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2018/3 Die berufliche Mission

Vorstand gewählt, Statuten genehmigt, Beiträge bestimmt – Bibliosuisse legt los

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Am 29. August 2018 ging in Montreux die erste Generalversammlung des Berufsverbandes Bibliosuisse von statten. Die Vorschläge der Arbeitsgruppe Gründung zu Statuten, Budget und Reglementen wurden gutgeheissen. Der erste Vorstand zählt 16 Personen; alle Landesteile und alle Typen von Institutionen sind vertreten.

Draussen setzte der Regen ein, drinnen im Kongresszentrum von Montreux setzten Herbert Staub, Präsident BIS, und Béatrice Perret Anadi von SAB-CLP zur Begrüssung an. «Mariage pluvieux, mariage heureux», heisst es in der Romandie, der Verbindung SAB-CLP und BIS ist gemäss Volksweisheit also eine glückliche Zukunft beschienen.

Doch bevor es zum festlichen und geselligen Teil des Hochzeitfestes ging, musste gearbeitet werden. Die Drohung (oder Verheissung, je nach Sichtweise), dass nach zwei Stunden Diskussion rigoros abgebrochen würde, stellte sich jedoch als unnötig heraus. Die 230 Versammlungsteilnehmer schafften es sogar, einen Vorsprung auf den Zeitplan zu erarbeiten und die erste Generalversammlung von Bibliosuisse konnte um 15.15 Uhr für beendet erklärt werden.

Statuten

Die von der Arbeitsgruppe Gründung vorgeschlagenen Statuten wurden alle angenommen, zur Überraschung vieler praktisch diskussionslos. Infrage gestellt wurde lediglich, dass die Wahl des Präsidiums und seiner Entschädigung nicht in der Kompetenz der Generalversammlung liegt, sondern dass sich der Vorstand selber konstituiert. Wie Felix Hüppi berichtete, waren das Dafür und Dawider beider Verfahrensweisen in der Arbeitsgruppe Gründung diskutiert worden. Weil der Vorstand noch nie in dieser Zusammensetzung gearbeitet habe und auch nicht abschätzen könne, wie gross der Aufwand für das Präsidium sein werde, schien der vorgeschlagene Modus die aktuell beste Wahl. Der Änderungsantrag wurde dann auch abgelehnt und die Generalversammlung nahm die Statuten ab.
Auf ewig festgeschrieben sind sie aber nicht. Die Änderung der Statuten liegt nämlich in der Kompetenz der Generalversammlung, Anpassungen sind also möglich, sollte man feststellen, dass sich etwas nicht bewährt. Eine nächste GV ist übrigens bereits für Mai 2019 geplant.

Beitragsmodell und Budget

Ein bisschen mehr zu reden gab das Geld, genauer die Mitgliederbeiträge. Bei den Beiträgen für persönliche Mitglieder löste der reduzierte Beitragssatz von 50 Fr. (statt 100 Fr.) für Mitglieder des Vereins Schweizerischer Archivarinnen und Archivare VSA Kritik aus. Ein solcher reduzierter Satz solle auch für Mitglieder regionaler Verbände wie der Groupe régionale des bibliothécaires vaudois GRBV gelten, eine Forderung, die bereits an den vorbereitenden Tagungen in Biel besprochen wurde. Die Änderungsanträge, entweder den Spezialbeitrag für VSA-Mitglieder ersatzlos zu streichen, oder aber einen reduzierten Beitrag auch für Mitglieder regionaler Verbände einzuführen, wurden beide abgelehnt. Die Erklärung, dass es sich beim VSA um einen nationalen Verband handle, mit dem man bereits jetzt sehr eng zusammenarbeite, unter anderem in gemeinsamen Arbeitsgruppen und Kommissionen, nicht zu vergessen bei der Ausbildung, leuchtete offensichtlich ein. 
Die Beitragskategorien für institutionelle Mitglieder waren von der Arbeitsgruppe Gründung nochmals verfeinert und auf 15 erweitert worden, dies um kleineren Bibliotheken entgegenzukommen.

Einstimmig genehmigt wurde das vorgelegte Budget 2019. Es sieht Einnahmen und Ausgaben in der Höhe von je 815'000 Fr. vor, wobei das Gros der Einnahmen die Mitgliederbeiträge der institutionellen Mitglieder (480'000 Fr.) und der persönlichen Mitglieder (125'000 Fr.) sind. Weiterbildung und Fachtagungen sollen 180'000 Fr. einbringen.

In der vorbereitenden Phase waren Status und juristische Form der Sektionen mehrmals Thema gewesen. Bibliosuisse kennt nun zwei Typen von Sektionen: Vereinssektionen mit eigener Rechtspersönlichkeit und dementsprechend eigene Statuten. Verbandssektionen sind ohne eigene Rechtspersönlichkeit konstituiert, für sie gilt das Sektionsreglement von Bibliosuisse. Dieses wurde der Generalversammlung zur Kenntnisnahme vorgelegt, darüber abstimmen konnte sie aber nicht, da es in die Kompetenz des Vorstandes  fällt.

Zuletzt durften die Mitglieder dann noch über das Spesenreglement befinden. Der haushälterische Antrag, keine 1.-Klasse-Billette zu vergüten, sondern unabhängig von der Reisezeit lediglich Reisen in der 2. Klasse zu entschädigen, fand keine Mehrheit und somit wurde auch das Spesenreglement genehmigt.

20180829 Bibliosuisse Vorstand

Vorstand

So manches Mitglied, welches das Spesenreglement diskussionslos genehmigt hatte, begann wohl erst danach zu rechnen, als es realisierte, dass 16 Personen aus allen Landesteilen zur Wahl für den Bibliosuisse-Vorstand stehen. In globo mit  brausendem Applaus wurden sie nach einer kurzen Vorstellungsrunde gewählt. Damit hat der Schweizer Berufsverband der Bibliotheken nun einen fachlich breit diversifizierten strategischen Kopf, der sich den anstehenden Herausforderungen stellt. Die Grösse des Vorstandes ist übrigens nicht festgeschrieben und es ist anzunehmen, dass nach der Konstituierungs- und Anlaufphase einige Rücktritte nicht ersetzt werden.

Der neu gewählte Vorstand wird sich Anfang Oktober zu einer ersten zweitätigen Retraite treffen. Bereits fleissig ge- und Grundlagen erarbeitet haben die verschiedenen Arbeitsgruppen. Unter einem gewissen Zeitdruck arbeitet die Arbeitsgruppe Aus- und Weiterbildung, weil da wichtige Themen wie die Ablösung des SAB-Grundkurses und Qualifizierungsmöglichkeiten nach der Lehre in den nächsten zwei Jahren einer Lösung bedürfen. «Per 1. Januar wird es nicht möglich sein, aber wir werden eine Lösung finden», garantierte Herbert Staub.

Bereits Resultate liefern musste die Arbeitsgruppe Kommunikation: Im Anschluss an die GV wurde nämlich zu den Jazz-Rhythmen von Pianist Thierry Lang, Heiri Kaenzig und Andi Pupato das neue Logo enthüllt, mit dem sich Bibliosuisse fortan in der Öffentlichkeit präsentieren wird.

Der Bibliosuisse-Vorstand:

  • Hans Ambühl, Rechtsanwalt, Generalsekretär EDK i.R.
  • Franziska Baetcke, Direktorin Bibliomedia Schweiz
  • Christophe Bezençon, Responsable des collections BCU Lausanne (Riponne)
  • Eliane Blumer, Coordinatrice des données de recherche EPFL Library
  • Marie-Christine Doffey Direktorin Schweizerische Nationalbibliothek
  • Davide Dosi, Direttore della Biblioteca universitaria Lugano
  • Lukas Hefti, Bibliotheksbeauftragter Kanton Thurgau
  • Felix Hüppi, Chefbibliothekar Pestalozzi-Bibliothek Zürich
  • Benita Imstepf, Direktorin Mediathek Wallis
  • Marianne Ingold, Vizedirektorin Universitätsbibliothek Bern
  • Richard Lehner, Leiter Bibliothek Rorschach-Rorschacherberg
  • Edith Moser, Vizedirektorin Kornhausbibliotheken Bern
  • Ruedi Mumenthaler, Direktor Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern
  • Béatrice Perret Anadi, Directrice adjointe Bibliothèque de la ville de Bienne
  • Herbert Staub, Dokumentalist SRF i.R.
  • Amélie Vallotton Preisig, Documentaliste Alliance Sud InfoDoc Lausanne

Bibliosuisse? biblio-suisse? War da nicht etwas?

Doch, da war tatsächlich etwas, und zwar lange vor Bibliosuisse. Seit 1988 gibt es nämlich die Stiftung biblio-suisse in Luzern. Diese hat zwar auch ein bibliophiles Anliegen, nämlich die «Förderung von Umweltmediatheken in der Schweiz und insbesondere für Schulen Bereitstellung von Medienpaketen zu umweltrelevanten Themen», so der Auszug aus dem Stiftungszweck. Für einen neuen nationalen Berufsverband ist eine solche Namensnähe aber dennoch alles andere als ideal. Und Bibliosuisse ist derart prägnant – Zitat Heike Ehrlicher: «Kurz genug, um Einprägsamkeit zu erzeugen, aber lang genug um Aussagekraft zu haben», – dass man ungern darauf verzichten wollte. Glücklicherweise hat sich Hans-Niklaus Müller, Präsident von biblio-suisse und Sohn des Stiftungsgründers, kooperativ gezeigt, als die Bibliothekare mit ihrem Anliegen auf ihn zukamen. Er macht das Beste aus der Verwandtschaft: «Der grosse Bruder und die kleine, aber namensgebende Schwester. Als Partner unterstützen wir uns nun gegenseitig. Ich gratuliere dem neuen Bibliotheksverband zur Namenswahl und freue mich auf eine nachhaltige Zusammenarbeit!»

20180829 Bibliosuisse Thierry Lang Trio Logo
Marty Sara 2014

Sara Marty

Sara Marty ist Chefredaktorin von arbido. Hauptberuflich ist sie Geschäftsführerin des Dokumentationszentrums doku-zug.ch in Zug. Wohnhaft ist sie in Zürich, ihr Redaktionsbüro ist – Notebook und Generalabonnement sei Dank – die ganze Schweiz.

Elle a étudie à Lausanne et obtenu sa Licence ès Lettres en 2004. Quoi qu'elle soit rentrée en Suisse alémanique peu après, elle profite toujours de chaque occasion qui se présente pour aller en Romandie. Après avoir travaillé quelques années en marketing et puis comme journaliste, elle a trouvé sa vocation dans le champ professionnel de l'information documentaire. Von 2012 bis 2014 hat sie das Weiterbildungsprogramm in Archiv-, Bibliotheks- und Informationswissenschaften der Universitäten Bern und Lausanne absolviert und den Titel Master of Advanced Studies in Archival, Library and Information Science (MAS ALIS) erhalten. Ihre MAS-Masterarbeit trägt den Titel «Schweizer Dokumentationslandschaft im Wandel: die Suche nach einem Berufsverständnis».

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