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2008/2 Die Wirtschaft der neuen Medien

Bibliotheken eröffneten Filialen im Internet. Ein innovatives Pilotprojekt startete in der Schweiz die Ausleihe digitaler Medien

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Die «Digitale Bibliothek» ist eine Bibliotheksfiliale im Internet. Bibliothekskundinnen und -kunden können rund um die Uhr und standortunabhängig elektronische Medien aller Art online ausleihen. Am 14. Mai 2008 lancierten innovative Bibliotheken in Burgdorf, St. Gallen und Zug das zukunftsweisende Projekt erstmals in der Schweiz.

Heute ist es selbstverständlich, Eintrittskarten oder Waren am Bildschirm zu bestellen. Nun können dank der «Digitalen Bibliothek» online digitale Medien aller Art über die Website einer Bibliothek ausgeliehen werden. Dieser einzigartige Service richtet sich an Kundinnen und Kunden, die sich auch gerne ausserhalb der Öffnungszeiten und standortunabhängig zwischen virtuellen Bücherregalen aufhalten. Neu angeboten wird die «Digitale Bibliothek» von der Stadtbibliothek Burgdorf, von der Kantonsbibliothek Vadiana St. Gallen im Verbund mit weiteren sankt-gallischen Bibliotheken und von der Stadt- und Kantonsbibliothek Zug. Die Dienstleistung ist kostenlos respektive in den Jahresgebühren der jeweiligen Bibliothek inbegriffen. Eine unverbindliche Testmöglichkeit für Interessierte gibt es in Form einer Schnuppermitgliedschaft.

Eine Innovation der Bibliotheken

Mit der «Digitalen Bibliothek» wird dem aktuellen Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten Rechnung getragen. Die Schwerpunkte des crossmedialen Angebots liegen zunächst in den Bereichen Weiterbildung, Ratgeber und Sprachkurse. Aber auch Zeitschriften wie «Der Spiegel» oder Unterhaltungsmedien – aktuell zum Beispiel die Hörbuchkrimis von Henning Mankell – kommen über das Internet ins Haus. Das kontinuierlich wachsende Angebot der «Digitalen Bibliothek» zählt bereits bis zu 25 000 Titel. Die junge Generation, ohnehin gewohnt, Medien direkt vom Internet auf ihren MP3-Player zu laden, wird das Angebot schätzen. Auch sind die Menschen mobil und möchten überall auf der Welt ihre Zeitung tagesaktuell lesen oder die Reisezeit mit Wissenswertem sinnvoll nutzen, ohne schwere Bücher mitzuführen. Die Bibliotheken machen es möglich, daheim mit E-Fachbüchern oder -Ratgebern zu arbeiten.

Einfache Anwendung für unterschiedliche Bedürfnisse 

Zur Benützung der «Digitalen Bibliothek» braucht es lediglich die Mitgliedschaft bei einer der beteiligten Bibliotheken und einen Windows-PC mit Internetanschluss. Man loggt sich in die Homepage «seiner» Bibliothek ein, wählt das gewünschte Medium und legt es in den Warenkorb. Nach der Identifizierung durch Kundennummer und Passwort erfolgt der Download auf den PC. Das ausgeliehene Medium kann vom Computer auf einen MP3-Player, einen Handheld-Computer, einen Palm oder ein Handy transferiert werden. Nicht unterstützt werden derzeit iPods. In den Daten integriert ist unter anderem die Leihfrist, sodass nach Ablauf die «Rückgabe» automatisch stattfindet, das heisst, die Daten sind nicht mehr nutzbar. Dieser sogenannte DRM-Schutz (Digital Rights Management) – ein Verfahren zur Definierung von Urheber- und Vermarktungsrechten sowie Lizenzen für elektronisches digitales geistiges Eigentum – wird auch auf das Endgerät mit übertragen und kontrolliert die mit Bibliotheken und Verlagen vereinbarten Nutzungsrechte.

Der Service und wer dahintersteht

Die SBD.bibliotheksservice ag stattet allgemeine öffentliche Bibliotheken und Schulbibliotheken in der Schweiz mit Medien aus, liefert Bibliotheksmaterial und plant die Einrichtungen. Für die neue Dienstleistung «Digitale Bibliothek» besitzt sie die Exklusivrechte der deutschen Firma DiViBib GmbH für die Schweiz und Liechtenstein.

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Anita Büttiker

Direktorin SBD.bibliotheksservice ag 

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