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2019/2 Künste bewahren und vermitteln

Verein «Architektur Archive Bern»

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Immer wieder landen Nachlässe von bedeutenden Architektinnen und Architekten des 20. Jahrhunderts in der Schuttmulde; Konvolute mit Planunterlagen, Schaubildern, Fotos etc. werden einfach entsorgt. Der Grund ist simpel: Ihr Wert wird nicht erkannt. Wichtiges Kultur- gut geht so verloren. Dagegen kämpft der Verein «Architektur Archive Bern». Er hat sich zum Ziel gesetzt, Archive und Nachlässe von bedeutenden Architekten, Ingenieurinnen, Landschaftsarchitekten und weiteren Bauschaffenden im Raum Bern-Mittelland zu retten und langfristig zu sichern.

Der Verein «Architektur Archive Bern» nimmt sich dem Werk bedeutender Architekten, Ingenieurinnen und Landschaftsarchitekten des 20. Jahrhunderts an, die aus dem Raum Bern-Mittelland stammen und von dort aus in aller Welt tätig waren. Deren Archive umfassen Pläne, Zeichnungen, Entwürfe, Skizzen und Lichtpausen auf Papier, Bauakten, Korrespondenz und Tagebücher, Fotografien, Negative und Dias sowie Modelle und digitale Daten.

Um diese Bestände langfristig zu sichern, arbeitet der Verein «Architektur Archive Bern» mit öffentlichen und privaten Archiven des Kantons Bern und angrenzender Regionen zusammen. Nach einer Sichtung und Triage werden die Dokumente an das geeignete Archiv vermittelt, das für die Langzeitarchivierung und die korrekte Erschliessung sorgt.

Der im Februar 2019 gegründete Verein vermittelte bereits mehrmals mit Erfolg: Noch in der Gründungsphase sorgte er dafür, dass namhafte Teilbestände des Werks von Edwin Rausser an die Burgerbibliothek Bern gelangten. Der Nachlass des Frank-Lloyd-Wright-Schülers Ernst Anderegg konnte im Archiv des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur (GTA) in Zürich platziert werden. Die Werkbestände des ehemaligen Kantonsbaumeisters Max Egger gingen in das Berner Staatsarchiv. Ein erster Teil der Archivalien des Berner Architekturbüros Haltmeyer + Flückiger wurde vom Stadtarchiv Bern übernommen. Im Auftrag des Staatsarchives Bern bewertet und erschliesst der Verein zurzeit den umfassenden Nachlass des Interlakner Büros Urfer & Stähli, dessen Bauten die Entwicklung vom gepflegten Heimatstil der Zeit um 1910 bis zur klassischen Moderne der 1940er-Jahre nachzeichnen.

Gegenwärtig laufen Anfragen zur Übernahme von Büronachlässen wichtiger Thuner Architekturbüros wie Jacques Wipf – dem Hausarchitekten der Kraftwerke Oberhasli –, Karl Müller-Wipf und der Lanzrein-Dynastie. In Bern kümmert sich der Verein um das Archiv von Frank Geiser. Im Raum Biel-Seeland stehen bedeutende Konvolute zu den Gebrüdern Bernasconi, zu Otto Suri und zum kürzlich verstorbenen Alain Tschumi zur Diskussion.

Der Verein «Architektur Archive Bern» will seine Tätigkeit ausbauen. Zum einen soll ein Zwischenlager entstehen, um akut bedrohten Beständen ein temporäres Asyl zu gewähren. Zum anderen soll die Webseite des Vereins als Dokumentationsstelle ausgebaut werden und die an Archive vermittelten Bestände durch Ausstellungen und Publikationen publik gemacht werden.

Skizze von Ernst E. Anderegg, einem Schüler von Frank Lloyd Wright (Bild: Architektur Archive Bern)
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Nina Mekacher

Dr. Nina Mekacher promovierte an der Universität Bern in Archäologie und Geschichte und ist seit 2012 stellvertretende Leiterin der Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege im Bundesamt für Kultur.
Mit dem Verein «Architektur Archive Bern», den sie präsidiert, setzt sie sich ein für die Rettung und Vermittlung von Archiven und Nachlässen renommierter Architekten, Ingenieurinnen, Landschaftsarchitekten des 20. Jahrhunderts aus dem Raum Bern-Mittelland.

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