Commentaires Résumé
2010/3 Das Erbe Gutenberg virtualisiert sich! E-Books et al.

Das E-Book in der Bibliothek

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Das E-Book befindet sich weiter auf dem Vormarsch. Immer mehr Verlage bieten unterdessen E-Books an. Das Angebot beschränkt sich nicht mehr auf die wissenschaftliche Literatur, nein, auch auf dem Belletristikmarkt tritt das E-Book immer breiter in Erscheinung. Ein grosser Vorteil des E-Books ist es, dass es geräteunabhängig ist, das heisst, es ist kein Reader erforderlich. E-Books lassen sich auch auf dem Computer und auf Smartphones lesen. Zudem erscheinen zurzeit einige Tablet-PCs von verschiedenen Herstellern, welche sich – zu den Features hinzu, die sie bieten – auch als E-Book-Reader auf dem Markt positionieren möchten. Nicht nur für Buchhandlungen ist das E-Book eine Herausforderung, auch Bibliotheken stellt es vor neue Herausforderungen. Allerdings kann das E-Book auch neue Benutzergruppen ansprechen.

Die Umfrage

Die Redaktion hat dieses Frühjahr eine nicht repräsentative Umfrage auf Swisslib gestartet. Ziel der Umfrage war es, herauszufinden, was die Schweizer Bibliothekswelt über das E-Book denkt und welche Überlebenschancen diesem eher noch jungen Medium eingeräumt werden. In der Umfrage hat man sich auf das Medium E-Book konzentriert. Der Reader stand nicht im Mittelpunkt, da das E-Book nicht an diesen gebunden ist. Kann sich das E-Book auf dem Markt durchsetzen? Sind Bibliothekarinnen und Bibliothekare dem E-Book gegenüber kritisch eingestellt, oder wird es eher als nächster Schritt in der technischen Entwicklung angesehen? Welche Vorteile muss das E-Book gegenüber dem gedruckten Buch in Zukunft bieten, und welche bietet es bereits heute? Allen Teilnehmern dieser Umfrage möchte ich für ihre Zeit und die bereitwillig erteilten Auskünfte danken!

Teilnehmer

An der Umfrage haben insgesamt 164 Personen teilgenommen. Das Durchschnittsalter der gesamten Teilnehmergruppe betrug 37 Jahre. Verschiedene I&D-Institutionen, allgemein öffentliche Bibliotheken, Spezial- und wissenschaftliche Bibliotheken und auch Kantonsbibliotheken, Schulbibliotheken sowie Archive sind vertreten.

Unter allen Teilnehmern haben 84 Personen angegeben, bereits einmal ein E-Book gelesen zu haben. Das heisst auf der anderen Seite auch, dass fast genauso viele der Teilnehmer (nämlich 80 Personen) nach eigenen Angaben noch nie eines gelesen haben. 96% ziehen die Papierform dem digitalen Pendant vor, nur 4% lesen Texte lieber am Bildschirm. Auf die Frage «Kann sich das E-Book auf dem Markt durchsetzen?» fielen die Antworten weniger einhellig aus: 65% sind sich sicher, dass dem so sein wird, allerdings sind die wenigsten der Meinung, dass diese Entwicklung mit der Verdrängung des gedruckten Buches einhergeht (79%).

Belletristik als E-Book

Viele haben Mühe mit der Vorstellung, Belletristik als E-Book zu lesen. E-Books werden umgehend mit den Readern in Verbindung gebracht. Letztere scheinen allerdings gerade in Bezug auf Belletristik unpraktisch. Irgendwo am Strand in den Ferien oder auf einer Parkbank über Mittag ist ein guter Krimi in der guten, alten Papierform nicht nur betreffend der Haptik die einladendere Alternative. Von daher fällt das Ergebnis auf die Frage «Denken Sie, dass sich das E-Book im Belletristikmarkt durchsetzten kann?» nicht sehr überraschend aus:

Jene 118 Personen, die sich für die Antwort Nein entschieden haben, haben unter Warum? fast immer die gleichen Nachteile des Readers angemerkt. Kaum jemand scheint es in Betracht zu ziehen, das E-Book mit einem anderen Gerät als dem Reader zu lesen. So wurden unter anderem Gründe wie die Akkulaufzeit, der Kontrast in der Sonne und die Schwerfälligkeit der Reader angegeben, welche letztlich gegen das E-Book sprechen. Aber es wurde als Grund auch angeführt, dass Belletristikleser oft bibliophile Menschen sind, welche den Genuss nicht nur im Lesen finden, sondern auch darin, ein «richtiges» Buch in Händen zu halten. Folgende Aussage eines Umfrageteilnehmers fasst die Problematik gut zusammen: «Ich glaube, dass zu viele Leute gerne noch das taktile Gefühl des ‹Buch-in-den-Händen-Haltens-und-Seiten-um-blättern-Könnens› erleben möchten, v.a. im Belletristik-Bereich. Ausserdem möchte wohl kaum jemand sein (teures) Ausgabegerät an den Sandstrand mitnehmen.»

Trotzdem ist die Zahl von 53 Personen, welche denken, dass sich das E-Book auch in der Belletristik durchsetzt, höher als erwartet. Was muss das E-Book nach Meinung dieser 53 Personen bieten? Oft wurde der Preis genannt – das E-Book muss billig sein. Es wird auch als wichtig angesehen, dass die Handhabung von digitalen Büchern vereinfacht wird. Es muss dem Leser einfach gemacht werden, sein Buch auf seinem Reader zu speichern, ohne dass er sich gross Gedanken über Formate etc. machen muss. Auch die Möglichkeit, mehrere Bücher auf einem Gerät zu speichern, wird als grosser Vorteil des E-Books (Readers) bezeichnet.

Wissenschaftliche Literatur als E-Book

Bei wissenschaftlicher Literatur scheint es auch viele Vorteile zu geben. Man kann Textpassagen direkt aus dem Buch herauskopieren und in die Arbeit einfügen. Je nachdem hat man sogar die Möglichkeit, direkt im E-Book seine Notizen zu machen. Es müssen nicht mehrzig Bücher in die Vorlesung mitgenommen werden. Der so oder so allgegenwärtige Laptop ist immer mit dabei und somit auch die geladenen E-Books. Aber gibt es auch Nachteile?

Die grosse Mehrheit der Umfrageteilnehmer kann sich vorstellen, dass sich das E-Book im wissenschaftlichen Bereich durchsetzen wird. Dieser Meinung sind 147 Teilnehmer. Nur 22 Personen sind vom Gegenteil überzeugt. Für das E-Book im wissenschaftlichen Bereich muss aber noch einiges getan werden. Zum Beispiel sollten die Texte auch mit Film und Ton versehen werden können und nicht mehr «nur» mit Bildern. Auch eine gute Suchfunktion muss das digitale Buch bieten, will es sich tatsächlich im Markt durchsetzen können. Oft wird die Geräteunabhängigkeit angesprochen: Es sollte möglich sein, das E-Book überall abzuspeichern, sei dies nun auf dem Laptop, dem E-Book-Reader oder gar dem Handy – schliesslich möchte man nicht immer das halbe Büro auf dem Laptop herumtragen. Zudem muss die Akkuleistung der einzelnen Geräte verbessert werden, denn ein wissenschaftliches Buch wird nicht einfach nur gelesen, es wird aktiv damit gearbeitet, und dies erfordert starke Akkus. Bestenfalls bietet sich die Möglichkeit, einzelne Geräte miteinander zu synchronisieren, damit die Notizen vom Laptop auch auf Reader und Handy zugänglich sind. Vereinzelt gibt es Aussagen, dass sich das E-Book in diesem Bereich bereits gegenüber der Printausgabe durchgesetzt habe. Dies nicht zuletzt wegen der oben genannten Recherchefunktionen oder der Einfachheit des Zitierens. Es wird aber auch darauf zurückgeführt, dass wissenschaftliche Literatur nicht von A bis Z durchgelesen wird wie etwa belletristische Werke. Wissenschaftler benötigen oft nur einzelne Ausschnitte eines Buches. Hier bietet sich das E-Book stark an, und das nicht nur, weil es oft billiger ist als das gedruckte Buch. Folgende Aussage aus der Umfrage scheint den Nerv zu treffen, was das E-Book in diesem Bereich (je nach Gerät) bereits bietet und unbedingt noch bieten sollte: «Laufend Notizen dazusetzen, speichern und abrufen können. Selber Verlinkungen im Text setzen, anreichern via Links mit weiteren Daten/Informationen. Literaturverwaltung, Zitateverwaltung gekoppelt mit elektron. Literaturverwaltungssystem.» Es soll nicht unterschlagen werden, dass es auch Stimmen gegen das E-Book in der Wissenschaft gegeben hat: Das E-Book wird unter anderem deshalb als unnötig empfunden, weil es schon genug Lesemöglichkeiten online gibt, es braucht nicht noch wissenschaftliche digitale Literatur. Auch die Handhabung wird als Grund angeführt: Es sei mühsam, mehrere E-Books auf einem Desktop offen zu halten und daneben noch einen Text zu schreiben. Das ständige Switchen zwischen den einzelnen Dokumenten erscheint als unpraktisch und aufwendig. Auch die Konzentration ist ein wichtiger Punkt. Es ist unangenehm, lange Texte am Bildschirm lesen zu müssen. Gerade auch das Arbeiten mit wissenschaftlicher Literatur strengt an. Last, but not least scheinen Urheberrechtsfragen ein gewichtiges Thema darzustellen.

Das iPad – die Zukunft?

Das iPad von Apple ist unterdessen erschienen. Unter anderem möchte Apple sein neues Kult-Gadget auch auf dem E-Book-Markt positionieren. Das iPad bietet Funktionen, welche bislang bei den klassischen E-Book-Readern vermisst wurden. So verfügt es beispielsweise über ein Farbdisplay, es bietet die Möglichkeit, Filme abzuspielen, und dank den Office-Programmen ist es auch möglich, Notizen anzufügen. Doch kann Apple mit seinem iPad wirklich den Buchmarkt revolutionieren? Hier muss man unweigerlich an den Musikmarkt denken, an iTunes und an die iPods, deren weisse Stöpsel nicht mehr aus den Ohren der Jugendlichen wegzudenken sind. Hätte bei der Markteinführung von iTunes irgendjemand erwartet, dass dieser «Musikladen» einen derartigen Erfolg haben würde? In diesem Punkt hat mich das Umfrageergebnis sehr erstaunt, auch wenn es knapp ausgefallen ist: Nur gerade 70 Teilnehmer sind der Überzeugung, dass Apple mit dem iPad und dem iBookStore das Gleiche gelingen könnte wie mit iPod und iTunes. 98 Personen können sich nicht vorstellen, dass hier etwas Ähnliches geschehen wird.

Fazit

Das E-Book ist in den Bibliotheken und der Bibliothekswelt angekommen, es wird von vielen als der natürliche nächste Schritt verstanden – aber ganz bestimmt nicht als Bedrohung wahrgenommen. Zwar wünscht sich ein ganz kleiner Teil der Umfrageteilnehmer, dass sich das E-Book stark durchsetzt und das gedruckte Buch in gewissen Bereichen verdrängt. Aber der grösste Teil ist sich einig: Das E-Book ist eine gute Sache, es bietet gerade für das wissenschaftliche Arbeiten Vorteile, die das gedruckte Buch nicht bieten kann. Aber das klassische Buch weist ebenso viele Vorteile auf, die von einem E-Book nicht geboten werden. Allgemein ist man der Überzeugung, dass beide Buchformen in Zukunft nebeneinander existieren werden – gerade im wissenschaftlichen Bereich.

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Antonia Ursch

I+D Assistentin

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Résumé

Les E-Books s’imposent de plus en plus. L’offre des éditeurs ne cesse de s’étoffer. La rédaction a effectué un sondage non représentatif via Swisslib. L’âge moyen des 164 participants était de 37 ans. 118 participants ont des réserves quant à la lecture d’ouvrages de fiction sous forme numérique, 53 croient néanmoins que l’E-Book s’imposera pour autant qu’il soit proposé à des prix plus abordables. Une majorité (117 participants) croit que ce médium s’imposera dans le domaine scientifique. Seuls 70 croient que l’iPad et l’iBook- Store s’imposeront sur le marché. 98 sondés ne croient pas qu’Apple puisse avoir le même succès qu’avec l’iPod et l’iPhone. L’E-Book est arrivé dans les bibliothèques et le monde du livre et est considéré par beaucoup de participants à ce sondage comme une étape tout ce qu’il y a de plus naturelle et certainement pas comme une menace. D’une manière générale, on est convaincu que le futur verra la coexistence entre ces deux formes du livre, en particulier dans le domaine scientifique.