratung doch zur Sprache, beispielsweise als Ergebnis einer Interessenklärung, so winken die Jugendlichen bei den Stichworten Bibliothek, Archiv und Dokumentation meist ab. Nur wenige werden hellhörig und möchten sich näher mit dem Berufsbild beschäftigen. Häufig kommen diese aus einem bildungsnahen Elternhaus. Sie verbringen die Freizeit oft in der Bibliothek und «verschlingen» ein Buch nach dem anderen. An all die anderen Medien und Arbeiten, mit denen sich Fachleute I+D ebenso beschäftigen, denken sie aber oft nicht.

Vielfältige Kompetenzen gefordert

Fachleute I+D müssen eine hohe Dienstleistungsorientierung mitbringen, so sind – entgegen der weitläufigen Meinung – keine Eigenbrötler gefragt, die den ganzen Tag in einem Keller verbringen. Die Fachleute arbeiten meist im Team und haben je nach Arbeitsgebiet viel Kundenkontakt. Dies nicht nur im Bibliotheks- und Dokumentationsbereich, sondern auch im Archiv. Wer im I+D-Bereich arbeiten möchte, braucht eine gute Allgemeinbildung, muss gerne und ausdauernd Sachverhalte hinterfragen und recherchieren. Auch Routinearbeiten gehören zum Alltag.

Die berufliche Grundbildung stellt vom schulischen Niveau her hohe Anforderungen. So müssen angehende Lernende vor allem in den Sprachfächern gute Leistungen vorweisen. Darüber hinaus ist eine gewisse Computeraffinität gefragt. Damit ist nicht primär der Umgang mit sozialen Medien gemeint, der den Jugendlichen oft nahe liegt, sondern ein zielgerichteter Umgang mit Suchmaschinen, Datenbanken sowie rasches Zurechtfinden auf Webseiten.

Wer zusätzlich die Möglichkeit hat, eine Berufsmatura zu machen, eröffnet sich dadurch mehr Weiterbildungs- möglichkeiten nach der Lehre.

Knappes Lehrstellenangebot

Im Vergleich zu anderen Berufen gibt es eine sehr kleine Anzahl an Ausbildungsplätzen für Fachpersonen I+D. Der Lehrstellennachweis der Kantone, der auf www.berufsberatung.ch1 ersichtlich ist, listet für Lehrbeginn 2016 23 freie I+D-Lehrstellen in der gesamten Schweiz auf. Der Website der Ausbildungsdelegation I+D2 ist zu entnehmen, dass kantonal grosse Unterschiede bezüglich dem Lehrstellenangebot bestehen – je nachdem, ob in einem Kanton beispielsweise viele Verwaltungsarbeitsplätze angesiedelt sind oder ob es sich eher um einen kleinen Kanton handelt, in dem sich die Lehrstellen auf das Staatsarchiv und die Kantonsbibliothek beschränken.

Nicht alle aufgeführten Lehrbetriebe bieten jährlich einen Ausbildungsplatz an, was bedeutet, dass weniger Lehrstellen angeboten werden, als die Anzahl Lehrbetriebe vermuten lässt. Unter den Betrieben, die nicht jährlich eine Lehrstelle anbieten, finden sich auch einige grosse Unternehmen. Auffallend ist, dass der Anteil an Lehrplätzen in der Privatwirtschaft bescheiden ist. Schliesslich finden sich auch dort Arbeitsmöglichkeiten nach der Ausbildung.

Wäre das Lehrstellenangebot grösser, würden sich wohl mehr Jugendliche näher mit dem Berufsbild beschäftigen. Ist die Anzahl Lehrstellen in einem Beruf bescheiden und die Chance für einen Ausbildungsplatz allein schon deswegen gering, wird oft auf alternative Berufe ausgewichen.

Breite Grundbildung für vielfältige I+D-Funktionen 

Wer in der I+D-Branche arbeitet, dem ist klar, dass ein grosser Unterschied besteht zwischen den Tätigkeiten in einer Dokumentationsstelle, einer Bibliothek oder einem Archiv. Den Jugendlichen in der Berufswahl ist dies oft wenig bewusst. I+D wird rasch mit Bibliothek assoziiert und mit Büchern. Die eingefleischten «Leseratten» kommen wohl in einer Dokumentationsstelle oder in einem Archiv weniger auf ihre Kosten, wobei natürlich die Ausbildung in der Bibliothek nicht aus Bücherlesen besteht! Wer in einem Archiv die Ausbildung macht, arbeitet mit anderen Informationen und Informationsträgern als Lernende in der Bibliothek und interessiert sich von Vorteil auch für historische Dokumente. Lernende in einer Dokumentationsstelle müssen sich besonders für Recherchetechniken interessieren. Sie arbeiten teilweise in der Privatwirtschaft, während Archive und Bibliotheken vielfach zur öffentlichen Verwaltung gehören.

Die Lernenden erhalten im Laufe ihrer Ausbildung auch Einblick in die anderen Bereiche und im Berufsfachschulunterricht werden alle drei Arbeitsorte abgedeckt. So sehen die Fachpersonen I+D während der Lehre, welches Gebiet ihnen am meisten zusagt und können nach der Ausbildung in ihre präferierte Branche wechseln. 

Bruckner Simone 2015

Simone Bruckner

Simone Bruckner arbeitet als Berufs- und Laufbahnberaterin im Beratungs- und Informationszentrum für Bildung und Beruf (BIZ) des Kantons Luzern. Ursprünglich hat sie eine Berufslehre als Fachfrau Information und Dokumentation EFZ gemacht mit anschliessendem Bachelorstudium FH in Informationswissenschaft. Simone Bruckner arbeitete im Bereich Records Management und war auch als Praxisausbildnerin sowie Prüfungsexpertin im Qualifikationsverfahren von Fachpersonen Information und Dokumentation EFZ tätig. Nach einigen Jahren Berufserfahrung absolvierte sie den MAS in Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung und wechselte somit die Branche.

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Ce sont surtout les «rats de bibliothèque» typiques qui s’intéressent aux services d’orientation professionnelle pour le métier d’agent en information documentaire CFC. Ils doivent répondre à un haut niveau scolaire et apporter de fortes aptitudes sociales pour obtenir un apprentissage. L’offre de places d’apprentissage est généralement limitée, mais varie d’un canton à l’autre. Les places d’apprentissage se trouvent principalement dans l’administration publique et rarement dans le secteur privé.