Kommentare Abstract
2018/3 Unsere berufliche Mission

Verantwortungsbewusst, nachhaltig, kundenorientiert – so sind eure Missionen

Kommentare Abstract

Welche persönliche berufliche Mission haben die Fachleute in Bibliotheken und Archiven? arbido wollte es wissen und hat die Frage gestellt. Die Antworten auf Twitter sind so reichhaltig wie das Berufsfeld.

Über die berufliche Mission als theoretisches Konzept zu sprechen ist das eine, das andere sind die zahlreichen individuellen beruflichen Missionen, welche die Fachleute in Archiven und Bibliotheken für sich selbst erarbeitet haben – die Glücklichen mögen sie gefunden haben – und auch leben. arbido hat aufgerufen, diese in Worte zu fassen und zu teilen. Die Fülle zeigt, dass das Klischee des bücherliebenden Bibliothekars oder der sich zwischen den Rollregalen oder am Schreibtisch verschanzenden Archivarin zu kurz greift. Für viele steht der Nutzende im Zentrum. Bastian Gillner formuliert es als Dreiklang:

Auch Dagmar Hemmie, Gilliane Kern und Antje Diener haben sich den Nutzenden verschrieben; der Servicegedanke steht im Zentrum.

Radikaler formuliert es Joachim Kemper:

Im Umkehrschluss lautet die Mission also: Nutzende ins Archiv bringen. Dabei denken die Archivarinnen und Archivare nicht nur an jene, die Informationen suchen, sondern auch an jene, die abliefern. Ganz den modernen Grundsätzen der Archivwissenschaft und des Records Managements verpflichtet, denken sie prospektiv voraus, so wie Sandrine Brandenberg und Ina Herge.

Gesetzliche Grundlagen sowie gesellschaftspolitische Verantwortung sind für viele Teil ihrer beruflichen Mission, Markus Schmidgall zum Beispiel kann die seine sogar direkt aus dem Archivgesetz übernehmen:

Doch gesetzliche Grundlagen reichen nicht, es braucht auch engagierte Angestellte mit einer beruflichen Mission, die den Nutzen von Archiven unter die Leute bringen:

Viele Archivare identifizieren sich so stark mit ihrem Beruf, dass für sie auch Imagepflege wichtig ist. So hat der Klischee-Staub keine Chance.

Ja, der Spass darf nicht zu kurz kommen, auch nicht bei der professionellen Archivarbeit!

Nur weil die berufliche Mission kurz und trocken formuliert ist, heisst es noch lange nicht, dass die damit einhergehende Vision klein ist, wie die Beispiele von Klaus Graf und Jens Bemme illustrieren:

Die Digitalisierung verändert nicht nur die Gesellschaft und das Arbeitsleben, sondern transformiert auch die beruflichen Missionen von Archivarinnen und Bibliothekaren und findet darin direkten Niederschlag. Das zeigt, mit welch profunder Ernsthaftigkeit die Herausforderungen, die sie bringt, angegangen werden.

Auch tagesaktuelle Ereignisse können persönliche berufliche Missionen verändern oder aber die eigene Mission wieder bewusst machen, wie Thekla Kluttig nach den Ausschreitungen von Neonazis im ostdeutschen Chemnitz erinnert:

Was auffällt: Die Bibliothekarinnen und Bibliothekare teilen ihre berufliche Mission(en) sehr viel zurückhaltender als ihre Kolleginnen und Kollegen in den Archiven. Ob's daran liegt, dass sie je nach Bibliothekstyp, in dem sie arbeiten, sehr unterschiedliche Ziele verfolgen und die beruflichen Missionen dementsprechend heterogener sind? Oder haben sie schlicht keine, wie Joel Gombin vermutet?

Beruhigend zu wissen ist auf jeden Fall, dass es auch künftig nicht an Fachleuten in Archiven und Bibliotheken mangeln wird, die sich mit kritischem Geist eine sinnvolle berufliche Mission erarbeiten und versuchen diese zu leben, dafür sorgt die Fachhochschule Genf:

Marty Sara 2014

Sara Marty

Sara Marty ist Chefredaktorin von arbido. Hauptberuflich ist sie Geschäftsführerin des Dokumentationszentrums doku-zug.ch in Zug. Wohnhaft ist sie in Zürich, ihr Redaktionsbüro ist – Notebook und Generalabonnement sei Dank – die ganze Schweiz.

Elle a étudie à Lausanne et obtenu sa Licence ès Lettres en 2004. Quoi qu'elle soit rentrée en Suisse alémanique peu après, elle profite toujours de chaque occasion qui se présente pour aller en Romandie. Après avoir travaillé quelques années en marketing et puis comme journaliste, elle a trouvé sa vocation dans le champ professionnel de l'information documentaire. Von 2012 bis 2014 hat sie das Weiterbildungsprogramm in Archiv-, Bibliotheks- und Informationswissenschaften der Universitäten Bern und Lausanne absolviert und den Titel Master of Advanced Studies in Archival, Library and Information Science (MAS ALIS) erhalten. Ihre MAS-Masterarbeit trägt den Titel «Schweizer Dokumentationslandschaft im Wandel: die Suche nach einem Berufsverständnis».

Kommentare

*Pflichtfeld