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2012/1 Fachportale für Kulturgut

www.arbeiterbewegung.ch – 800 Einträge zu historischen Beständen

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Seit drei Jahren ist das dreisprachige Webportal www.arbeiterbewegung.chwww.mouvementouvrier.chwww.movimentooperaio.ch in Betrieb und wird rege benutzt (Gemäss Mescalero 3.2 Logauswertung wurden 2011 über 9000 Besuche mit über 45 000 Seitenzugriffen (sog. «Hits») registriert). Für viele lokale, regionale und gesamtschweizerische Archivbestände zur Schweizerischen Arbeiterbewegung bietet es erstmals einen Standortnachweis.

Auf dem Portal arbeiterbewegung.ch sind aktuell die Standorte von 800 historischen Beständen der Schweizerischen Arbeiterbewegung verzeichnet. Die virtuelle Zusammenführung des Archivmaterials von Organisationen und Personennachlässen ist ein aktiver Versuch, die anspruchsvolle Überlieferungsbildung in der föderalistischen Schweiz zu koordinieren. Die aus neun Trägerorganisationen bestehende Interessengemeinschaft «Geschichte der schweizerischen Arbeiterbewegung» will damit aktiv den Zugang zu den Quellen der Geschichte der Schweizerischen Arbeiterbewegung fördern.

Die Interessengemeinschaft und ihre Ziele 

2004 organisierten die Association pour l’étude de l’histoire du mouvement ouvrier (AEHMO) und die Stiftung Collège du Travail eine internationale Tagung zum Thema «Archive, Geschichte und Identität der Arbeiterbewegung»Archives, histoire et identité du mouvement ouvrier. Actes de la rencontre internationale organisée à Genève, les 7 et 8 mai 2004, par la Fondation Collège du Travail et l’Association pour l’étude de l’histoire du mouvement ouvrier (AEHMO); Genève 2006.. Im Anschluss an die Tagung kam auf Anregung der Gewerkschaft Unia ein loser Zusammenschluss interessierter Spezialarchive und -bibliotheken zustande, der vier Jahre später in eine verbindlichere Interessengemeinschaft (IG) mündete.

Da zu diesem Zeitpunkt bereits viele der nationalen Gewerkschaftsarchive der Archivierung zugeführt worden waren, richtete die IG den Fokus auf die Sicherung der regionalen und lokalen Archive der Deutschschweizer, Westschweizer und Tessiner Arbeiterbewegung. Die Organe von Gewerkschaften, Parteien und anderen Organisationen mussten sensibilisiert, die Mitarbeitenden entsprechend geschult werden. Das Gedächtnis der Arbeiterbewegung soll jedoch nicht nur vor der Vernichtung bewahrt, sondern erschlossen und öffentlich zugänglich gemacht werden. Als erstes konkretes Projekt der IG wurde deshalb das Portal realisiert, dessen Betrieb vom Schweizerischen Sozialarchiv in Zürich sichergestellt wird. Die IG will aber noch mehr. Der fortwährende Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Institutionen findet an regelmässigen Treffen statt. Gemeinsam sollen weitere Projekte initiiert werden, um die Beschäftigung mit der Geschichte der Schweizerischen Arbeiterbewegung in- und ausserhalb der akademischen Welt anzuregen.

Was findet man im Portal?

Den Grundstock von 600 Einträgen bilden die Bestände der Trägerorganisationen Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich; Collège du Travail, Genève; Fondazione Pellegrini Canevasini, Bellinzona; Archiv der Gewerkschaft Unia, Bern; Association pour l’Etude de l’Histoire du Mouvement Ouvrier AEHMO, Lausanne; Bibliothek und Archiv des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, Bern; Centre International de Recherches sur l’Anarchisme CIRA, Lausanne; Dokumentation Beat Schaffer, Biel/Bienne sowie Gewerkschaft comedia, Bern. Erschlossen sind 800 öffentlich zugängliche Archivbestände und Nachlässe von Gewerkschaften, politischen Parteien, Frauen- und Jugendorganisationen, Genossenschaften und Arbeitervereinen aus allen Landesteilen. National oder über die Sprachgrenze tätige Organisationen werden mehrsprachig erfasst. Befinden sich Teilbestände von regionalen und lokalen Gliederungen in den Archivbeständen von gesamtschweizerischen Organisationen, werden diese nicht separat aufgenommen.

Wie kann das Portal genutzt werden?

Mit dem Portal soll einerseits die Vermittlung der breit gefächerten Archive und andererseits die einschlägige sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Forschung gefördert werden. Für viele lokale, regionale und gesamtschweizerische Archivbestände bietet das Webportal erstmal seinen Standortnachweis. Wo möglich, führen Links direkt zu den entsprechenden Archivverzeichnissen. Das Auffinden von Beständen wird durch verschiedene Suchfunktionen erleichtert. So können die Quellenbestände beispielsweise auch nach geografischen oder thematischen Gesichtspunkten recherchiert werden. Ein Veranstaltungskalender und weiterführende Links ergänzen das Informationsangebot.

Das Beispiel der Unia-Vorläuferorganisationen 

Am Beispiel eines der grössten Archivbestände der Schweizerischen Arbeiterbewegung lässt sich die Nützlichkeit des Portals für eine aktive und koordinierte Überlieferungsbildung in föderalen Strukturen sehr gut zeigen.

Die Gewerkschaft Unia hat 2011 das Projekt der Sicherung regionaler und lokaler Bestände ihrer Vorläuferorganisationen SMUV, GBI und VHTL in der ganzen Schweiz nach fünf Jahren intensiver Arbeit abgeschlossenSiehe arbido 3/2007 – Rebekka Wyler: Von Romanshorn bis Genf: Wohin mit lokalen und regionalen Gewerkschaftsarchiven.. An über 90 Standorten befanden sich Archive, welche mit aktiver Unterstützung zahlreicher Unia-MitarbeiterInnen vor Ort gesichtet und geordnet wurden, bevor sie in öffentlichen Archiven verzeichnet und dauerhaft archiviert wurden. Auf diese Weise kamen in Ergänzung zu den nationalen Beständen nochmals mehr als 1000 Laufmeter Archivalien regionaler und lokaler Provenienz hinzu.

Als Folge des Strukturwandels der Wirtschaft waren Regional- und Sektionsstrukturen grösseren Veränderungen unterworfen als die nationalen Organisationen. Oftmals bilden Regionalstrukturen auch Wirtschaftsräume ab, die mit der politischen Geografie nicht deckungsgleich sind. Bereits früher waren Teilablieferungen an Archive und Bibliotheken gemacht worden, etwa weil gute Kontakte bestanden. Diese heterogene Ablieferungspraxis kann nun mit dem Webportal wettgemacht und Teilbestände können wieder zusammengeführt werden.

Sind Ihre Bestände bereits erfasst?

Das Ziel ist es, möglichst alle bekannten historischen Bestände zur Schweizerischen Arbeiterbewegung (Parteien, Gewerkschaften, Arbeitervereine, Genossenschaften, Anarchismus, Personennachlässe, Frauen- und Jugendorganisationen) zu erfassen. Selbständige Forscherinnen und Forscher sowie öffentliche Archive und Bibliotheken kennen bearbeitete respektive aufgenommene Bestände und deren Bedeutung am besten. In den letzten Jahren wurden solche immer mehr elektronisch erfasst und stehen online zur Benutzung.

Die IG möchte deshalb dazu auffordern, die Vernetzung zu unterstützen und aktiv Daten zu liefern. Die Bestände können einfach und mit wenig Aufwand direkt erfasst werdenEine Anleitung wird auf Anfrage durch das Schweizerische Sozialarchiv gerne zur Verfügung gestellt. Bei Bedarf übernimmt es die Erfassung, wenn die notwendigen Angaben zur Verfügung gestellt werden. Kontakt: Urs Kälin, Schweiz. Sozialarchiv Zürich, kaelin@sozarch.unizh.ch, Tel. 044 268 87 40..

Vernetzung und Benutzung fördern

Die Vernetzung mit anderen Portalen ist der IG wichtig. So sind etwa die gewerkschaftlichen Bestände von www.arbeiterbewegung.ch auch auf www.arCHeco.ch, dem Verzeichnis von Wirtschaftsbeständen in öffentlichen und privaten (Unternehmens-)Archiven der Schweiz und LiechtensteinsInitiiert von der Arbeitsgruppe «Archive der privaten Wirtschaft» des Vereins Schweizerischer Archivarinnen und Archivare (VSA) und dem Schweizerischen Wirtschaftsarchiv (SWA). zu finden. Sie können das junge Portal unterstützen, indem weitere Links auf den Seiten öffentlicher und privater Archive publiziert werden. Eine in drei Landessprachen vorhandene Werbekarte kann beim Unia-Archiv (archiv@unia.ch) bestellt und öffentlich aufgelegt werden.

Interessengemeinschaft «Geschichte der Schweizerischen Arbeiterbewegung» c/o Schweiz. Sozialarchiv Stadelhoferstrasse 12 8001 Zürich 044 268 87 40 www.arbeiterbewegung.ch

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Rita Lanz

Archivarin Unia

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Le portail trilingue www.mouvementouvrier.chwww.arbeiterbewegung.chwww.movimentooperaio.ch est opérationnel depuis trois ans, et son utilisation va crescendo. Il offre pour la première fois de précieuses informations sur le mouvement ouvrier suisse pour de nombreux fonds d’archives locaux, régionaux et nationaux.

Le portail www.mouvementouvrier.ch compte actuellement quelque 800 collections historiques. La concentration virtuelle du matériel d’archives d’organisations et de successions est censée coordonner la constitution du patrimoine dans notre pays fédéraliste. La communauté d’intérêt «Histoire du mouvement ouvrier suisse», qui compte neuf organisations, entend ainsi promouvoir activement l’accès aux sources de l’histoire de ce mouvement.