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2016/1 Geist & Geistliches

Arbeitsgemeinschaft Geistliche Archive: Eine Plattform für die Interessen und Belange kirchlicher Archive

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Interview mit Christian Schweizer, Präsident, und Rolf De Kegel, Sekretär der Arbeitsgemeinschaft Geistliche Archive (AGGA) des VSA. 

Eine provokative Frage zum Einstieg: Für was braucht es eigentlich eine Arbeitsgemeinschaft Geistliche Archive? 

AGGA: Es braucht diese Arbeitsgemeinschaft als Plattform der Interessen und Belange kirchlicher Archive innerhalb und ausserhalb des VSA. 

Welche Aufgaben nimmt die AG Geistliche Archive wahr? 

AGGA: Die AGGA bemüht sich um den Dialog unter den Archiven der Landeskirchen. Sie fördert die Zusammenarbeit unter den kirchlichen und staatlichen Archiven und engagiert sich für den Austausch zwischen Bistums-, Pfarr-, Kirchgemeinde-, Ordens- und Missionsarchiven. Der Austausch ist bewusst auf interkonfessioneller Ebene, das heisst: Jede Konfession und kirchliche Institution haben ihre «Archivgärten», in die hineingeschaut werden kann und darf. Davon profitieren alle. 

Inwiefern haben kirchliche Archive spezielle Bedürfnisse? 

AGGA: Die kirchlichen Archive agieren in einem speziellen rechtlichen Umfeld, sie sind ordensrechtlichen und/oder kirchenrechtlichen Bedingungen verpflichtet. 

Welche Unterstützung für die Praxis kann die AG Geistliche Archive bieten? 

AGGA: Wir bieten Weiterbildungsveranstaltungen für einen weiteren Kreis kirchlicher Archive. Weiter bieten wir Beratung und Unterstützung an besonders für diejenigen, die nicht Mitglieder beim VSA sind. Dadurch gibt es indirekt auch bisweilen neue VSA-Mitglieder. Somit macht AGGA ungewollt archivische «Missionsarbeit». 

Benötigen Archivarinnen und Archivare in geistlichen Archiven spezifisches Fachwissen oder spezielle Kompetenzen? 

AGGA: Sie müssen einerseits historisches und archivtechnisches Fachwissen mitbringen. Andererseits ist Sensibilität für kirchliche Belange unabdingbar. Darüber hinaus ist Identifikation mit der jeweiligen kirchlichen Trägerschaft nötig. Denn kirchliche Archivtätigkeit bedeutet Dienst in der Seelsorge, an der Seelsorge und für die Seelsorge. 

Mit welchen Herausforderungen sind geistliche Archive konfrontiert, die Privatarchive nicht kennen? 

AGGA: Kirchliche Archive sind keine Firmen- oder Unternehmensarchive. Spezielle Herausforderung ist vor allem die pastorale Funktion kirchlicher Archive, und zwar in allen Konfessionen. 

Was die Vermittlung und Sichtbarkeit angeht: Wie ist der Stellenwert kirchlicher Archive und Bestände in der Schweiz? 

AGGA: Die AGGA gibt Inhalte und Anliegen der kirchlichen Archive an ein äusseres Publikum weiter; zum Beispiel der Stiftsarchive St. Gallen und Einsiedeln mit ihren uralten originalen Schriftgutbeständen oder das Archiv der Mission 21 mit seiner E-Photothek oder das Provinzarchiv Schweizer Kapuziner Luzern wie auch das Archiv der Minoriten, der Cordeliers in Fribourg, beide enorm wichtige Mendikantenarchive der Schweiz jeweils gekoppelt mit historischen Bibliotheken.

Ein wichtiges Instrument ist denn auch die AGGA-Datenbank «Kirchliche Bestände in staatlichen Archiven», die seit 2003 aktiv ist.

Zu den wichtigen Vermittlern kirchengeschichtlicher Art und Erschliessung macht sich das total erneuerte Bistumsarchiv Chur sehr verdient. Mit diesem Archiv beginnt eigentlich die Geschichte der geistlichen Archive der Schweiz. 

Die überwiegende Zahl der AG-Mitglieder kommt aus der Deutschschweiz. Das wirft die Frage auf, ob geistliche Archive in der Romandie einen anderen Stellenwert haben. Wie schätzen Sie das ein? 

AGGA: Diese Beobachtung ist richtig, aber sie ist eine Momentaufnahme. Die Frage der Zusammensetzung hängt stark mit der jeweiligen Personalsituation zusammen. Die Anzahl französischsprachiger AGGA-Mitglieder war schon höher. Vertreten sind in der AGGA nicht die kirchlichen Archive als solche, sondern vielmehr die jeweiligen Archivtypen der Kirchen auf interkonfessioneller Basis.

Dennoch: die Romandie ist sehr gut vertreten durch Hans von Rütte, den «Archiviste du Conseil Oecuméniques des Églises» in Genf und damit wichtiger Türöffner zu weiteren Archiven insbesondere der reformierten, protestantischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen über die Schweiz hinaus. Vorher spielte die Rolle eines Türöffners und Vermittlers auf internationaler katholischer Ebene Chanoine Olivier Roduit, der damalige Archivar und heutige Prior der Abtei St-Maurice im Wallis, dessen Archiv – älter als das Stiftarchiv St. Gallen – Ende 20. Jahrhundert/anfangs 21. Jahrhundert bis 2003 komplett erneuert wurde und weltweit vernetzt ist.

Zum Abschluss eine Frage, bei deren Beantwortung auch etwas Hoffnung mitschwingen darf: Was wünschen Sie sich für die geistlichen Archive in der Schweiz?

AGGA: Wir wünschen uns Sensibilisierung für den Wert kirchlichen Archivguts inner- und ausserhalb der Kirchen und besonders beim Bund in Bern. Bei den Orden und Missionsgesellschaften sowie bei manchen Bistümern ist die Sensibilisierung sehr weit entwickelt und die Wertschätzung zeigt sich bei ihnen durch hohe Investitionen für die Zukunft. 

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Rolf De Kegel

Dr. phil. Rolf De Kegel ist Stiftsarchivar der Benediktinerabtei in Engelberg. Er amtet als Sekretär der Arbeitsgemeinschaft Geistliche Archive. 

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Christian Schweizer

Dr. phil. Christian Schweizer ist Provinzarchivar der Schweizer Kapuziner in Luzern und auch als Redaktor der «Helvetia Franciscana» tätig. Er präsidiert die Arbeitsgemeinschaft Geistliche Archive des Vereins Schweizerischer Archivarinnen und Archivare. 

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