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2008/4 Informationswissenschaft: Die Instrumente der Zukunft

8. Europäische Konferenz über digitale Archivierung: Die Zukunft der Archivierung aus Sicht ihrer künftigen Entscheider

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8. Europäische Konferenz über digitale Archivierung: Die Zukunft der Archivierung aus Sicht ihrer künftigen Entscheider

Eine Vorbereitungskonferenz für die 8. Europäische Konferenz über digitale Archivierung brachte in Bern 15 junge Archivarinnen und Archivare aus ganz Europa an einen Tisch. Die Vorbereitungskonferenz hatte sich zum Ziel gesetzt, die Themen zu identifizieren, welche am meisten interessieren und gleichzeitig einen Rahmen zu definieren, der es erlaubt, die Hauptkonferenz für sämtliche Altersklassen von Archivarinnen und Archivaren spannend zu gestalten. Nach zwei Tagen angeregten Diskutierens kann eine sehr positive Bilanz gezogen werden. Es ist nun Sache des wissenschaftlichen Konferenzkomitees, die Erkenntnisse aus der Vorkonferenz in die definitive Programmgestaltung mit einzubauen.

Vom 28. bis 30. April 2010 wird in Genf die 8. Europäische Konferenz über digitale Archivierung über die Bühne gehen. Die vom europäischen Zweig des Internationalen Archivrates EURBICA, der Sektion der Berufsvereinigungen des Internationalen Archivrates (SPA/ ICA) und dem Schweizerischen Bundesarchiv organisierte Konferenz soll, so die Zielvorgabe, die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen des Berufs aufzeigen. Zur Erinnerung: Die erste Europäische Konferenz über Archivierung wurde 1985 in Budapest abgehalten. Die darauf folgenden sechs Konferenzen widmeten sich allesamt Fragen zur europäischen Zusammenarbeit, zur Ausbildung und zur Zukunft des Berufs Archivarin/Archivar. Mit der Wahl des übergeordneten Themas «digitale Archivierung» hat sich das für die Programmgestaltung der 8. Konferenz verantwortliche wissenschaftliche Komitee dafür entschieden, einen Paradigmenwechsel vorzunehmen: Im Zentrum der nächsten Konferenz stehen nicht mehr die Archive als Institutionen, sondern die Archivierung als Funktion. Das Programm der Konferenz wird also die Herausforderungen und Chancen, welche die digitale Archivierung heutzutage birgt, ins Zentrum stellen. 

Das Wort haben die Jungen

Im Nachgang zu den gezielten Anstrengungen, junge Berufsangehörige in die Aktivitäten des ICA einzubinden und mit dem erklärten Ziel, das Gespräch und den Austausch zwischen den Generationen zu fördern, hat das wissenschaftliche Komitee entschieden, junge Archivarinnen und Archivare an der Ausarbeitung des Konferenzprogramms weitgehend zu beteiligen. Zu diesem Zweck hat das Schweizerische Bundesarchiv eine Vorbereitungskonferenz organisiert, an der die Jüngsten zu Wort kommen sollten.

Es wurde eine Ausschreibung lanciert, der sich zahlreiche Nationalarchive und Ausbildungsinstitutionen aus ganz Europa anschlossen. Auf diesem Weg konnten schliesslich 15 Archivarinnen und Archivare ausgewählt werden, die demnächst ihre Studien beenden werden oder am Anfang einer viel versprechenden Berufskarriere stehen. Die aus verschiedenen europäischen Ländern (Frankreich, Holland, Polen, Grossbritannien, Schweden, Finnland, Spanien und Schweiz) stammenden jungen Berufsleute trafen sich am 4. und 5. September 2008 im Bundesarchiv in Bern zu einer brainstorming-Sitzung.

In den Augen der Konferenzorganisatoren war es wichtig, die neue Generation von Archivarinnen und Archivaren einzubinden und deren kreatives Potenzial und deren Fähigkeit, die Materie mit neuen und anderen Augen zu sehen, zu nutzen. Diese jungen Berufsleute sind die Zukunft des Berufsstandes. Sie sind in einem «digitalen Umfeld» gross geworden und sind sich über den Einfluss der Informationstechnologie auf ihren Beruf sehr bewusst. Während zwei von intensivem Nachdenken geprägten Tagen widmeten sie sich der Aufgabe, die Grundlagen für ein innovatives Programm zu erarbeiten.

Die Diskussionen wurden von Ineke Deserno, Doktorandin der Monash University (Australien) und ehemalige Archivarin der Weltgesundheitsorganisation, geleitet. Zwei erfahrene Archivare betreuten und begleiteten die jungen Berufsleute bei ihrer Aufgabe: Jussi Nuorteva, finnische Nationalarchivarin und Mitglied des wissenschaftlichen Komitees, sowie Lee MacDonald, ehemaliger Archivar des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) und Mitglied des Nationalkomitees zur Unterstützung der Konferenz.

Herausforderungen und Chancen der digitalen Archivierung

Unsere jungen Kolleginnen und Kollegen widmeten sich zuerst der Aufgabe, die Herausforderungen und Chancen der digitalen Archivierung zu identifizieren. Die Beiträge der jungen Leute waren einerseits sehr unterschiedlich, andererseits aber auch einvernehmlich, sodass rasch grössere Themenblöcke für die Konferenz definiert werden konnten.

Die Liste mit den Anregungen und Hinweisen umfasste u.a. folgende Punkte:

– Digitale Archivierung: Die Herausforderungen der digitalen Archivierung sind nicht nur technischer, sondern auch organisatorischer, pädagogischer und rechtlicher Art.

– Partnerschaften: Wir kennen noch nicht sämtliche Probleme, eines ist aber sicher: Wir müssen versuchen, mithilfe von verschiedenen Massnahmen zu antizipieren. Insbesondere müssen wir Partnerschaften mit anderen Berufsgattungen eingehen, um unsere Interessen, unser Wissen und unsere Kompetenzen einbringen und verteidigen zu können.

– Kommunikation: Wir müssen handeln, und zwar jetzt; sonst werden es die anderen an unserer Stelle tun. Wir müssen kluge Lösungen kommunizieren, besonders innerhalb unserer Berufsgattung, und diese Lösungen müssen wir allen Interessierten näherbringen.

– Dokumentation: In der Vergangenheit liegt die Zukunft! Wir müssen unsere Gesellschaft noch umfassender dokumentieren und dabei unterschiedliche Sichtweisen integrieren, insbesondere jene von indigenen Gruppierungen, welche dort, wo die Macht tatsächlich ausgeübt wird, nicht vertreten sind. Es soll möglich sein, einen pluralistischen Blick auf unsere Geschichte zu werfen.

– Ausbildungswesen: Wir müssen unsere Ausbildungsprogramme aktualisieren, damit die Archivarinnen und Archivare auf die Veränderungen ihres Berufs, ihrer Rolle und ihrer Kompetenzen vorbereitet sind

– Evaluation: Wir müssen unsere Evaluationsmethoden überdenken, um die enormen Mengen von digitalen Daten bewältigen zu können.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der brainstorming-Sitzung haben anschliessend konkrete Vorschläge zur Struktur, zur Organisation der Sitzungen und zu den möglichen Referentinnen und Referenten der Konferenz erarbeitet. Sie haben sich für eine Konferenz ausgesprochen, bei welcher den konkreten Erfahrungen ein grösserer Stellenwert eingeräumt wird als den Reden ex cathedra. Ateliers, Vorführungen, Erfahrungsaustausch und interaktive Diskussionen sollen es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ermöglichen, die in Europa bereits vorhandenen Ressourcen und Lösungen näher kennnen zulernen und auszutesten.

Lasst uns die Ärmel hochkrempeln!

Die zentrale Botschaft, die uns von den jungen Berufskolleginnen und -kollegen übermittelt wurde, lautet folgendermassen: Wir sind uns der Probleme und Herausforderungen der digitalen Archivierung durchaus bewusst. Man darf sich jetzt aber nicht damit begnügen, diese Probleme aufzuzählen oder entsprechende Theorien herunterzubeten. Wir müssen Lösungen diskutieren und finden. Lösungen, die bereits existieren; Lösungen, die zurzeit gerade realisiert werden, und Lösungen, die noch entwickelt werden müssen. Hören wir auf, uns in Klagen zu suhlen – lasst uns die Ärmel hochkrempeln!

Das wissenschaftliche Komitee der Konferenz hat die zahlreich sprudelnden Ideen zur Kenntnis genommen und wird ein Programm erarbeiten, das die Anliegen sämtlicher Generationen von Archivarinnen und Archivaren berücksichtigen wird. Es ist damit zu rechnen, dass wir sowohl von der Bandbreite der Thematik als auch von der Varietät der einzelnen Anlässe und Gesprächsrunden eine Konferenz erwarten dürfen, welche in Bezug auf Wissensvermittlung, Interaktion, Nutzwert und Tiefgang einen hohen Mehrwert bieten wird.

Falls die obigen Zeilen Ihr Interesse geweckt haben und Sie einen Beitrag leisten möchten zu einem Anlass, der die Schweiz zum Zentrum der europäischen Archive machen wird, so zögern Sie nicht, auf unseren Aufruf für eine Zusammenarbeit zu reagieren. Der Aufruf wird im Frühling 2009 erfolgen. Es werden die üblichen Verteilkanäle genutzt werden (Mailing-Listen, Newsletters). Zu gegebener Zeit werden sämtliche relevanten Informationen auf der Konferenz-Site aufgeschaltet werden: http://www.bar.admin.ch/eca2010.

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Céline Terry

Adjointe de direction, Archives fédérales suisses, Berne

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