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2014/4 FH-Bibliotheken – eine dynamische Entwicklung!

Portrait der Bibliothek an der HSR Rapperswil – Das anmutige Dickicht am oberen Zürichsee

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Die wohl schönstgelegene Hochschulbibliothek des Landes liegt in Rapperswil. Auf dem Campus der Hochschule für Technik präsentiert sich eine malerische Szenerie: Schneebedeckte Bergkuppen spiegeln sich im Wasser des Zürichsees. Seit 1999 ist die HSR-Bibliothek Heimat für rund 50 000 Medien. Beim Angebot wird ein Spagat gewagt: Während Studierende im Bereich Architektur vorwiegend auf Printmedien zurückgreifen, steigt die Nachfrage nach E-Books bei technischen Studiengängen rasant an.

Auf dem Campus der Hochschule für Technik in Rapperswil (HSR) ist es still. Einige Jugendliche sitzen auf der Parkbank am See, ein laues Lüftchen sorgt für eine angenehme Frische. Auf dem Zürichsee zieht ein kleines Motorboot einsam seine Kreise. Ansonsten ist niemand zu sehen. Der Wissensspeicher der Hochschule aber ruht nicht.

Ursprünglich war die Bibliothek, untergebracht seit 1999 in einem kahlen Betonbau, als Labyrinth geplant gewesen. Deshalb trug sie, zumindest in der Planungsphase, den Übernamen «Labyrinth des Wissens». Bereits im Vorfeld wurde die Idee des Labyrinths aber verworfen. Zu unübersichtlich wäre die verschachtelte Anordnung der Regale gewesen, zu umständlich die Bewirtschaftung des Medienbestandes. Heute sprechen die Angestellten und Benutzer der Hochschulbibliothek vom «Dickicht des Wissens». Und dies aus gutem Grund: Dunkle Regale absorbieren das Tageslicht, über ihnen ragen Stahlträger in die Höhe, welche wie die Äste von Bäumen geformt sind. Daher rührt der heutige Spitzname der Bibliothek.

Für Orientierung im Dickicht sorgt die Bibliotheksleiterin Elisabeth Müller. Sie ist seit Jahren an der HSR tätig und weiss genau, wo die Studierenden das gesuchte Medium finden. Und sie hat klare Ziele für die Bibliothek: «Unsere Räume sollen ein Treffpunkt sein, um sich miteinander auszutauschen. Ein Austausch über Wissen und Erlebtes.» Dementsprechend wird mit dem gängigen Stereotyp, die Bibliothek sei ein Ort der Ruhe, aufgeräumt. «Totenstille ist bei uns weder gefragt noch erwünscht», sagt Müller. Ein sympathischer und moderner Ansatz.

Printmedien bleiben gefragt

Heute sind in der Bibliothek nur wenige Arbeitsplätze besetzt. Zwei Studierende der Fachrichtung Landschaftsarchitektur brüten über ihren Plänen, die sie auf mehreren Tischen ausgebreitet haben. «Besonders Studierende dieser Fachrichtung schätzen die Qualitäten der Printmedien», erklärt die Bibliotheksleiterin sichtlich erfreut. Oft könnten mit E-Books die Pläne und Illustrationen der Architekturbücher qualitativ nicht ausreichend dargestellt werden. «Deshalb greifen die Studierenden hier immer noch auf herkömmliche Bücher zurück», sagt Müller. Das bestätigt auch Manuel Sturzenegger, angehender Landschaftsarchitekt: «Bücher sind für mich Inspirationsquellen für neue Projekte. Die Qualität der Illustrationen ist um einiges höher als in E-Books. Das ist für die Arbeit in unserem Studiengang zentral.»

Der Trend geht jedoch in die entgegengesetzteRichtung:E-Loks erfreuen sich wachsender Beliebtheit – vor allem bei Studierenden der technischen Fachrichtungen. Die HSR trägt dieser Entwicklung Rechnung und stellt ein grosses Angebot an digitalen Medien zur Verfügung. Der Bestand an E-Books wächst stetig. Aktuell machen sie einen Drittel des gesamten Bestandes von 50 000 Medien aus. «Wir stellen eine grosse Nachfrage nach elektronischen Medien fest, besonders Fachbücher im technischen Bereich werden vermehrt als E-Books konsumiert», so die Bibliotheksleiterin. Man könne auch bei der Nutzung Unterschiede zwischen den Bachelor- und Masterstudierenden ausmachen: Während Studierende auf Bachelorstufe eher «oberflächlich» recherchierten, würden Masterstudierende deutlich tiefer in die Materie einsteigen und daher auch eher Datenbanken oder Fachbücher nutzen.

Drohnen über dem Campus

Als Bibliothek einer technischen Fachhochschule muss das Angebot immer am Puls der Zeit gehalten werden. Die Studieninhalte entwickeln sich konstant weiter und damit auch die Bedürfnisse der Studierenden. Die Lösung der HSR: In einer unscheinbaren Glasvitrine, die in der Nähe der Ausleihtheke platziert ist, wurde eine Gadget-Sammlung angelegt. Drohnen, die mittels Smartphone oder Tablet über den Campus gesteuert werden können, ein Armband zur Messung der körperlichen Leistungsfähigkeit und sogar die 3D-Brille «Oculus Rift» stehen den Studierenden zur Verfügung. Die 3D-Brille gibt es aktuell noch gar nicht im Handel zu erwerben. Die seit einem halben Jahr laufende Testphase dieses Spezialangebots wird bald evaluiert und der Bestand dann wohl aufgestockt. Für Bibliotheksleiterin Müller ist bereits klar:«Die Pilotphase ist ein voller Erfolg.»

Ebenfalls ein Erfolg sind die regelmässig stattfindenden Kunstausstellungen. Bilder, Skulpturen und Fotografien, auch sie sollen neben Büchern Platz finden. Die Bibliothek stellt immer wieder Werke lokaler Künstler aus und wird dadurch zur Begegnungszone nicht nur für Studierende, sondern auch für Kunstinteressierte. Heute jedoch bleibt es still in der Bibliothek. Einzig das Flüstern der beiden Landschaftsarchitekturstudierenden am Ende des Ganges ist zu vernehmen. 

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Pascal Michel

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Stefan Tschumi

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Les étudiants de la HSR trouvent également dans la bibliothèque un lieu de rencontre où la tendance est clairement aux médias numériques. Les e-books forment d’ores et déjà un tiers des documents disponibles.