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2013/3 Parlons jeunesse – Reden wir vom jungen Publikum!

Mediothek Sternmatt 2 – das Lern- und Arbeitszentrum der Oberstufe Baar

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Den Jugendlichen von heute eilt ein unschönes Bild voraus: Laut, frech und lesefaul seien sie, nur auf ihre digitale Welt fokussiert und bei Mediotheksbesuchen eine Zumutung. Auch die Lehrpersonen kommen oft nicht besser weg: ständig überlastet und an einer gewinnbringenden, intensiven Zusammenarbeit mit der Mediothekarin nur mässig interessiert.

Doch es geht auch anders. Mit einem unkonventionellen Gesamtkonzept, das den Aufgabenbereich der Mediothekarin um viele Komponenten und Kompetenzen erweitert und die Zusammenarbeit und Mitbestimmung aller Benutzer ins Zentrum stellt, hat die Mediothek der Oberstufe Sternmatt 2 grossen Erfolg. Das Rezept heisst: die Jugendlichen dort abholen, wo sie stehen, und den Lehrpersonen die Entlastung bieten, die sie brauchen.

In der Mediothek Sternmatt 2 trifft man sich – ob in der gemütlichen Fatboy-Ecke, an der Ausleihtheke oder im E-Corner. Die Mediothek ist ein Arbeits- und Lernort, der aber auch zum Verweilen ausserhalb des Unterrichtes einlädt. Selten ist die Mediothek unbenutzt, es herrscht ein Kommen und Gehen. Die Besuche erfolgen in ganzen Klassen, kleineren Schülergruppen, zu zweit oder individuell und gehören zum ganz normalen Schulalltag der Jugendlichen. Es wird gelernt, geübt, gemeinsam diskutiert, aber auch gechillt. Nicht selten wird die Mediothek zum Vortragsraum, zum Kinosaal, zum Tanzatelier oder Filmset.

270 Schülerinnen und Schüler besuchen gemeinsam mit 36 Lehrpersonen in 17 Klassen das Schulhaus Sternmatt 2. Im Parterre des Hauses, ganz von Glas umgeben, befindet sich die Mediothek, die von der Mediothekarin in einem 70%-Pensum geleitet wird. Die Grösse entspricht etwa 4 bis 5 Schulzimmern und bietet viel Raum. Neben den 12 PC-Stationen im E-Corner gibt es viele Möglichkeiten, individuell zu arbeiten. Gruppentische und Einzelarbeitsplätze stehen genügend zur Verfügung. Auch die Öffnungszeiten sind grosszügig: Täglich ist die Mediothek offen und hält ein Medienangebot von gut 7000 Medien bereit.

Doch reicht es aus, ein attraktives Angebot zu führen? Wie können Jugendliche in die Mediothek gelockt werden, und wie gelingt die Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen möglichst optimal?

Ein Einblick in die Konzeptzutaten: 1. Die Mediothek ist das Herz der Schule und ein Ort zum Wohlfühlen

Es gibt immer einen Grund, um in die Mediothek zu kommen. Dabei steht die Medienausleihe nicht zwingend im Zentrum. Die Lebenswelt eines Teenagers gleicht einem täglichen Bad in Hochs und Tiefs, die selten mit dem Schulstoff in Zusammenhang stehen und doch irgendwo abgeladen werden müssen. Ob Liebeskummer oder erfolgreiche Lehrstellensuche – die niederschwelligste Anlaufstelle für alle Lebenslagen ist die Mediothek. Deshalb finden nicht nur Fantasy-Freaks, angehende Kommissare, Pferdeflüsterinnen oder Vampirbräute den Weg dorthin, sondern auch unglücklich Verliebte oder Verhaltenskreative.

Neben den regelmässigen Klassenbesuchen, die Abwechslung in den Schulalltag bringen, sorgen zusätzliche Events wie Autorenlesungen oder Einführungs-Rallyes dafür, dass die Mediothek mit positiven Erlebnissen assoziiert wird.

2. Die Bedürfnisse der Benutzerinnen und Benutzer sind im Zentrum

Kein Tag ist wie der andere. Mal braucht jemand Hilfe bei einem Bewerbungsschreiben, bei der Bedienung einer Filmkamera oder der Powerpoint-Präsentation für den Vortrag. Lehrpersonen suchen Beratung zu möglichen Unterrichtsmaterialien oder Klassenlektüren, die ebenfalls in grosser Menge vorhanden und in die Mediothek integriert sind. Bibliothekarische Katalogsarbeiten rücken deshalb oft in den Hintergrund und werden auf weniger frequentierte Stunden oder die Ferienzeit verschoben. Weit öfter ist die Mediothekarin als Mediencoach oder im Teamteaching mit der Lehrperson im Einsatz – oder als offenes Ohr und Klagemauer.

3. Die Jugendlichen können mitreden und mitmachen

Seit einigen Jahren bilden interessierte Jugendliche eine freiwillige Kerngruppe, das sogenannte M-Team, das zusammen mit der Mediothekarin verschiedene Treffen während des Schuljahres organisiert und beim Medieneinkauf mithilft. Die Treffen finden in der Regel über den Mittag statt. Dem Ideenreichtum beim Erstellen des Programmes sind kaum Grenzen gesetzt und die Inhalte sind keineswegs nur auf Mediotheksthemen beschränkt. Besonders erfolgreich waren Kinomittage, Manga-Workshop, Samichlaus-Event, gemeinsame Velofahrten zur Buchhandlung, Pizzaessen, Tanz- und Schminkvorbereitung für den Weihnachtball, Bastelveranstaltungen mit alten Büchern und Wettbewerbe mit attraktiven Preisen.

4. Die Mediothekarin ist Teil des Lehrerteams

Unser Schulteam bildet eine Einheit. Die Mediothekarin ist als Fachperson für Medien vollständig ins Lehrerteam integriert. Die Teilnahme an Team- und Fachschaftssitzungen, Sporttagen und Projektwochen ist selbstverständlich. Für jede Schulstufe hat die Mediothekarin verschiedene Angebote ausgearbeitet, die von den Lehrpersonen genutzt werden können und sie entlasten. Es gibt Medienkisten mit zusätzlichen Aufträgen und Hintergrundrecherchen, Workshops über aktuelle Medienthemen wie Facebook oder Recherchetricks. Die Mediothekarin organisiert Autorenlesungen und engagiert auch mal einen Rapper zum Thema Copyrights. Sie weiss über die zu vermittelnden Lerninhalte in der Oberstufe Bescheid und kann Unterrichtsmaterialien dazu empfehlen und bereitstellen. Ob erster Schultag, Abendschule, Abschlussreise oder Schlussfeier – die Mediothekarin ist dabei und packt mit an.

5. Wir holen die Zielgruppen dort ab, wo sie sich befinden

Das kann durchaus auch im Facebook sein. Die Mediothek betreibt eine Facebook-Seite. Fans erhalten auf diesem Kanal Informationen zu Neuigkeiten, Events oder Medientipps. Daneben wird mit geschlossenen Facebook-Gruppen gearbeitet, zum Beispiel als Austauschplattform für das M-Team. Eine Website mit einem Onlinekatalog ermöglicht es, die Angebote der Mediothek in Ruhe durchzuschauen. Für Lehrpersonen erstellt die Mediothekarin regelmässige Newsletter, die Zusatzmaterialien zu verschiedenen Medien, Linktipps oder auch zur vertieften Auseinandersetzung mit einem Thema beinhalten.

6. Die Mediothekarin ist medienfit

Die Auseinandersetzung mit digitalen Medien, die unsere Jugendlichen täglich während Stunden beschäftigen, ist für die Mediothekarin der Oberstufe von zentraler Wichtigkeit. Sie ist ein Medienprofi, kennt Chancen und Gefahren unserer digitalisierten, schnelllebigen Medienwelt und verfolgt einen pädagogischen Auftrag. Um àjour zu bleiben, muss sie sich stets weiterbilden und vernetzen.

Das Grundwissen vieler Jugendlicher ist selektiv, meist nur technischer Art und weit weniger kompetent, als es auf den ersten Blick scheint. Umso nötiger brauchen sie Fachleute, die sich in Medienfragen auskennen und ihnen Werkzeuge mitgeben oder Übungsfelder anbieten können, die den vorausschauenden, verantwortungsbewussten und kompetenten Umgang mit allen vorhandenen multimedialen Möglichkeiten trainieren. Denn danach verlangt die Arbeitswelt.

7. Ausgestreute Lesehäppchen machen Appetit auf mehr

Nicht immer sind es Bücher, die als Hingucker herhalten. Ein witziger Cartoon, Zusatzinfos zu einem CD-Cover oder eine ausgewählte Passage eines hochspannenden Krimis wirken genauso anregend und verführen zum Lesen. Dank geschickter Platzierung bleiben daran sogar die Augen der Leseabstinenzler hängen, zum Beispiel während sie auf das Hochfahren des Computers warten müssen. Auch selbst gemachte Lesezeichen oder Empfehlungen anderer Jugendlicher lassen Medien aus der Masse stechen und interessant werden – solche Tipps gelten weit mehr als eine Fachrezension.

Trotz allen Bemühungen gibt es auch in Baar leseschwache Jugendliche, die kaum freiwillig wegen des tollen Buchangebotes die Mediothek aufsuchen. Sie können durch ganz andere Möglichkeiten angelockt werden: Neben den topaktuellen Nonbooks ist es für die einen die lautlose Handyzone, in der das Gamen auf dem Smartphone mit Kopfhörer erlaubt ist. Andere finden immer donnerstags die neuste Bravo-Ausgabe in der Sofaecke. Auf welches Angebot die Jugendlichen ansprechen, ist nicht entscheidend. Was zählt, ist ihr Aufenthalt in der Mediothek.

8. Freiheiten mit klaren Grenzen wirken beruhigend

Quintim stürzt sich während der Pause schreiend in die Kissenecke der Mediothek. Lisa und Anja spielen sich mehrmals die neusten Videos auf dem Handy vor und singen dazu. Nathalie und Juan rennen durch die Regalreihen... Es gibt Tage, an denen braucht es Nerven aus Stahl. Oft verhalten sich Jugendliche wie Kleinkinder, sind übermütig, laut und denken nicht daran, dass sie mit ihrem Tun andere stören. Auch wenn die Mediothek viele Freiheiten bietet – die Schulhausordnung gilt hier genauso wie im übrigen Haus. Wer sich nicht daran hält, muss die Konsequenzen in Kauf nehmen. Klare, aber nachvollziehbare Grenzen sind wichtig. Es liegt im Naturell der Jugendlichen, diese auszuloten und herauszufinden, ob sie tatsächlich gelten. Diesen erzieherischen Auftrag nehmen wir ernst. Wer in der Mediothek arbeiten will, muss sich auf die nötige Ruhe verlassen können. Für Verfolgungsjagden, Kissenschlachten und Handysoundkonzerte ist die Mediothek deshalb nicht geeignet. Wer die einmalige Ermahnung verpasst und sich hartnäckig destruktiv verhalten will, weiss, dass sich Lehrpersonen und die Mediothekarin blitzschnell vernetzen und orientieren. Das Wissen darüber, dass auch Höchststrafen wie das Wegweisen aus der Mediothek oder das Konfiszieren des Handys bei entsprechendem Regelverstoss tatsächlich vollzogen werden, lässt die groben Verfehlungen auf einige wenige Vollmond- und Schneetage im Jahr reduzieren.

Wichtig bleibt: neuer Tag – neues Glück. Wer gestern nicht in Bestform gewesen ist, kann am nächsten Tag wieder neu beginnen. Nachtragend sein ist in diesem Job nicht förderlich.

9. Und zum Schluss: Das Ernten der Früchte kann dauern

Die Gemeinde Baar investiert viel Geld in unsere Mediothek. Das attraktive Angebot kostet. Doch nur mit einem grosszügigen Budget, das auch Spielräume für aktuelle Projekte, zum Beispiel einen Buchtrailer-Wettbewerb, offen lässt, ist diese Palette an Möglichkeiten überhaupt machbar. Diese Investitionen zahlen sich aus – oft aber nicht gleich unmittelbar. Den Leseknick gibt es auch in Baar. Doch dank der grosszügigen finanziellen Unterstützung durch die Gemeinde und dem starken Rückhalt der Schulleitung für dieses Konzept verlieren unsere Jugendlichen nie den Bezug zum Medienangebot. Bevor sie die Oberstufe verlassen, werden alle Klassen mit der Gemeindebibliothek bekannt gemacht. Deren Angebot kann nach der obligato- rischen Schulzeit mit derselben Mediothekskarte weiterhin gratis genutzt werden. Verstreut in die grosse, weite Lehrlingswelt merken die Jugendlichen schnell, dass Medien teuer sind und das kleine Lehrlingsbudget arg belasten. Dann ist es nur ein kleiner Schritt in die Baarer Bibliothek, die sie ja bereits während ihrer Schulzeit kennengelernt haben.

Die Vernetzung und gegenseitige Unterstützung der Bibliotheken untereinander ist zentral. Unser Ziel dasselbe: Irgendwann kriegen wir sie alle.

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Claudia Bucheli

Mediothekarin und pädagogische ICT-Animatorin 

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Résumé

Dans de nombreuses écoles du degré supérieur de notre pays, des médiathèques doivent faire avec les moyens du bord et se débrouiller avec les maigres ressources et les rares heures de décharge dont elles disposent. Tel n’est pourtant pas le cas pour ce qui est du degré supérieur de Baar. La médiathèque du centre d’apprentissage et de travail de l’école est en effet prise en charge toute la journée par une médiathécaire. Outre sa fonction de bibliothécaire, cette dernière a également un mandat pédagogique clair et conseille le personnel enseignant et les jeunes en matière de médias. Elle soutient ainsi et accompagne le personnel enseignant dans son travail quotidien. Ce concept présente également des avantages pour les jeunes concernés: ces derniers se voient en effet offrir des possibilités de participer activement à des animations et d’organiser les supports médias, ce qui leur permet d’étendre et de renforcer leur compétence dans ce domaine. Ils peuvent ainsi s’approcher chaque jour davantage de leur objectif, à savoir: devenir des utilisateurs de médias responsables et proactifs.