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2010/3 Das Erbe Gutenberg virtualisiert sich! E-Books et al.

Das E-Book ist bei den Bücherhallen Hamburg angekommen!

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Das Bibliothekennetz Hamburg ist einer der grössten Kulturlieferanten der Han- sestadt und darüber hinaus das grösste öffentliche Bibliothekssystem ganz Deutschlands. Seit Kurzem hat es sein Angebot um das Online-Portal «eBücherhalle» erweitert. Auf diesem Portal haben die Nutzerinnen und Nutzer nicht nur Zugang zu Online-Lehrgängen, sondern auch zu elektronischen Büchern (E-Books), Hörbüchern (E-Audios), Zeitungen (E-Papers), Zeitschriften (E-Magazine) sowie zu Musik und Videos (E-Music und E-Video).

Das öffentliche Bibliothekssystem Bücherhallen Hamburg umfasst heute 32 Bücherhallen, die Zentralbibliothek, die Jugendbibliothek hoeb4u, die Kinderbibliothek kibi@hh, zwei Bücherbusse sowie zehn im Hamburger Strafvollzug betreute Büchereien.

Die Bücherhallen sind in Hamburg damit einer der grössten Kulturanbieter der Hansestadt und das grösste geschlossene öffentliche Bibliothekssystem in Deutschland. Traditionell hat sich die Einrichtung seit ihrer Gründung im Jahre 1899 immer wieder den gesellschaftlichen, technologischen und bibliothekspolitischen Herausforderungen stellen müssen und diese mit dem ihr eigenen Erfindungsreichtum gemeistert. Diese Erfahrungen sind das Fundament und die Sicherheit zugleich für ein offensives, kreatives Herangehen an Zukunftsthemen, die den Erhalt der Einrichtung sichern und eine Ausrichtung für eine «spannende» Zukunft gewährleisten.

Die technischen Entwicklungen, die Verbreitung von Breitbandanschlüssen, die Ausstattung privater Haushalte mit Computern und die steigende Nutzung des Internets in allen Altersgruppen verändern die Erwartungen der Menschen an öffentliche Dienstleistungen und damit an öffentliche Bibliotheken. Um den Erwartungen gerecht zu werden, müssen klassische und neue Dienstleistungen in das Internet verlagert bzw. entwickelt werden.

eBücherhalle-Bibliothek rund um die Uhr 

Die Bücherhallen Hamburg ergänzen ihre klassischen Dienstleistungen seit einiger Zeit im Internet über ihr Online-Portal eBücherhalle1um virtuelle Angebote. Neben den E-Medien bieten die Bücherhallen Hamburg seit Juni 2009 auch E-Learning-Kurse über eine Plattform. Die Kundinnen und Kunden können aus über 100 Kursen aus den Bereichen EDV, Wirtschaft und einigen Sprachkursen auswählen und diese anschliessend online nutzen. Die öffentliche Bibliothek orientiert sich dabei an dem veränderten Mediennutzungsverhalten der Menschen und macht dadurch eine orts- und zeitunabhängige Nutzung der Bibliothek möglich.

Die eBücherhalle bietet den Kunden der Bücherhallen Hamburg über das E-Medien-Angebot die Möglichkeit, von zu Hause über das Internet elektronische Medien herunterzuladen und zeitlich befristet auf dem eigenen Rechner zu nutzen. Es handelt sich um elektronische Bücher (E-Books), Hörbücher (E-Audios), Zeitungen (E-Papers), Zeitschriften (E-Magazine) sowie Musik- und Videodateien (E-Music und E-Video). Alle Dateien werden in den Formaten pdf, epub, wmv und wma angeboten. Sie sind alle mit einem DRM-System (DigitalRightManagement-System) gesichert.

Zusammen mit den Stadtbibliotheken Köln, München und Würzburg und der DiViBib GmbH haben die Bücherhallen Hamburg diese Dienstleistung für öffentliche Bibliotheken entwickelt. Von Beginn an war deutlich, dass nicht nur die Entwicklung einer eigenen Ausleihplattform, sondern auch die Akquise und Verhandlung der Lizenzen mit den Verlagen die finanziellen und personellen Ressourcen der Bibliotheken übersteigen würde. Mit der EKZ-Tochter DiViBib GmbH wurde ein Partner gefunden, der diese Herausforderung seit nunmehr drei Jahren meistert. Seit Juni 2007 sind die vier Bibliotheken mit dem Online-Angebot der E-Medien am Start. Mittlerweile bieten über 130 öffentliche Bibliotheken aus dem deutschsprachigen, europäischen Raum die «Onleihe»http://www.onleihe.net (Zugriff am 19.6.2010).an.

Die konzeptionellen Überlegungen für das E-Medien-Angebot sahen vor, sich mit einem Bestandprofil vorrangig an Schüler der SEK I und II und Menschen in beruflicher Aus- und Weiterbildung zu wenden. Daraus folgte, dass das Segment E-Book rein sachbuchorientiert sein sollte. Die anderen Mediensegmente sollten sowohl aus der Belletristik als auch aus dem Sachbuchbereich bestehen.

Die Nutzung der Angebote im Internet steigt stetig 

In den drei Jahren seit dem Start des Angebots ist der Bestand auf 16 000 E- Medien gewachsen. Davon sind 5000 Medieneinheiten E-Books. Die vorangegangenen Profilüberlegungen konnten nicht vollständig eingehalten werden. Dies hängt zum einen mit dem Angebot der Verlage im E-Book-Bereich für öffentliche Bibliotheken zusammen. Leider deckt sich das Angebot nicht mit dem freien Markt. Öffentliche Bibliotheken sind hier auf das Entgegenkommen der Verlage angewiesen. Zum anderen liegt es an einem Nutzungsverhalten, welches nicht erwartet wurde. Wurden zum Start nur einige wenige E-Books im pdf-Format aus dem Segment Belletristik angeboten, bieten die Bücherhallen Hamburg ab Herbst 2009 vermehrt Belletristiktitel sowohl im pdf- als auch im epub- Format an. Fast alle Titel waren von Beginn an ständig ausgeliehen. Im Jahr 2009 wurden 33 970 Ausleihen über das E-Medien-Angebot gezählt. Über ein Drittel der Ausleihen sind dem Mediensegment E-Book zuzurechnen. Unter den Top Ten der Ausleihhits aus dem E-Book-Segment finden sich Titel wie Power Walking fürs Gehirn von Martin Oberbauer aus dem Herbig Verlag, Der erfolgreiche Webdesigner von Nils Pooker aus dem Verlag Galileo Press oder Suchmaschinenoptimierung von Stefan Karzauninkat aus dem Carl Hanser Verlag. Dass sich viele Titel aus dem Bereich EDV und Internet unter den Titeln finden lassen, ist kein Zufall. Hier ist das Angebot der Verlage am umfangreichsten, und in der Zielgruppe lassen sich mehr Menschen mit einer Affinität zur Nutzung von neuen Medien vermuten. Die Nutzung der E-Medien ist seit Beginn des Jahres auf 23 000 Ausleihen gewachsen (Stand Mai 2010). Über 8000 Ausleihen sind durch die E-Books erzielt worden. Das Segment E-Books hat damit das zu Beginn beliebteste Segment E-Audio (Hörbücher) abgelöst.

Der zunehmende Erfolg hat zum einen mit der quantitativen und zum andern mit der qualitativen Steigerung des Angebots zu tun. Die kontinuierliche Steigerung der Nutzung zeigt, dass das E-Book vom Bibliothekskunden und den Mitarbeitern als «vollwertiges Medium» wahr- und angenommen wird. Einzig umständliche Zugangsvoraussetzungen, die durch restriktive Lizenzrechte durch die Verlage bedingt sind, behindern noch eine höhere Akzeptanz bei den Kunden. So ist etwa eine parallele Ausleihe nicht möglich. Wird ein Titel von einem Kunden ausgeliehen, ist er für einen weiteren Kunden nicht verfügbar. Nur über umständliche Staffelungen sind parallele Nutzungen möglich. Dieses Simulieren einer physischen Bibliothek verstört viele Kunden.

Die Verbreitung von E-Book-Readern erhöht die Akzeptanz von E-Books 

Die technische Entwicklung der Lesegeräte, der E-Book-Reader, sowie die gezielten Marketingkampagnen von Elektronikkonzernen haben in den letzten Jahren zur Verbreitung von E-Book-Readern und damit zu einer höheren Akzeptanz und Interesse bei den Bibliothekskunden für E-Books geführt.

Bereits 1999 kam der erste E-Book-Reader, das RocketBook von Nuvo Media auf den Markt. Die Produktion wurde allerdings nach kurzer Zeit wieder eingestellt. 2007 startete Amazon mit dem Kindle einen neuen Versuch, einen E-Book-Reader massentauglich zu machen. Der Kindle nutzt als Display mit der eInk (elektronische Tinte) eine Anzeigetechnik, die Lesen bei direkter Sonneneinstrahlung ermöglichte und einen geringen Stromverbrauch aufwies. Mittlerweile haben Elektronikkonzerne wie Sony eigene Reader entwickelt und auf den Markt gebracht. Dabei wird versucht, sich mit dem epub-Format mit Verlagen und Elektronikherstellern auf ein gemeinsames Dateiformat zur Anzeige von E-Books zu einigen.

Der Vorteil von epub liegt u.a. in der dynamischen Anpassung des Textes an die Bildschirmgrösse. Ausserdem unterstützt es DRM-Mechanismen, deren Einsatz für viele Verlage noch massgeblich sind.

Industrie setzt auf geschlossene Systeme 

Hier liegt gleichzeitig auch das Problem: Die Industrie setzt vorrangig auf geschlossene DRM-Systeme und eigene Dateiformate, die nur auf den eigenen Endgeräten nutzbar sind. So hat Amazon das geschützte azw-Format auf den Markt gebracht. E-Books in diesem Format lassen sich nur auf dem Kindle selbst oder auf dem PC mit der Windows-Software Kindle for PC nutzen. Titel im epub-Format, welches z.B. auf dem Sony-Reader unterstützt und von kommerziellen E-Book-Distributoren wie Buch.de, ciando, Libri, Thalia oder Hugendubel angeboten wird, lassen sich auf dem Kindle nicht nutzen.

Im Frühjahr 2010 hat Apple mit einer «appletypischen» Marketingkampagne das iPad auf den Markt gebracht. Von Anfang an hat Apple mit der Markteinführung des Tablet-Computers auch auf die Nutzung des iPads als E-Book-Reader hingewiesen und damit eine regelrechte Euphorie bei Verlagen und Verbrauchern ausgelöst. Aber auch Apple setzt auf sein eigenes DRM-System-Fairplay. Titel können nur über den iBook-Store auf das iPad geladen werden. Wahrscheinlich ist, dass E-Books, die mit einem applefremden DRM versehen sind, nicht oder nur mit Einschränkungen auf dem iPad gelesen werden können. Dies liegt vor allem daran, dass die am häufigsten verwendete DRM-Technik auf dem Markt Digital Editions von Adobe ist. Bekanntlicherweise boykottiert Apple Adobehttp://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,692162,00.html (Zugriff am 18.6.2010).. Verwunderlich ist, dass viele Verlage sich freiwillig exklusiv an die Appleplattform binden wollen, gab es doch schon in der Vergangenheit Einflussnahme von Apple auf den Content und die Preisgestaltung bei den Apps für das iPhonehttp://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/printmedien/apple112.html (Zugriff am 18.6.2010)..

Formatkrieg frustriert die Kunden.

Die unterschiedlichen Datei-Formate, die dazugehörigen E-Book-Reader und die geschlossenen Systeme, welche die Industrie auf den Markt bringt, erinnern doch sehr an den Formatkrieg, der Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre zwischen konkurrierenden Videokassettensystemen stattfand. Obwohl von vielen nicht als das bessere empfunden, setzte sich damals das VHS-System durch. Es bleibt abzuwarten, welches Format und welches Endgerät sich durchsetzt. Momentan scheint Apple, ausgelöst durch den Medienhype rund um das iPad, die Nase vorn zu haben. Wahrscheinlich ist, dass es erstmal ein längeres Nebeneinander von Formaten und dazugehörigen Endgeräten geben wird. Dies führt aber zu Frustrationen und Verwirrungen beim Verbraucher. Viele Bibliothekskunden, die es seit drei Jahren in Hamburg gewohnt sind, E-Books zu nutzen, wünschen sich von der öffentlichen Bibliothek Information und Beratung bei der Wahl des E-Book-Readers und der Nutzung der unterschiedlichen E-Book-Formate. Hier kann natürlich nur begrenzt geholfen werden. Erfreulich ist, dass die öffentliche Bibliothek in diesem Zusammenhang für viele Menschen als neuer kompetenter Ansprechpartner wahrgenommen wird.

Auch wenn von den absoluten Zahlen her gesehen das E-Book nicht an die Nutzung der «konventionellen» Medien heranreicht, ist es in der Bibliothek angekommen und steht selbstverständlich im Online-Katalog neben der Printausgabe.

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Sven Instinske

Zentralbibliothek, Leitung Abteilung Informationsdienste, Hamburg

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Le réseau de bibliothèques de Hambourg est un des plus grands fournisseurs de culture de la ville hanséatique et le plus grand système de bibliothèque publique d’Allemagne. Depuis peu, il a agrandi son offre par un portail en ligne «eBücherhalle». Sur ce portail, les usagers ont accès non seulement à des cours en ligne, mais à des livres électroniques (E-Books), à des livres audio (e-audios), à des journaux (e-papers), des revues (e-magazines) ainsi qu’à de la musique et à des videos (e-music et e-videos). Les données sont proposées aux formats pdf, epub, wmv et wma, et sécurisées par un système DRM. Le développement technique des appareils de lecture ainsi que les campagnes de marketing des firmes électroniques ont conduit à une généralisation des appareils et à un intérêt croissant pour les E-Books chez les usagers de bibliothèques. Le problème majeur de cette technologie réside dans les différents formats utilisés qui ne fonctionnent pas sur tous les appareils. Pour l’auteur, il est clair que l’E-Book, même s’il n’est pas aussi utilisé que les medias conventionnels, est arrivé dans les bibliothèques et y figure de manière évidente dans le catalogue en ligne, à côté des imprimés.