Das Liechtensteinische Landesarchiv: Erfahrungen mit einem nachhaltigen Archivgebäude
Das 2009 fertiggestellte Archiv- und Verwaltungsgebäude in Vaduz zählt zu den frühen Beispielen des Minergie-P-Standards in der öffentlichen Verwaltung. Die Kombination aus nachhaltiger Bauweise, passiver Klimatisierung und langfristig ausgelegter Magazinplanung war damals innovativ und teilweise umstritten. Mehr als fünfzehn Jahre später zeigt sich, dass die gewählten Lösungen die Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sich im täglichen Archivbetrieb nachhaltig bewährt haben.
Ende der 1990er-Jahre gewann der Minergie-Standard in Liechtenstein zunehmend an Aufmerksamkeit. Nach ersten privaten Bauprojekten legte der Beitritt des Amts für Volkswirtschaft zum Verein Minergie im Jahr 2000 den Grundstein für die Zertifizierung von Minergie-Gebäuden in Liechtenstein. Gleichzeitig verfolgte das Hochbauamt das Ziel, den Standard auch bei öffentlichen Neubauten zu fördern und anzuwenden.
Mit dem Archiv- und Verwaltungsgebäude in Vaduz wurde dieses Ziel verwirklicht. Das nach Minergie-P-Standard errichtete Gebäude war das erste öffentliche Verwaltungsgebäude Liechtensteins mit dieser Zertifizierung. Nach rund zwanzigjähriger Planungs- und dreijähriger Bauzeit wurde es im Oktober 2009 eröffnet.Der Nachhaltigkeitsgedanke zeigt sich beim Archiv- und Verwaltungsgebäude nicht nur im tiefen Energieverbrauch, sondern in einem ganzheitlichen Ansatz. Langlebige Bauweise, ökologische Materialien, reduzierte Gebäudetechnik, passive Klimatisierung, erneuerbare Energien und der langfristige Schutz des kulturellen Erbes wurden von Beginn an als gleichwertige Ziele verfolgt. Das Gebäude wurde so konzipiert, dass es über Jahrzehnte hinweg ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig betrieben werden kann.
Nach mehr als fünfzehn Jahren Betrieb lässt sich beurteilen, inwieweit die ursprünglichen Planungsziele erreicht wurden. Die Erfahrungen zeigen, dass sich die konzeptionellen Entscheidungen bewährt haben.
Langfristige Magazinplanung
Als besonders erfolgreich erwies sich die auf einen langen Zeithorizont ausgerichtete Magazinplanung. Während zahlreiche Archivmagazinbauten bereits kurz nach ihrer Fertigstellung an ihre Kapazitätsgrenzen stossen, bestand in Liechtenstein zum Zeitpunkt des Bezugs eher die Sorge, die Magazine könnten überdimensioniert sein. Heute sind rund 10'000 Regalmeter mit Archivgut belegt. Gleichzeitig bestehen weiterhin Reserven sowie Möglichkeiten zur Verdichtung und Nachkassation. Die aktuellen Prognosen zeigen, dass die noch zu erwartenden analogen Ablieferungen mit einem sorgfältigen Raummanagement und allenfalls einem ergänzenden Aussenmagazin auch in den kommenden Jahren ohne einen kostspieligen Magazinneubau bewältigt werden können. Die damalige Entscheidung für grosszügige Kapazitäten hat sich somit als vorausschauend erwiesen.Bewährung des passiven Klimakonzepts
Eine besondere Herausforderung stellte die Entscheidung dar, auf eine klassische Vollklimatisierung zu verzichten. Rückblickend kann festgestellt werden, dass die gewählte Lösung erfolgreich funktioniert.
Die Archivmagazine verfügen weder über natürliche Belichtung noch über eine direkte Frischluftzufuhr von aussen. Das Zusammenspiel von massiver Betonkonstruktion, dem temperaturstabilen Hangstandort und der intelligenten Lüftungssteuerung gewährleistet dennoch stabile klimatische Bedingungen. Die Lüftungsanlage reagiert laufend auf Veränderungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit und sorgt für einen bedarfsgerechten Luftaustausch.
Die Messergebnisse der vergangenen Jahre zeigen, dass die Klimawerte konstant innerhalb der vorgegebenen Zielbereiche liegen. Dies gilt auch vor dem Hintergrund steigender Aussentemperaturen und zunehmend heisser Sommerperioden. Gleichzeitig ist die Staubbelastung in den Magazinen gering. Der gute Erhaltungszustand der Archivalien bestätigt zusätzlich die Wirksamkeit des Konzepts.
Feuchteaktive Elemente als zusätzliche Sicherheit
Als innovative Ergänzung zum passiven Klimakonzept wurden spezielle feuchteaktive Elemente in die Regalanlagen integriert. Ziel war es, Schwankungen der Luftfeuchtigkeit zusätzlich abzufedern und damit die Stabilität des Magazinraumklimas weiter zu erhöhen.
In Zusammenarbeit mit der EMPA wurden verschiedene Materialien untersucht und getestet. Das Ergebnis waren Kartonelemente, die mit rund 500 Gramm PROSorb-Perlen gefüllt werden und platzsparend zwischen Regalboden und Archivschachtel eingelegt sind. Die Elemente nehmen überschüssige Feuchtigkeit auf und geben sie erst zeitverzögert wieder ab.
Auch diese Lösung hat sich im praktischen Betrieb bewährt. Die PROSorb-Elemente tragen zur Stabilisierung der relativen Luftfeuchtigkeit bei und ergänzen die baulichen und technischen Massnahmen sinnvoll. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Erhaltung der Archivalien.
Fazit
Die Erfahrungen der vergangenen fünfzehn Jahre zeigen, dass die beim Bau des Liechtensteinischen Landesarchivs verfolgten Ziele weitgehend erreicht wurden. Die Kombination aus massiver Bauweise, energieeffizienter Gebäudetechnik, erneuerbarer Energieversorgung und passiver Klimatisierung bildet bis heute eine zuverlässige Grundlage für den Archivbetrieb. Insbesondere konnten die Anforderungen an das Magazinraumklima mit Temperaturen zwischen 16 und 20°C sowie einer relativen Luftfeuchtigkeit von 45 bis 55 Prozent dauerhaft eingehalten werden. Dies ist umso bemerkenswerter, als die klimatischen Herausforderungen infolge steigender Aussentemperaturen in den letzten Jahren zugenommen haben. Trotz hoher Baukosten, langer Planungszeiten und anfänglicher Diskussionen über die gewählte Bauweise gilt das Archiv- und Verwaltungsgebäude heute als gelungenes Beispiel dafür, wie sich die besonderen Anforderungen eines Archivs mit nachhaltigem und energieeffizientem Bauen verbinden lassen.
Abstract
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Der Beitrag zeigt die Erfahrungen mit dem 2009 eröffneten Liechtensteinischen Landesarchiv, dem ersten öffentlichen Verwaltungsgebäude Liechtensteins im Minergie-P-Standard. Anhand von mehr als fünfzehn Jahren Betrieb werden die langfristige Magazinplanung, das passive Klimakonzept und der Einsatz feuchteaktiver Speicherelemente bewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die gewählten baulichen und technischen Lösungen zu einer dauerhaft hohen Klimastabilität, einem geringen Energiebedarf und einer nachhaltigen Nutzung des Archivgebäudes beigetragen haben.
Cet article présente le retour d'expérience des Archives nationales du Liechtenstein pour leur bâtiment. Inauguré en 2009, c'était le premier bâtiment administratif public du Liechtenstein répondant à la norme Minergie-P. Se fondant sur plus de quinze ans d'exploitation, l'étude évalue l'efficacité de la planification à long terme des capacités de stockage, du recours à la climatisation passive et de l'utilisation d'éléments de stockage actifs permettant de pondérer les variations d'humidité. Les résultats montrent que les solutions architecturales et techniques retenues ont contribué à une stabilité climatique élevée et durable, à une faible consommation d'énergie et à une exploitation durable du bâtiment des archives.