Editorial
In Zeiten der rasant fortschreitenden Digitalisierung scheint die physische Materialität der Archive auf den ersten Blick zu verschwinden. Doch schon auf den zweiten Blick wird deutlich, dass sich die Materialität der Archive transformiert: Zum einen sind natürlich grosse Teile heutiger Archive immer noch phyische vorhanden und decken dabei eine grosse Spannbreite von Materialitäten ab - von Urkunden auf Pergament bis Glasnegativen. Zum andern wird diese physisch greifbaren Archivalien zunehmend ergänzt durch digitales Archivgut, welches im Server wiederum letztlich ebenfalls einen physischen Kern hat, für den auch bereits Alternativen diskutiert werden.
Die
aktulle Ausgabe von arbido wirft verschieden Schlaglichter auf die
Aspekte der Materialisierung und Dematerialisierung von Archiven. Die in
den nachfolgenden Beiträgen vorgestellten Projekte die Diskussion
weiter, die bereits in dem ebenfalls in dieser Ausgabe besprochenen
Sammelband angestossen wurde. So stellt der Beitrag von Rodolfo ein
Projekt zur Archivierung und digitalen Verwaltung von Dokumenten aus
Locarno vor. In dem von Fornari vorgestellten SNF-Projekt PIA wird
untersucht, wie historische Fotosammlungen digital erschlossen und durch
partizipative Ansätze erweitert werden können. Das von Burgi
präsentierte DNAMIC-Projekt "DNA Microfactory for Autonomous Archiving"
hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2026 einen Prototypen zu entwickeln, der
die Archivierung von Dokumenten in DNA automatisiert und sich dabei die
unübertroffene Informationsdichte, die Langlebigkeit, den sehr geringen
Energieverbrauch und die Unvergänglichkeit dieses Moleküls, des
Bausteins des Lebens, zu Nutze macht. Mit dem Projekt Crimes et châtiments
stellt Rebetez ein Projekt des AAEB vor, mit welchem eine
Vorreiterrolle in der Entwicklung eines Modells für automatische
Transkriptionen für französische Texte aus den 16. und 17. Jahrhundert
eingenommen werden soll.