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2014/2 Zur Erschliessung von AV-Medien - Le catalogage des médias audiovisuels

Mit Memobase Core Ton- und Bilddokumente besser erschliessen

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Seit Oktober 2012 steht der interessierten Öffentlichkeit die Betaversion des komplett überarbeiteten Informationsportals Memobase online zur Verfügung. Nebst technischen Neuerungen und einer benutzerfreundlicheren Oberfläche wurde mit der neuen Memobase vor allem auch das Metadatenmodell neu überarbeitet, um die Qualität und die Konsistenz der Erschliessungsinformation audiovisueller (AV) Dokumente zu verbessern. 

«Memoriav hat als nationale Organisa­tion die Erhaltung und Erschliessung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz – Fotografien, Tonaufnahmen, Filme und Videoaufnahmen sowie die für den Kontext wichtigen Unterlagen und Informationen – zur Aufgabe»1. So lautet die Mission von Memoriav. Das Informationsportal MemobaseD2 spielt bei der Umsetzung dieses Ziels ein we­sentliche Rolle.

Komplexe Aufgabe

Das AV Kulturgut der Schweiz zu er­ schliessen und diese Erschliessungsin­formationen in einer wissenschaftli­chen Ansprüchen genügenden Quali­tät zugänglich zu machen ist eine kom­plexe, aber zentrale Aufgabe von Gedächtnisinstitutionen. Dennoch gibt es weder einen Konsens noch aner­kannte best practices wie AV Dokumen­te3 idealerweise erschlossen werden sollten4. Folglich wird auf sehr unter­ schiedliche Weise erschlossen5, die Me­tadaten werden zudem in meist nicht spezifisch für AV Dokumente konzi­pierten, flach oder hierarchisch struk­turierten Informationssystemen er­fasst, die zum Teil mit proprietären nicht immer austauschbaren Filefor­maten operieren. Das Resultat sind heterogene Formen von Metadaten und Datensätze, die nur mit erheblichem Aufwand in eine vergleichbare, intero­perable Form gebrachte werden kön­nen.

Mehrjährige Erfahrung

Memoriav hat mit seinem Informati­ onsportal Memobase in den letzten 13 Jahren viel Erfahrung im Umgang mit solchen heterogenen Erschlie­ssungsdaten und den für den Ingest erforderlichen Vorarbeiten6 sammeln können. Mit dieser Erfahrung, die hauptsächlich auf dem Beschreibungs­ standard «Dublin Core»7 ruht, wurde für die neue Memobase nach Lösungen gesucht, die das Spezifische von AV Metadaten strukturierter beschreiben sowie mehr Informationen zur Prove­nienz erfassen lassen. 

Memobase Core – ein dreistufiges Erschliessungsmodell 

Für die neue Memobase wurde schliess­lich ein dreistufiges Erschliessungsmo­dell gewählt, das verschiedene Katego­rien von Metadaten und Standards ver­wendet und durch die Kombination von Beschreibungen auf unterschiedlichen Stufen (Bestand vs. Dokument) AV Be­stände angemessener beschreibbar macht. In Anlehnung an den auf Dokumentebene eingesetzten EBU Core Standard und den für die neue Memo­base definierten Minimalstandardfel­ der wird dieses Erschliessungsmodell «Memobase Core»«8 genannt. Auf der obersten und einfachsten Stufe dieses Modells werden die zuständigen Insti­tutionen beschrieben und auf ihre in der Memobase referenzierten Bestände/Sammlung verwiesen. Als Standard wird auf dieser Stufe nur auf ein ein­ deutiges und dauerhaftes Identifikati­onssystem für online verfügbare digita­le Objekte, dem «Digital Object Identi­fier (DOI)»9 zurückgegriffen.

Um dem Bedürfnis nach mehr Kontextinformationen nachzukom­men wurde in der nächsten darunter­ liegenden Ebene, der Stufe Bestand/ Sammlungen, Metadatenfelder defi­niert, die sich auf den für archivische Verzeichnung wichtigen Standard «ISAD(G)»10beziehen. In dieser Ebene können zudem die einzelnen zum Be­ stand zugehörigen Dokumente ange­ zeigt werden.

Für die unterste Ebene entschloss man, anstelle von Dublin Core dessen Weiterentwicklung «EBU Core Stan­dard»11 zu verwenden. Mit EBU Core wird die für AV Dokumente wichtige flache Beschreibung des einzelnen Do­kuments möglich. Auf dieser Stufe liegt denn auch der Kern der Memobase, der das «facettierte»12 Suchen und Stöbern in den Beständen erst möglich macht. Um eine austauschbare Minimalbeschreibung aller in der Memobase refe­renzierten Dokumente zu garantieren wurden 16 Minimalstandardfelder de­finiert, welche beim Einpflegen in die Memobase zwingend einen Eintrag bzw. einen Wert benötigen.

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Laurent Baumann

Verantwortlicher Kommunikation bei Memoriav

  • 1 Quelle: http://de.memoriav.ch/memoriav/about/goals.aspx. Vergleiche dazu auch die Mission der Memobase: http://memobase.ch/de/memobase [Zugriff vom 30. Mai 2014].
  • 2 ie neue Memobase wurde in Zusammenarbeit mit folgenden Partnern realisiert: Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS (Generalunternehmung und Kernsystem), MediaparX (Oberfläche und grafisches Konzept), Eurospider (Suchmaschine), Schweizer Nationalphonothek (audiovisuelle Arbeitsstationen), Historisches Lexikon der Schweiz (mehrsprachige Suchabfrage): www.memobase.ch.
  • 3 In der neuen Memobase werden sechs verschiedene AV Dokumenttypen unterschieden: Fotografie, Ton, Radiodokumente, Film, Video und Fernsehdokumente. ), für welche eigene Erschliessungsprofile definiert sind.
  • 4 Vgl. dazu Niederhäuser, Y., «Erschliessung von Videoarchiven. Kritische Bestandsaufnahme von Theorie, Praxis und Benutzungsbedürfnissen», in: Coutaz, G., Knoch-Mund, G., Ulrich R. (Hg.),?Informationswissenschaft: Theorie Methode und Praxis /Arbeiten aus dem Master of Advanced Studies in Archival, Library and Information Science, Mund, Ulrich Reimer (Hg.), Baden 2014, S. 303.
  • 5 Z.B. unterschiedliche Erschliessungskonzepte, Bezugseinheiten, Erschliessungstiefen,etc.
  • 6 Vor allem die Normalisierung der Daten sowie das konzeptuelle und technische Datenmapping ist und bleibt auch mit der neuen Memobase eine sehr aufwendig, aber notwendige Vorstufe.
  • 7 Die alte Memobase arbeitet mit 15 Dublin Core Kernelementen und einer Vielzahl von sogenannten Qualifliers, welche nebst den Kernelementen weitere Informationen zu den Beständen integrieren lassen. Vgl. dazu auch die Dublin Core Metadata Initiative: http://dublincore.org [Zugriff vom 30. Mai 2014].
  • 8 Core» (Kern) bezieht sich auch auf die in der Memobase definierten Minimalstandardfelder, die für Informationen in der Memobase einen kleinsten gemeinsamen Nenner mit Qualitätsansprüche umsetzen. Welche Metadatenfelder der Memobase welche Standards aufnehmen und in welcher Weise sie in der Memobase zur Anwendung kommen, wird im «Regelwerk Memobase Core» beschrieben. Das Dokument wird auf der Memobase und der Website von Memoriav nach Abschluss der Testphase zugänglich sein.
  • 9 Vgl. dazu www.doi.org [Zugriff vom 30. 5. 2014].
  • 10 Vgl. dazu die Richtlinien der International Council on Archives (ICA) und die Schweizerischen Richtlinien für die Umsetzung von ISAD (G) des Verein Schweizerischer Archivarinnen und Archivare. 
  • 11 Ein von der «European Broadcasting Union (EBU)» entwickletes und für audiovisuelle Bestände geeignetes Metadatenschema. Vgl. dazu https://tech.ebu.ch/MetadataEbuCore sowie den Beitrag von Jean-Pierre Evain in dieser Arbidoausgabe.
  • 12 Die sogenannte Facettensuche ermöglicht intuitiv im ganzen Memobasebestand zu stöbern oder nach abgesetzter Suche die Trefferliste einzuschränken. Technisch gesehen handelt es sich um eine dynamische Filterungsmöglichkeit von vordefinierten Metadatenfeldern wie Dokumenttyp, Zugang, Institution, etc., die angezeigt werden, sofern sie einen Wert ausweisen.

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*Pflichtfeld

Abstract

Le développement technique du portail d’informations Memobase a été également l’occasion pour Memoriav de remanier le modèle de métadonnées de son moteur de recherche. Une adaptation qui permet d’améliorer la qualité et la cohérence de l’information de catalogage. L’auteur décrit les principaux défis que présentent les métadonnées des biens culturels audiovisuels et présente par le menu le nouveau modèle de catalogage en trois étapes de Memobase. (traduction: sg)