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2011/1 Streifzug durchs Web

Flickr – entdecke die Welt

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Flickr (www.flickr.com) ist ein im Jahr 2002 entwickeltes und seit März 2005 dem amerikanischen Internetunternehmen Yahoo gehörendes Webportal, in dem Mitglieder Fotos und Videos in digitaler Form hochladen, diese mit Kommentaren, Notizen und Tags versehen und anderen Nutzern zugänglich machen können.

Flickr lädt dazu ein, seine eigenen Fotos zu zeigen und durch die der anderen Mitglieder die Welt zu entdecken. Damit die Bilder leichter auffindbar sind, stehen verschiedene Mittel für Organisation und Suche zur Verfügung. So lassen sich Fotos aus aller Welt und zu bestimmten Themen oder Ereignissen suchen und finden. Über 40 Millionen Mitglieder soll die Flickr Community heute bereits zählen, und gemäss einem Eintrag im Flickr Blog wurde am 18. September 2010 das fünfmilliardste Bild hochgeladen1.

Ansehen lassen sich die Bilder, wie auch die Profile der Mitglieder, ohne eigenen Account, und einige Mitglieder erlauben auch das Herunterladen und Kommentieren, ohne dass man bei Flickr angemeldet sein muss. Will man hingegen selbst Fotos hochladen und anderen zugänglich machen, muss man sich einen Account anlegen. Bei einem kostenlosen Account werden, neben einigen weiteren Einschränkungen, jeweils nur die 200 neusten Fotos im Fotostream angezeigt. Diese Einschränkungen entfallen bei einem kostenpflichtigen Account ($24.95 für ein Jahr, $47.99 für zwei Jahre). Fotos können direkt über die Website hochgeladen werden, daneben aber auch über mobile Geräte, per E-Mail oder über eine Desktopanwendung. Mit Flickr hat man nicht nur ortsungebunden online jederzeit Zugriff auf seine Fotos, sondern der Account lässt sich auch einfach mit anderen webbasierten Diensten verbinden, wie Facebook, Twitter oder dem eigenen Blog oder der eigenen Website.

Die hochgeladenen Bilder können mit Titel, detaillierten Beschreibungen und Tags versehen, auf einer Karte eingetragen und in Alben und Galerien organisiert werden. Den Bildern können ausserdem von anderen Mitgliedern Kommentare, Notizen und weitere Tags hinzugefügt werden, oder sie können als Favoriten gekennzeichnet und/oder eigenen Galerien zugeordnet werden. Mitglieder können andere Mitglieder als Kontakte, Freunde oder Familienangehörige markieren, wodurch deren neueste Fotos im eigenen Account ersichtlich sind und somit einfach angeschaut und kommentieren werden können. Die eigenen Bilder werden mit einer Creative-Commons-Lizenz verknüpft, somit kann eine etwaige Weiterverwendung geregelt werden. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, die Bilder nicht zu lizenzieren und sich alle Rechte vorzubehalten. Auch die Funktion des Herunterladens der Bilder durch Dritte kann unterbunden werden. Die Kontakt-Funktion wie auch die Möglichkeit, diversen Interessen- bzw. Themengruppen beizutreten und dort seine Bilder hinzuzufügen, erlaubt das Aufbauen eines Kontaktnetzes mit Gleichgesinnten, mit denen auch Erfahrungen, Kritik und Lob ausgiebig ausgetauscht werden können.

Bibliotheken und Archive in Flickr

Die Welt der Bibliotheken und Archive ist auf Flickr ebenfalls in verschiedener Weise vertreten. Unter den BibliothekarInnen und ArchivarInnen, die Flickr privat nutzen finden sich viele, die Fotos von verschiedenen Bibliotheken und Archiven oder auch von Anlässen, die in ihren Institutionen durchgeführt werden, oder von Kongressen, Tagungen etc., an denen sie teilgenommen haben, veröffentlichen und in dieser Form darüber berichten. Auch Themengruppen, in denen entsprechende Bilder gesammelt werden, gibt es in diesem Bereich zahlreiche, wie zum Beispiel die Gruppe Libraries from Around the World2 mit Bildern von Bibliotheken aus aller Welt oder mehr regional die Gruppe Libraries in Austria3, die Bilder von Bibliotheken in Österreich sammelt. In der Gruppe Libraries and Librarians4, mit zurzeit über 3500 Mitgliedern und beinahe 39 000 Bildern, findet man neben Ansichten von Bibliotheken auch Aufnahmen von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren und deren Arbeitsumfeld. Auf der Diskussionsplattform der Gruppe hatte der Administrator der Gruppe, libraryman5, im Februar 2006 dazu aufgerufen, eine Liste mit Bibliotheken mit einem offiziellen Flickr Account zu erstellen. In der Liste finden sich weit über 100 Bibliotheken aus aller Welt. In der Gruppe Librarian Shoes6 veröffentlichen vor allem Bibliothekarinnen Fotos von ihren Schuhen.

Die deutschsprachige Gruppe Bibliotheken und Bibliophiles7 sammelt «Fotos von Bibliotheksgebäuden, Bibliothekseinrichtungen, Leseräumen, Büchern, Katalogen, Magazinen, Archivalien, Medien, Sammlungen, Buchhandlungen und allem anderen, was mit Bibliotheken, Archiven und Büchern zu tun hat». Auch Gruppen für Ansichten von Büchern finden sich natürlich zahl- reich auf Flickr, so zum Beispiel die Gruppe Antique Books8 für Bücher, die mindestens 100 Jahre alt sind, oder die Gruppe Your books9 mit zurzeit über 12 000 Mitgliedern und beinahe 64500 Fotos, bei der sich alles ums Buch dreht: «Only one rule: books! Everything about books! [...] old, new, libraries, bookshelves, bookshops, art, pages from books, covers of books, books you have read, etc. [...] This group is about your burning passion for books!»

Katalogkartennostalgiker finden in der Gruppe Catalogue Cards & Card Catalogues Memorial Pool10 Bilder von Katalogkarten, Kartenkatalogen und der Katalogisierungsarbeit vor Einführung der elektronischen Katalogisierung.

Die Gruppe archives & archivists on Flickr11 vereint Bilder aus historischen Beständen wie auch von aktuellen Veranstaltungen von Archiven und anderen Institutionen, die Flickr als ein Mittel zur Veröffentlichung ihrer Sammlungen nutzen. Bei den Archivists12 hingegen sind es Archivarinnen und Archivare, die hier Fotos aus ihrem Arbeitsleben beisteuern können («Photos of, by and about Archivists, their meetings, conferences, achievements and celebrations»).

Auch über bestimmte Ereignisse oder Fachtagungen kann man sich in spezifischen Gruppen informieren. In der Gruppe Eingestürztes Stadtarchiv Köln13 findet man Bilder zum Einstrutz des Archivs im März 2009, bei InetBib 201014 Impressionen von der InetBib- Tagung im April 2010 in Zürich.

Einige Bibliotheken und Archive sind ebenfalls bereits mit einem offiziellen Auftritt auf Flickr vertreten, um auf diesem Weg ihre Bestände zu präsentieren und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. So zum Beispiel The National Archives UK15, in deren Profil zu lesen ist: «We’ve selected these images to give a flavour of our massive holdings». Zurzeit sind es rund 330 Bilder, denen jeweils eine detaillierte Beschreibung, die jeweilige Signatur sowie ein Link zur Image Library16, bei der die Bilder in höherer Auflösung bestellt werden können, beigefügt sind.

Die National Archives UK haben zudem eine eigene Gruppe gegründet, in der Benutzer der Archive die Fotos, die sie während ihres Besuchs im Archiv gemacht haben, veröffentlichen können. Sowohl Bilder vom Archiv selbst (Gebäude, Räumlichkeiten etc.), wie auch Bilder von Dokumenten aus dem Bestand der Sammlungen finden sich in The National Archives Visitors’ Group17.

Die Gruppe «The Great War Archive Flickr Group»18 entstand aus dem Projekt «The Great War Archive» der Oxford University. Das Ziel der vom 3. März bis zum 30. Juni 2008 laufenden Initiative war es, digitalisiertes Material mit Bezug zum 1. Weltkrieg von Privatpersonen zu sammeln. Aufgrund limitierter Mittel konnten auf der Website des Projekts19 nur während einer begrenzten Zeitperiode Fotos heraufgeladen werden. In der Zeit zwischen März und Juni 2008 wurden über 6500 Bilder hochgeladen. Bis dem «Great War Archive» wieder Mittel zur Weiterführung des Projektes zur Verfügung stehen, werden in der auf Flickr gegründeten Gruppe, auf die die Website der Initiative verlinkt, weiterhin relevante Bilder gesammelt. Auf der Seite der Gruppe finden sich auch Links zu Tutorien auf der Website der Initiative, zum Beispiel zur Bestimmung von Militäruniformen oder zum Finden von Dokumenten zur Familie. Für 2011 ist eine Erweiterung der Initiative nach Deutschland geplant: eine Zusammenarbeit mit Europeana20, der Deutschen Nationalbibliothek und anderen Partnern.

Die Library of Congress21 macht ebenfalls auf Flickr regelmässig Bilder aus ihren reichhaltigen Fotobeständen (zurzeit sind es über 12 400 Bilder) einem grösseren Publikum zugänglich: «Offering historical photo collections through Flickr is a welcome opportunity to share some of our most popular images more widely.» 

Sie lädt auch explizit dazu ein, die Bilder mit Kommentaren und Tags zu ergänzen, was, wie im Profil nachzulesen ist, grossen Zuspruch findet und wovon die Bibliothek ebenfalls sehr profitiert: «The identifying information is appreciated – many of our old photos came to us with very little description.» Auch hier sind den Fotos jeweils ausführliche Beschreibungen beigefügt, inklusive Signatur sowie ein Link zum entsprechenden Eintrag im Katalog der Library of Congress. Es finden sich hier auch viele bekannte und berühmte Bilder, wie zum Beispiel die unter dem Titel «Migrant Mother» bekannte Aufnahme der Fotografin Dorothea Lange aus dem Jahr 1936.

Die Commons

The National Archives UK, The Library of Congress sowie eine Anzahl weiterer Institutionen sind Mitglied von «Die Commons»22. Gegründet wurde das Projekt als Pilotprojekt im Januar 2008, damals zu Deutsch unter dem Namen «Gemeingut», in Partnerschaft mit der Library of Congress. Das Projekt verfolgt zwei Hauptziele: «Zum einen möchten wir Ihnen zeigen, welche verborgenen Schätze in den öffentlichen Fotoarchiven der Welt schlummern. Zum anderen möchten wir Ihnen demonstrieren, wie Sie diese Sammlungen durch Ihr Wissen mit von Ihnen geschriebenen Kommentaren bereichern können.» Es handelt sich hier um Fotografien, die von den jeweiligen Institutionen mit «keine bekannten Urheberrechtsbeschränkungen» gekennzeichnet und deren Inhalte somit gemeinfrei sind. Hintergrund für das Projekt war die Tag-Funktion, mit der Bilder beschlagworten werden können. Lässt man Tags auch von Dritten hinzufügen, so wird «ein organisches Informationssystem, abgeleitet aus beschreibenden Worten und Sätzen, die komplett aus individuellen Beiträgen bestehen» geschaffen. Mit der Tag- sowie der Kommentar-Funktion wollte die Library of Congress ihre Sammlungen leichter zugänglich machen und der Öffentlichkeit die Gelegenheit geben, ihr eigenes Wissen dazu beizutragen und daran mitzuarbeiten, dass diese Fotos «für zukünftige Besucher einfacher zu finden sein würden». Inzwischen sind über 40 Institutionen aus verschiedenen Ländern, (wenn auch [noch] keine aus dem deutschsprachigen Raum) bei The Commons dabei. Im Januar 2008 gab es laut dem Projektbeschrieb23 rund 20 Millionen Tags.

Hier lässt sich also nicht nur eine Welt voller historischer Bilder aus den Sammlungen verschiedener Bibliotheken, Archive und anderer kultureller Institutionen entdecken, sondern man kann und soll sich auch aktiv an der Be- schreibung und Identifizierung beteiligen, einen Beitrag leisten und vor allem auch Spass damit haben. Wie man mit diesen Fotos Spass haben kann, zeigt zum Beispiel die schwedische Bibliothekarin Anna-Stina Takala24, die eines der Bilder aus dem Bestand des Swedish National Heritage Boards25 als Hintergrund für eine Fotomontage verwendet hat und ihre eigene Katze in das historische Visby um 1885 versetzt hat. 

Meine Flickr-Welt – eine Lernerfahrung

Meinen eigenen Flickr Account habe ich mir im April 2009 im Rahmen eines Online Web 2.0 Tutorials angelegt, hauptsächlich, um es einfach mal auszuprobieren und einige Bilder von Bibliotheken hochzuladen. Die Flickr-Welt richtig zu entdecken habe ich allerdings erst begonnen, als ich mir im April 2010 einen langgehegten Traum erfüllte und mir eine (digitale) Spiegelreflexkamera anschaffte. Schon im Vorfeld, als es darum ging, die richtige Kamera zu finden, war mir Flickr, neben den einschlägigen Test- und Kaufberatungsforen, eine Hilfe. Der Dienst «Kamerasuche» zum Beispiel erlaubt die gezielte Suche nach Fotos, die mit einem bestimmten Kameratyp aufgenommen wurden. Daneben gibt es praktisch für jede Kamera mindestens eine Flickr-Gruppe, auf deren Diskussionsplattform man sich in bestehenden Themendiskussionen informieren oder auch direkt nach den Erfahrungen anderer fragen kann.

Flickr bietet eine grossartige Möglich- keit zum Austausch mit anderen Amateur-Fotografen. Meine Lernfortschritte in der Welt der digitalen Fotografie und Bildbearbeitung wären ohne die Flickr-Welt niemals so rasant gewesen, wie sie es in den letzten Monaten waren und weiterhin sind. Die Funktion der Sichtbarkeit der Exif-Daten* zum Beispiel erlaubt es, die detaillierten Kameraeinstellungen (Blende, Belichtungszeit, Brennweite, ISO-Wert, Belichtungskorrektur, die zur Bildbearbeitung benutzte Software, zum Teil das verwendete Objektiv und viele weitere Angaben) eines Bildes einzusehen und somit nachzuvollziehen, welche Einstellungen in einer bestimmten Situation zu guten Bildergebnissen führen könnten.

In den Beschreibungen wie auch in den Tags zu den Bildern teilen viele Mitglieder ausserdem Informationen zur Bild- bearbeitung, wie zum Beispiel verwendete Hilfsmittel, Effekte etc., mit und wo sich diese herunterladen oder erwerben lassen. Auch werden oft Tutorien oder Online-Kurse erwähnt, im Rahmen derer ein Bild erstellt wurde.

Auf diese Weise hat sich für mich die Welt des E-Learnings eröffnet, die es mir ermöglichte, den Umgang mit Bildbearbeitungsprogrammen rasch und effizient zu erlernen und die mich so überzeugt hat, dass ich die Möglichkeit des Online Lernens in Zukunft sicher auch in anderen Bereichen nutzen werde. Flickr kann somit auch eine sehr gute Möglichkeit der Werbung für Dienstleistungen sein, die vor allem ein Publikum, das sich für die Welt der Bilder interessiert, anspricht.

Mit Flickr lässt sich die Welt der Bilder auf vielerlei Weise entdecken. Gerade auch für Bibliotheken und Archive bietet es neben der eigenen Website eine gute Möglichkeit, ihre Sammlungen interessierten Personen zugänglich zu machen und zur Verfügung zu stellen, auf ihre Dienstleistungen aufmerksam zu machen und vom Wissen anderer zu profitieren.

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*Pflichtfeld

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Flickr (www.flickr.com), développé en 2002 et, depuis mars 2005, intégré au portail web appartenant à la société américaine Yahoo, permet à ses membres de télécharger des photos et des vidéos sous forme numérique, d’y ajouter des commentaires, des notes et des tags, et, enfin, de les rendre accessibles à d’autres utilisateurs.

Flickr vous invite donc à montrer vos propres photos, afin que les autres membres puissent découvrir le monde rapidement et simplement grâce notamment à divers outils d’organisation et de recherche. Plus de 40 millions de membres font partie aujourd’hui de la communauté Flickr, et ce ne sont pas moins de cinq milliards de photos qui y ont été téléchargées, si l’on en croit le blog Flickr du 18 septembre 2010.

Le monde des bibliothèques et des archives est également bien présent sur Flickr. Les bibliothécaires et les archivistes qui utilisent Flickr à titre privé trouveront par exemple de nombreuses photos de bibliothèques et d’archives, ou encore de manifestations organisées dans leurs institutions, de congrès et de colloques auxquels ils/elles ont participé et dont ils proposent des comptes rendus et des photos. Il y a aussi des bibliothèques et des archives qui se présentent de manière officielle sur Flickr, afin de montrer leurs fonds et de les rendre accessibles à un large public.

Flickr représente donc une possibilité pour les bibliothèques et les archives de mettre à disposition des personnes intéressées leurs collections, de décrire leurs services et de profiter du savoir des autres.