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Die Genderstudies haben nicht immer nur eine gute Presse. Zwar widmen zahl­reiche Zeitschriften dem Thema Dossiers, und Tageszeitungen kommen mehr oder weniger (je nachdem, wie die politische Aktualitätslage gerade aussieht) re­gelmässig auf die Geschlechterforschung zurück – und trotzdem brach im Redak­tionskomitee von arbido nicht gerade ein Begeisterungssturm aus, als eines seiner Mitglieder vor mehr als zwei Jahren den Vorschlag machte, Genderstudies zu thematisieren. Die Berufs­ und Fachleute aus dem Bereich Information und Do­kumentation, denen wir das damals vorgebracht hatten, waren, um das Mindeste zu sagen, zum Thema geteilter Meinung. War es etwa zu sehr? Störte es zu pole­misch? Schüttet man da nicht Öl ins Feuer des Geschlechterkampfs, gerade in einer Institution, in der der soziale Friede und die Ausgeglichenheit ein absolutes Muss sind ?

Wirft man allerdings einen zweiten Blick auf das Thema, wird klar, dass die Genderstudies weder eine Disziplin noch eine Theorie und vor allem keine Ideo­logie ist. Es handelt sich dabei vielmehr um einquer über die verschiedenen Forschungsgebiete gelegtes, interdisziplinäres Raster, das darauf ausgelegt ist, die sozialen Beziehungen zwischen Frauen und Männern hervorzuheben und auf der Grundlage von spezifischen Analysen und Überlegungen eine Politik der Gleich­ heit zu ermöglichen. Angesichts seiner «Ausrichtung» und seiner Aufgabe bietet sich der Bereich Information und Dokumentation für eine entsprechende Diskus­ sion an.

Es liegt auf der Hand, dass die vorliegende Nummer keine akademischen Absichten hegt, ja sie will nicht einmal eine allgemeine Einführung ins Thema sein. Sie will aber ein paar Leitplanken setzen, zu ein paar Überlegungen anregen und Ansätze für Antworten liefern. Sie stützt sich dabei auf Forscherinnen und Forscher aus Universitäten und auf Fachleute aus dem Bereich Information und Dokumentation, auf historische Hintergründe und statistische Analysen. Diese werden ergänzt durch Testimonials, einen Dokumentarfilm sowie Rezensionen von Websites und Fachbüchern.