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2016/4 Zeigt euch!

Die PBZ feiert ihren 120sten Geburtstag mit einem E-Book-Bus

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Fast hätte die Aktion abgebrochen werden müssen: Kurz vor der Eröffnung des zum E-Book-Bus umgebauten Oldtimers versagten die Bremsen. Innert Stunden musste ein Ersatz organisiert, dekoriert und eingerichtet werden. Es hat geklappt, und die PBZ ging mit ihrem E-Book-Bus auf Tour.

Die Pestalozzi-Bibliothek Zürich PBZ ist die öffentliche Bibliothek der Stadt Zürich; 14 Standorte sind über das Stadtgebiet verteilt. 2016 feiert die PBZ ihr hundertzwanzigstes Bestehensjahr. Um diesen Geburtstag zu würdigen, bot die PBZ am Wochenende vom 24. bis 26. Juni 2016 der interessierten Öffentlichkeit verschiedene Veranstaltungen. Neben Lesungen und Kinderveranstaltungen, Kunstprojekten, Musikaufführungen, Slam-Poetry-Aufführungen und anderem mehr wurde ein E-Book-Bus gestaltet und eingerichtet, der auf die E-Medienangebote der Bibliothek hinweisen sollte. Aktuell bietet die PBZ elektronische Bücher, Hörbücher und Zeitschriften via Onleihe und Overdrive und verschiedene Datenbanken in einem Verbund mit weiteren Stadtbibliotheken an.

Bibliothek für die Hosentasche

Ziel des E-Book-Busses war es, die Bekanntheit der PBZ insgesamt zu erhöhen und die elektronischen Medien ins Bewusstsein zu rufen. Ein Bus bietet sich dafür an, da er an Orten präsent sein kann, an welchen die Bibliothek nicht erwartet wird. Dadurch sollten neue Zielgruppen angesprochen werden, die an den Bibliotheksstandorten nicht anzutreffen sind. Angeschrieben war der Bus als «Ihre Bibliothek für die Hosentasche», womit zwei Ziele verfolgt wurden: einerseits sollten damit Passantinnen und Passanten neugierig gemacht werden, andererseits sollte diese Aussage, zusammen mit dem Bus, die Mobilität der elektronischen Medien zeigen und deren Verfügbarkeit an jedem Ort. Mit E-Readern und Tablets wurde diese Mobilität noch verstärkt aufgezeigt.

Der E-Book-Bus der PBZ im Zürcher Letzigrund-Stadion.

Die Hilfe des Zufalls

Die Planung des Projekts war zeitintensiv. Die Idee, die Mobilität von E-Medien durch einen Bus zu symbolisieren, war spontan entstanden und ziemlich einleuchtend. Einen Bus zu finden, der temporär als mobile Bibliothek umgenutzt werden kann, erwies sich als komplizierter. Zu Hilfe kam der Zufall. Die Verkehrsbetriebe Zürich VBZ wurden genau wie die Pestalozzi Bibliothek 1896 gegründet und feierten ebenfalls ihren Geburtstag. Die Anfrage um Unterstützung, von Geburtstagskind zu Geburtstagskind, stiess deshalb auf offene Ohren, und bald war ein entsprechender Bus gefunden. Der Bus war ein Oldtimerbus, der normalerweise in der Vorweihnachtszeit als Päcklibus genutzt wird, in dem man seine Weihnachtseinkäufe für weiteres Shopping mit freien Händen deponieren kann.

Neben der Suche des Busses gestaltete sich auch die Suche von Standorten für dessen Präsentation schwierig. Die Auflagen und Vorschriften der Stadt sind  streng. Das Einholen aller Bewilligung war zeitaufwändig, aber unumgänglich. Mit Hartnäckigkeit wurden trotzdem drei gute Standorte gefunden. Zur Einweihung konnte der Bus im Letzigrund-Stadion, dem grossen Sport- und Event-Stadion Zürichs, präsentiert werden, wo auch die Generalversammlung des Trägervereins der Pestalozzi-Bibliothek stattfand. An einem Samstag stand der Bus in der Bahnhofstrasse, der Haupteinkaufsmeile der Stadt. Am Sonntag erhielt er einen Standplatz im Kanzleiareal, einem Vergnügungs- und Freizeitort in Zürich.

Aufwändig in der Vorbereitung war die Beschriftung des Busses mit Klebefolien, die Material- und Personalplanung für die drei Tage und die technische Anbindung. Damit die E-Medien demonstriert und deren Nutzung gezeigt werden konnte, war eine WLAN-Anbindung unabdingbar. Gelöst wurde dies über einen mobilen Hotspot mit Internetverbindung über das Mobilfunknetz. So konnten die digitalen Medien auf den E-Readern und Tablets im Bus ausprobiert und gezeigt werden.

Ebenfalls im Bus integriert war ein E-Circle, ein Präsentationsgerät der Firma Divibib, bei dem auf einem grossen Touchscreen E-Medien angeschaut und ausgeliehen werden konnten. Das Gerät war zwar ein Hingucker, aber es war auch gross und schwer und damit schwierig im Bus unterzubringen.

Ergebnisse und Erfahrungen

Als Eyecatcher überaus beliebt erwiesen sich mit Gas gefüllte Luftballone. Auch Süssigkeiten als Give-away zogen Passanten an. Um diese in den Bus zu bringen, wurde ein Wettbewerb als Anreiz zum Eintreten veranstaltet, bei dem der Hauptpreis ein E-Reader war. Diese einfachen Mittel funktionierten erstaunlich gut und werden von der PBZ bei einem nächsten Ereignis wieder genutzt werden.

Eine weitere Erkenntnis des Projekts war, dass viele Leute, die bereits Kunden der PBZ sind, die elektronischen Angebote nicht kannten oder nicht wussten, dass deren Nutzung in der normalen Jahresgebühr inklusive ist. Dass elektronische Angebote intensiv und immer wieder beworben werden müssen, ist zwar keine neue Erkenntnis, sie wurde aber durch dieses Projekt wieder bestätigt.

Gleichzeitig zeigte sich in den Gesprächen, die im Bus geführt wurden, dass die Einstiegshürden bei der Nutzung von E-Medien der Onleihe hoch sind. Eine Adobe-ID zu erstellen, diese mit seinem Onleihe-Konto zu verknüpfen, die Anmeldeinformation der Bibliothek bereit zu haben und noch das Programm Adobe Digital Editions zu installieren bevor man sein erstes E-Book herunterladen kann, ist vielen potentiellen Nutzern zu aufwändig. Benutzerfreundlich kann man dieses Angebot nicht nennen. Ein Wermutstropfen war, dass am Samstag, als der Bus in der Stadt stand, ein Fussball-EM-Spiel der Schweizer Nationalmannschaft stattfand. Deshalb waren ab 15 Uhr fast nur noch Touristen unterwegs.

Mit Zwischenfällen wird bei einem Projekt ja gerechnet. Dass aber bereits vor der Einweihung des Busses die Bremsen des Oldtimerbusses versagen würden, hatte niemand erwartet. Der Bus konnte zwar so weit gerollt werden, dass eine verspätete Einweihung noch möglich war, anschliessend wurde der Bus aber aus dem Verkehr gezogen. Für Samstag und Sonntag musste deshalb am Freitagabend um 20 Uhr ein Ersatzbus organisiert werden. Das wäre ziemlich sicher unmöglich gewesen, wäre der Partner für dieses Projekt nicht die Verkehrsbetriebe der Stadt gewesen. Kurzerhand wurde der PBZ ein Linienbus zur Verfügung gestellt und das Projekt gerettet. Grosser Nachteil: die aufwändige Beschriftung des ursprünglichen Busses mit Klebefolien konnte nicht übernommen werden. Der neue Bus wurde notdürftig beschriftet und geschmückt, was sicher nicht ideal, aber immerhin ein gangbarer Weg war.

Fazit

Der Bus war klar ein «Hingucker», er zog die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Es ist schwierig zu messen, ob diese Aktion die Bekanntheit der PBZ tatsächlich erhöht hat. Der Verkauf von vergünstigten Bibliothekskarten im Bus verlief sehr schleppend, diese Messgrösse deutet nicht auf einen Erfolg hin. Das subjektive Gefühl der Mitarbeitenden, welche dieses Wochenende im Bus arbeiteten, war positiver. Ihrer Meinung nach konnten sie viele Personen, welche die PBZ-Bibliotheken nicht kannten, auf die Angebote und speziell auf die E-Medien aufmerksam machen. Vor allem machte den Beteiligten das Projekt viel Spass und wirkte so positiv nach innen. Die 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der PBZ kennen nun das E-Medien-Angebot wieder besser und wissen, dass diese Angebote ein strategisches Schwergewicht ihrer Bibliothek sind. Das Projektfazit der PBZ ist deshalb positiv. Wenn die Wirkung nach aussen schwierig zu messen ist, so wirkte das Projekt doch mit Sicherheit stark nach innen.

Hueppi Felix 2016

Felix Hüppi

Felix Hüppi arbeitet als Chefbibliothekar bei der Pestalozzi-Bibliothek Zürich. Als Mitglied der Geschäftsleitung trägt er die Verantwortung für zwölf Quartierbibliotheken. Mit einem Jus-Studium hatte er erst eine andere berufliche Laufbahn eingeschlagen, doch das Praktikum in der Pestalozzi-Bibliothek Altstetten brachte ihn in die Bibliothekswelt. An der HTW Chur erwarb er den Master «Business Administration, Major Information Science».

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