Kommentare Abstract
2012/1 Fachportale für Kulturgut

Urkunden im Netz: das internationale elektronische Urkundenportal monasterium.net

Kommentare Abstract

Im Rahmen der Vortragsreihe «Stadtgeschichte im Stadthaus», organisiert von der Ortsbürgergemeinde St. Gallen, fand am 1.12.2011 eine Veranstaltung zu dem Internetportal monasterium.net, einem virtuellen Urkundenarchiv Europas, und drei damit verbundenen Schweizer Projekten statt.

Einleitend stellten Thomas Aigner und Karl Heinz das International Centre for Archival Research (ICARUS) und das Urkundenportal monasterium.net vorVgl. www.monasterium.net; www.icarus.eu (Zugriff am 03.01.2012).. Seinen Ursprung hat das Projekt Monasterium in Niederösterreich im Diözesanarchiv St. Pölten. Ziel war es, die Zugänglichkeit zu zahlreichen Klosterarchiven, die in Niederösterreich häufig noch vor Ort in den Klöstern selbst liegen, zu verbessern. Sehr schnell wurde dabei offensichtlich, dass, aufgrund der europaweiten Netzwerke der Klöster, ein Stehenbleiben des Projekts an nationalen Grenzen nicht sinnvoll ist. So war das Ziel bald eine Wiederherstellung der mittelalterlichen Kloster-Netzwerke auf virtueller Ebene. Auch die Beschränkung auf Urkunden aus geistlichen Archiven wurde aufgegeben. Inzwischen sind an monasterium.net 80 Partner aus elf Ländern beteiligt, 447 Archivbestände sind erfasst und mehr als 250 000 Urkunden sowie 559 155 Bilder zugänglich gemacht. monasterium.net stellt sowohl Bilder als auch Metadaten, d.h. Regesten, Transkriptionen, Editionen, wissenschaftliche Beschreibungen oder Sekundärliteratur, zur Verfügung. Bei der Bearbeitung der Metadaten werden die Standards der Charter Encoding Initiative (CEI) angewendet. Die Metadaten sind zwar, je nach Herkunftsinstitution, heterogen, doch gewisse Mindeststandards werden eingehalten. So ist jede Urkunde wenigstens mit ihrer Signatur und einem Kurzregest erfasst. Das Portal kann in elf Sprachen konsultiert werden und stellt auch einen eigenen Viewer zur Verfügung.

ICARUS, das International Centre for Archival Research, ist aus dem Projekt Monasterium entstanden und die gemeinsame institutionelle Plattform der an Monasterium beteiligten Partner. Ziel der Institution ist das Zugänglichmachen von Archivgut und damit die Demokratisierung von Wissen durch Förderung und Unterstützung der internationalen Zusammenarbeit. Dabei fungiert ICARUS als Plattform der Einzelprojekte. Während die technische Entwicklung von monasterium.net bei der Universität Köln liegt und die Bilder und Metadaten von den beteiligten Archiven, Bibliotheken und wissenschaftlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden, ist ICARUS für die administrativen Belange zuständig. Die Finanzierung erfolgt über Einzelprojekte der Partnerinstitutionen.

Im Anschluss wurden drei Einzelprojekte aus dem Klosterarchiv Einsiedeln (Franziska Eggimann), dem Stiftsarchiv St. Gallen (Jakob Kuratli) und dem Stadtarchiv St. Gallen (Stefan Sonderegger) vorgestellt.

Das Klosterarchiv Einsiedeln ist durch seine Überlieferung von Königs- und Kaiserurkunden aus dem 10. und 11. Jahrhundert bekannt und für die historische Forschung bedeutend. Im Rahmen eines Reorganisationsprojekts des davor zum Teil unbenutzbaren Klosterarchivs, das von 2005 bis 2012 läuft, wurde auch die Digitalisierung sämtlicher Urkunden vor 1600 (das sind etwa 2000 Stück) sowie der Summarien (Findmittel) in Angriff genommen. Ausserdem wurden Regesten zu den Urkunden erstellt, die kopiale Überlieferung, die Findmittel und die wichtigsten Editionen erfasst. Diese Bilder und Metadaten wurden in monasterium.net importiert.

Für St. Gallen als Reichsstadt bzw. Reichkloster erschien die Teilnahme an monasterium.net besonders sinnvoll, da die Internationalität des Portals die Rekonstruktion der weitreichenden Kontakte, die das Stift im Mittelalter besass, ermöglicht. Im Stiftsarchiv liegen aber nicht nur Urkunden aus St. Gallen (ca. 20 000 Stück, davon 4500 vor 1500), sondern auch aus dem Stiftsarchiv von Pfäfers (ca. 1000 Stück, davon 500 vor 1500). 

Diese Urkunden wurden innerhalb eines Monats digitalisiert. Im Verlauf des Projekts erfolgte ausserdem eine genaue Inventarisierung (inkl. Erhaltungszustand) der Dokumente. Mit Einsiedeln, St. Gallen und Pfäfers sind bisher drei Schweizer Klöster auf Monasterium vertreten.

Die Einbindung des Stadtarchivs St. Gallen mit dem Chartularium Sangallense in monasterium.net belegt, dass inzwischen nicht mehr nur Klöster, sondern auch Städte an dem Projekt beteiligt sind. Ein Mehrwert gegenüber der gedruckten Edition des Chartularium Sangallense besteht vor allem in der Veröffentlichung von Abbildungen.

Durch die Abbildungen von Siegeln etwa erschliessen sich neue Forschungsfelder. Ein weiterer Vorteil der digitalen Edition liegt darin, dass nur so die Masse der Urkundenüberlieferung überhaupt noch zu bewältigen erscheint. Während nämlich die meisten gedruckten (Volltext-)Editionen mit dem Jahr 1300 bzw. 1500 enden (obwohl die Zahl der Urkunden gerade in den Jahrzehnten danach zunimmt), können sich digitale Editionen auf Regesten beschränken, wenn sie zugleich Digitalisate der Urkunden zur Verfügung stellen.

Einhellig wurde der Nutzen des Portals sowohl für die Forschung und die universitäre Lehre als auch für die teilnehmenden Institutionen betont. Wünschenswert sei daher, so J. Kuratli, die Gewinnung weiterer Schweizer Archive für die Teilnahme an ICARUS und monasterium.net.

Avatar

Annkristin Schlichte-Künzli

Dr. phil. Annkristin Schlichte-Künzli ist wissenschaftliche Archivarin im Staatsarchiv Thurgau.

Kommentare

*Pflichtfeld

Abstract

Une conférence a été donnée le 1.12.2011 sur le portail internet monasterium.net, une archive virtuelle des fonds et collections européens, et sur trois projets suisses qui y sont liés. Thomas Aigner et Karl Heinz ont présenté l’International Centre for Archival Research (ICARUS) ainsi que le portail monasterium.net. Depuis, quelque 80 partenaires de onze pays participent à ce portail, 447 fonds d’archives ont été enregistrés; plus de 250 000 documents et près de 560 000 illustrations sont désormais accessibles. monasterium.net met à disposition aussi bien des illustrations que des métadonnées, c’est-à-dire des transcriptions, des éditions, des descriptions scientifiques ou encore de la littérature secondaire. ICARUS, l’International Centre for Archival Research, est né du projet Monasterium et constitue la plateforme institutionnelle globale des partenaires impliqués. La participation à monasterium.net semble particulièrement judicieuse pour St-Gall, autrefois ville et monastère impérial, étant donné que la dimension internatio- nale du portail permet de reconstruire le vaste réseau de contacts que la fondation possédait au Moyen Âge. La participation à monasterium.net des Archives de la ville de St-Gall avec le Chartularium Sangallense montre qu’entre-temps ce projet n’intéresse pas seulement les monastères, mais également les villes.