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2007/2 New Library World – Was gibt es Neues in den schweizerischen Bibliotheken?

Books, livros, knjige, libros, libra, kitaplar ... ! Multikulturelle Angebote der Bibliomedia Schweiz für öffentliche Bibliotheken

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Rund ein Fünftel der in der Schweiz lebenden Bevölkerung verfügt nicht, so die Volkszählung aus dem Jahr 2002, über das Schweizer Bürgerrecht. Dies stellt den Staat, aber auch die Gesamtbevölkerung, vor grosse Herausforderungen. In einer Gesellschaft, die sich mehr und mehr durch eine Vielfalt an Sprachen und Kulturen auszeichnet, sind auch die öffentlichen Bibliotheken gefordert, ihren Beitrag zu leisten. Bibliotheken sind Orte des Wissens, Orte der Unterhaltung, Orte der Informationsvermittlung und des Austauschs.

In den Regalen stehen Bücher nebeneinander, die über die unterschiedlichsten Meinungen, Ansichten, Lebenskonzepte, Kulturen, Ethnien und Länder berichten. In Bibliotheken weht – naturgemäss – ein offener, wacher Geist! Sie sind geradezu dafür prädestiniert, an einem sozialen und kulturellen Austausch mitzuwirken. Die Bibliomedia Schweiz als «Bibliothek der Bibliotheken» unterstützt sie dabei mit ihren Fremdsprachenbeständen, mit Materialien für die mehrsprachige Leseförderung, mit Publikationen und Projekten.

Bibliotheken sollen, wie dies auch bereits schon 1994 im «Public Library Manifesto» der IFLAText des Manifests (revidierte Fassung 2004) siehe www.ifla.org/VII/s8/unesco/man....festgehalten wurde, der gesamten Bevölkerung ihre Angebote und Dienstleistungen zur Verfügung stellen. In den im Jahr 2001 verabschiedeten Guidelines «Multikulturelle Gemeinden – Richtlinien für Bibliotheksdienstleistungen»Library Services to Multicultural Populations vgl. www.ifla.org/VII/s32/index.htm; hier findet sich – neben den Richtlinien – auch die Publikation «Daseinsberechtigung für multikulturelle Bibliotheksdienste», die als Argumentarium für entsprechende Dienstleistungen 10 Gründe auflistet.wird diese Forderung explizit dahingehend erweitert, dass Bibliotheken ihre Angebote und Dienstleistungen auf die Zusammensetzung der in ihrem Umfeld lebenden Bevölkerung auszurichten haben. Sprach- und Kulturgruppen sind dabei, ihrem Bevölkerungsanteil entsprechend, angemessen zu berücksichtigen. Aber auch Informationen und Veranstaltungsprogramme sollen die kulturelle Vielfalt widerspiegeln. Bücher und Medien in der eigenen Sprache sind ein Stück Heimat in der Fremde, ein Willkommensgruss im fremden Land – und sie erleichtern indirekt zugleich den Zugang zu Sprache und Kultur des Gastlandes.

Fremdsprachenbestände der Bibliomedia Schweiz

Die Bibliomedia Schweiz, die den öffentlichen Bibliotheken in der Schweiz als «Bibliothek der Bibliotheken» Rotationsbestände zur Ergänzung der eigenen Buchbestände leihweise zur Verfügung stellt, führt schon seit ihren Anfängen auch ein Fremdsprachenangebot, so dass die Bibliotheken verschiedene Kundenkreise ansprechen und unterschiedliche Kundenwünsche erfüllen können. So erhalten einerseits auch kleinere Bibliotheken die Möglichkeit, ihrem Publikum ein ständig wechselndes Angebot an Fremdsprachen (z.B. Englisch oder Spanisch) zur persönlichen Weiterbildung zur Verfügung zu stellen.

Andererseits können grosse wie kleine öffentliche Bibliotheken auch ihre Kundinnen und Kunden aus Migrantenkreisen bestens bedienen, wenn sie sich die benötigte Literatur aus den umfangreichen Bibliomedia-Beständen ausleihen, die zahlreiche Sprachen abdecken, darunter auch schwer zu beschaffende.

Die zunehmende Sprachenvielfalt, die die Einwanderung in die Schweiz widerspiegelt, stellt für Bibliotheken eine grosse Herausforderung, wenn nicht ein eigentliches Hindernis dar, denn Aufbau und Bearbeitung entsprechender Bestände sind aufwändig.

Wenn nun die Bibliomedia, in Erfüllung ihres Bundesauftrags, diese Aufgabe übernimmt, entlastet sie die öffentlichen Bibliotheken in der Schweiz. Entsprechend den Bedürfnissen ihrer Kundenbibliotheken baut sie Fremdsprachenbestände für Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf – und dies vom Bilderbuch an. Mehrheitlich handelt es sich dabei um belletristische Werke, aber auch Sachbücher zählen zum Grundangebot.

Rückblick in die Anfangszeiten

Die Bibliomedia Schweiz, 1920 als Schweizerische Volksbibliothek SVB gegründet, führte als Ressourcenbibliothek bereits 1925 – nebst ihren Beständen in Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch – ein erstes Angebot von 50 Büchern in anderen Sprachen. Zehn Jahre später werden im Jahresbericht 400 englische Bücher verzeichnet. Seit den 1960-er Jahren bietet die SVB neben englischen auch spanische Bücher an – insgesamt bereits rund 2500 Bände. Mit diesem Angebot sollten vor allem Bildungsbemühungen der Schweizer Bevölkerung im Bereich des Fremdsprachenerwerbs unterstützt werden. In den folgenden Jahrzehnten wurde dieser Bestand dann koninuierlich ausgebaut.

Bereits 1983 reagierte die Schweizerische Volksbibliothek beim Aufbau ihres Bestandes auf die sich verändernde Zusammensetzung der in der Schweiz lebenden Bevölkerung. Konnten bis anhin die Migrantinnen und Migranten aus Italien mit Büchern aus dem Bibliocenter im Tessin versorgt werden, ging es jetzt darum, spezifische Bestände für Bevölkerungsgruppen aufzubauen, deren Herkunftssprache keiner der vier Landessprachen entsprach. So «wurde das Angebot an Fremdsprachen um die Sprachen Serbokroatisch, Griechisch und Türkisch erweitert.»Jahresbericht 1983 der Schweizerischen Volksbibliothek: Der Gesamtbestand von 204 138 Büchern umfasste neben Büchern in Deutsch, Franz., Ital. und Rätoromanisch auch 4759 Bücher in englischer und 2303 in spanischer Sprache, und unter der Rubrik «Andere» wurden 81 Bücher in Serbokroatisch, Griechisch und Türkisch verzeichnet. 

Dieses «Angebot» war mit nur gerade 81 Bänden zwar noch äusserst bescheiden, doch zeigte sich in den nächsten Jahren, dass durchaus ein Bedarf vorhanden war – nicht zuletzt auch in weiteren Sprachen.

Leihbestände für Migrantinnen und Migranten

Die Schweizerische Volksbibliothek erkannte die Zeichen der Zeit und unternahm es, für ihre Kundenbibliotheken ein erweitertes Fremdsprachenangebot aufzubauen. So ist im Jahresbericht von 1990 nachzulesen, dass die «Nachfrage nach Literatur in den Gastarbeitersprachen» eindeutig zugenommen habe, vor allem in Portugiesisch und Serbokroatisch, und vermehrt würden auch Bücher für Migrantinnen und Migranten verlangt.

«Diesem Bereich muss deshalb in Zukunft vermehrte Aufmersamkeit geschenkt werden. Eine Bedürfnisabklärung ist im Gange, ein Konzept in Vorbereitung.»Jahresbericht 1990 der Schweizerischen Volksbibliothek, S. 19; der Gesamtbestand von 320 822 Büchern umfasste folgende Fremdsprachenbestände: 6619 Bücher in Englisch, 2518 in Spanisch und 988 «andere».Im Verlauf der nächsten Jahre wurde der Bestand laufend erweitert, doch die Nachfrage seitens Bibliotheken, Asylzentren und auch Gefängnissen erwies sich als so stark, dass der weitere, schnelle Ausbau der zentralen und leistungsfähigen Fremdsprachenabteilung mit schöner Regelmässigkeit in den Jahresberichten Erwähnung fandJahresbericht 1993 der Schweizerischen Volksbibliothek, S. 6: «Das Angebot an Fremdsprachenliteratur ist noch immer ungenügend [...]. Dies ist um so bedauerlicher, als eine Nachfrage von Bibliotheken in Gebieten mit einem grossen Anteil fremdsprachiger Bevölkerung stark angestiegen ist.». Doch nicht nur hinsichtlich der Bestandesgrösse, sondern auch was eine Ausweitung des Angebots an Sprachen betrifft, wurden Anstrengungen unternommen. So konnte die SVB 1994 ihren Kunden nebst Büchern in Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Serbokroatisch und Türkisch neu auch Literatur in albanischer Sprache anbieten. Diese Auswahl an Sprachen spiegelt denn auch die grössten ausländischen Bevölkerungsgruppen in der Schweiz.

Im Jahr 2002 hat die SVB ihren Namen geändert; die landesweit tätige Ressourcenbibliothek heisst nun fortan Bibliomedia Schweiz. Im Rahmen der Erneuerung des Erscheinungsbildes entstanden Werbemittel, die differenziert für die Angebote der Bibliomedia im Bereich der Leseförderung und Integration bei Bibliotheken, Lehrpersonen in Kindergarten und Schule sowie bei den Pädagogischen Hochschulen werben.

In den folgenden Jahren hat denn auch der Fremdsprachenbestand eine kräftige Erweiterung erfahren. So gelang es der Bibliomedia Schweiz beispielsweise, im Jahr 2006 einen Grundbestand an Literatur in Tamil zusammenzutragen und für die Ausleihe bereitzustellen – dies dank der engagierten Mithilfe einer Fachreferentin. Mit diesem neuen Angebot können Bibliotheken und Schulen nun auch die – nach den oben erwähnten Bevölkerungskreisen – nächst grössere Migrantengruppe mit Büchern in ihrer Muttersprache versorgen.

Für 2007 ist, in Ergänzung zum Kroatischbestand, der Aufbau eines Angebots an Büchern in serbischer Sprache in Planung. Auch dafür konnte, dank der guten Kontakte der Bibliomedia Schweiz, eine kompetente Fachreferentin gefunden werden. Sie wird, entsprechend den Bedürfnissen der Bibliotheken und Schulen, teilweise direkt in Belgrad auf Büchersuche gehen und einen aktuellen und attraktiven Bestand zusammenstellen.

Im Jahr 2006 konnte die Bibliomedia mit ihrem rund 43 000 Bände umfassenden Bestand an Fremdsprachenliteratur 73 813 Ausleihen erzielen. Grundprinzip und Richtschnur beim Bestandesaufbau im Bibliocenter Solothurn ist die Vorgabe, in jeder einzelnen Fremdsprache immer ein genügend grosses Kontingent vorrätig zu haben, damit jederzeit entsprechend der Nachfrage grössere und kleinere Kollektionen bereitgestellt werden können.

Mit diesem breit gefächerten, an zentraler Stelle für alle interessierten Kreise zugänglichen Fremdsprachenangebot, das in Form von Rotationsbeständen ausgeliehen werden kann, verfügt die Schweizer Bibliothekslandschaft über ein einmaliges Ressourcenangebot – worum sie das umliegende Ausland auch beneidet. Denn für kleinere Bibliotheken ist der Aufbau eines genügenden Fremdsprachenangebotes geradezu eine Unmöglichkeit – erst recht, wenn es sich um Sprachen handelt, in denen Literatur an sich schon schwer zu beschaffen ist. Doch auch grössere Stadtbibliotheken oder städtische Bibliothekssysteme greifen auf die Angebote der Bibliomedia Schweiz zurück. Denn die Möglichkeit des Einsatzes von Rotationsbeständen zu vergleichsweise geringen Leihgebühren entlastet sowohl die Medienbudgets als auch die Personalkosten, da sich gerade die Beschaffung resp. Bearbeitung von fremdsprachiger Literatur als sehr arbeitsintensiv erweist und Spezialkenntnisse erfordert. Erfreulicherweise machen auch einige der im Verein Bücher ohne Grenzen Schweiz (VBOGS) zusammengeschlossenen interkulturellen Bibliotheken1988 wurde «Globlivres», die erste interkulturelle Bibliothek der Schweiz, als Selbsthilfeprojekt ausländischer Eltern in Renens bei Lausanne gegründet. Nach und nach entstanden, v.a. in der Westschweiz, weitere solcher interkultureller Bibliotheken, die sich 1996 im Verein «Bücher ohne Grenzen Schweiz» (VBOGS) zusammenschlossen (www.interbiblio.ch).vom zentralen Fremdsprachenangebot Gebrauch. Darüber hinaus konnten die interkulturellen Bibliotheken in Bellinzona und Biel mit umfangreichen Grundbeständen beim Aufbau unterstützt werden.

Zwei- und mehrsprachige Bilderbücher

Aber nicht nur öffentliche Bibliotheken und Schulbibliotheken greifen auf die Fremdsprachenbestände der Bibliomedia Schweiz zurück. Je länger, je mehr machen auch Lehrpersonen von diesem Angebot Gebrauch. Denn die Sprachenvielfalt der heutigen Gesellschaft stellt auch die Schule vor ganz neue Herausforderungen. Für Kinder mit einer anderen Muttersprache als der in ihrem Umfeld gesprochenen Landessprache ist es von zentraler Bedeutung, dass sie – gerade auch im schulischen Umfeld – ihre Sprachkompetenzen sowohl in ihrer Erstsprache als auch in der Zweitsprache aufbauen können. Denn das Beherrschen der Muttersprache ist Garant dafür, dass ein Zweit- resp. Drittspracherwerb überhaupt gelingen kann – in mündlicher und in schriftlicher Form! Als wichtiger Baustein dafür hat sich im Bereich von Vorschule und Unterstufe der Einsatz von zwei- respektive mehrsprachigen Bilderbüchern erwiesen.

In Absprache mit interkulturellen Fachstellen sowie aufgrund von Rückmeldungen von Bibliotheken und Lehrpersonen baut die Bibliomedia Schweiz denn auch einen zwei- resp. mehrsprachigen Bilderbuch-Spezialbestand auf, der momentan rund 1700 Bände umfasst. Entsprechend der grossen Nachfrage ist ein weiterer Ausbau mit einer Vielfalt an Titeln geplant. Da der Buchmarkt diesbezüglich aber kein grosses Angebot macht, greift die Bibliomedia auch zur Selbsthilfe. So wurden Übersetzungen in allen im Bibliocenter Solothurn geführten Fremdsprachen in angekaufte deutsche Bilderbücher eingeklebt. In monatelanger, ehrenamtlicher Arbeit übernahmen die «Grauen Panther» in Solothurn liebenswürdigerweise diese Aufgabe! 

Doch damit nicht genug: Im Moment ist, in Zusammenarbeit mit dem Mantra-Verlag in London, eine grossangelegte Produktion von zweisprachigen Bilderbüchern in Planung; diese Bücher sollen anschliessend im gesamten deutschen resp. französischen Sprachraum vertrieben werden.

Geschichtenerzählen in vielen Sprachen

In Zusammenarbeit mit QUIMS (Qualität in multikulturellen Schulen), einem Projekt der Bildungsdirektion des Kantons Zürich, gelang es, mehrsprachige Materialien für die Leseanimation zu erarbeiten. So wurden ein bereits bestehendes japanisches Koffertheater, «Kamishibai» genannt, sowie einige Bilderbuchkinos mit Texten in bis zu 19 Sprachen ausgerüstet. Zusätzlich wurden zwei Bilderbücher, zu denen QUIMS Übersetzungen lieferte, ebenfalls in Bilderbuchkinos umgewandelt – d.h. es wurden in Eigenregie Dias produziert, die nun im Verbund mit dem Buch und den Texten als Set ausgeliehen werden können. Mit diesen Materialien haben Schulen, aber auch Bibliotheken die Möglichkeit, ein vielsprachiges Erzählen oder Vorlesen im Rahmen von Elternabenden oder Animationsveranstaltungen zu organisieren. Kinder erfahren dabei, dass allen Sprachen Wertschätzung zuteil wird, dass auch ihre eigene Sprache hier ihren Platz hat. Die Erfahrung, dass ihre Eltern in ihrer Sprache eine Geschichte vorlesen, erfüllt Kinder mit Stolz und erleichtert ihnen zugleich den Zugang zur Zweitsprache Deutsch, die als Sprache der gemeinsamen Kommunikation für alle von zentraler Bedeutung ist.

Publikationen

Immer wieder war von Gemeindebibliotheken zu erfahren, dass man zwar Bücher in Fremdsprachen anbiete, dass die Anzahl an Ausleihen aber sehr zu wünschen übrig lasse. Offensichtlich gelang es hier nicht, mit Migrantenkreisen in Kontakt zu treten und die ausländische Bevölkerung auf das neue Angebot aufmerksam zu machen. Um einen Beitrag zur Überbrückung dieses Kommunikationsproblems zu leisten, erarbeitete die Bibliomedia Schweiz das Arbeitsmittel «Materialien und Tipps zur Einführung fremdsprachiger Kunden in die Bibliothek»Die Publikation erschien 2004 und kann für Fr. 12.– bei Bibliomedia Schweiz direkt bezogen werden 1, das, von den Sprachen Deutsch, Französisch und Italienisch ausgehend, je eine schriftliche Begrüssung mit integrierter Benutzungsordnung, eine Unterschriftenkarte für Kinder (mit integrierter Einladung der Eltern zu einem Bibliotheksbesuch) sowie eine Reservationskarte in Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Kroatisch, Albanisch und Türkisch enthält. Der modulartig aufgebaute Text kann von jeder Bibliothek entsprechend ihren Bedürfnissen zusammengestellt werden (als Worddatei auch unter: www.bibliomedia.ch > Bibliotheken > Fremdsprachen). Da Gemeindebibliotheken kaum über PC-Software mit einem Zeichensatz in Tamil verfügen, bietet die Bibliomedia zusätzlich eine vereinfachte und vereinheitlichte Variante in Tamil als Download auf ihrer Website an.

Die enge Zusammenarbeit und der intensive Austausch mit MitarbeiterInnen von QUIMS führte zur Erkenntnis, dass gerade in einem multikulturellen Umfeld die intensive Zusammenarbeit von Schule und Bibliothek von grösster Wichtigkeit ist. Und wir stellten weiter fest, dass Schule und Bibliothek ihrerseits, soll ihre Zusammenarbeit gelingen, gezielt mit Wissen und mit geeigneten Materialien unterstützt werden müssen. Mit der Publikation «Sprachenvielfalt in Schule und Bibliothek»Sprachenvielfalt in Schule und Bibliothek, hrsg. von Bibliomedia Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Projekt «Qualität in multikulturellen Schulen (QUIMS)», Bildungsdirektion des Kantons Zürich, 2005 (Bezug für Fr. 15.– inkl. Porto: solothurn@ bibliomedia.ch)., 2005 von Bibliomedia Schweiz und QUIMS ausgearbeitet und herausgegeben, liegt nun ein praxisnahes Handbuch vor, das aufzeigt, wie sich der Alltag je in Schule und Bibliothek, aber auch in deren Zusammenarbeit, gestalten lässt. Denn nachhaltig wirken können Bibliothek und Schule nur, indem sie auf einfache Weise und mit einfachen Mitteln ihre Arbeit konsequent und kontinuierlich auf die sprachliche und kulturelle Vielfalt in ihrem Umfeld ausrichten. Dass die Bibliomedia Schweiz mit ihrem vielfältigen Angebot, aber auch die interkulturellen Bibliotheken mit ihren Beständen, hier wichtige Partner sind, versteht sich von selbst. Denn die Vernetzung aller Ressourcen ist Voraussetzung dafür, dass sowohl Schulen als auch Bibliotheken flächendeckend ihren Beitrag zur Integration leisten können.

Projekt «Mondomedia»

Im Gespräch mit Kundenbibliotheken und im Austausch mit Integrationsspezialisten kam die Bibliomedia Schweiz zum Schluss, dass das von ihr erarbeitete Handbuch mit fremdsprachigen Mustertexten zwar ein Schritt auf dem richtigen Weg ist, dass es aber noch viel mehr an Hilfestellung braucht, sollen Bibliotheken mit Erfolg ihre Arbeit auf die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Bevölkerung in ihrem Umfeld ausrichten können.

Zahlreiche Bibliotheken bemühen sich zwar, ihre Aufgabe wahrzunehmen, verfügen aber oft nur über wenig Wissen, Mittel und Wege zur Kontaktaufnahme und Kommunikation mit Ausländerinnen und Ausländern. Zudem bestehen oft Berührungsängste, die es vorgängig abzubauen gilt. 

So entstand 2003 die Idee, ein Weiterbildungsangebot für Gemeinde- und Schulbibliotheken aufzubauen – dies in Koproduktion mit weiteren, in der Integrationsarbeit besonders erfahrenen Institutionen. Vorerst beschränkt sich das Projekt auf die Deutschschweiz, da hier nur sehr wenige interkulturelle Bibliotheken im eigentlichen Sinn oder Integrationsbibliotheken existieren. In der Projektgruppe engagieren sich neben Bibliomedia Schweiz der Kinderbuchfonds Baobab sowie der Verein Bücher ohne Grenzen Schweiz; in der Anfangsphase wirkte noch die Hochschule für Soziale Arbeit Luzern mit. Als Projektname wurde «Mondomedia» gewählt, um den Aspekt der Öffnung der Bibliotheken auf die in der Schweiz vorhandene Sprachen-, Kultur- und damit auch Medienvielfalt zu betonen. Die Projektleitung übernahm der Kinderbuchfonds Baobab, der sich auch darum bemüht, dass das Projekt finanziell immer wieder durch die Eidgenössische Ausländerkommission unterstützt wird.

Zu Beginn ging es darum, ein Team zukünftiger Kursleiterinnen und Kursleiter zusammenzustellen, die etwa zu gleichen Teilen aus interkulturellen Bibliotheken und aus «Schweizer» Gemeindebibliotheken stammen. Dieses Kernteam wurde teilweise durch Migrantinnen ergänzt, die sich speziell für das Bibliothekswesen interessieren. Damit sollte gewährleistet sein, dass die Migrationsthematik nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch in den Kursen präsent ist. Im Rahmen von acht Ausbildungstagen wurde dieses Team durch Fachleute aus Bibliothekskreisen und durch Spezialisten für Interkulturalität auf ihre spätere KursleiterInnentätigkeit hin geschult. Parallel dazu wurde in Zusammenarbeit mit dem Team ein eigentliches Handbuch zur Erteilung von ganztägigen Weiterbildungskursen erarbeitet, das nun von allen Teammitgliedern als Grundlage für die Kurserteilung verwendet wird. Um die Kurse möglichst breit anbieten zu können, suchte die Projektleitung den Kontakt zu den kantonalen Bibliothekskommissionen. Erfreulicherweise zeigten sich viele der kantonalen Kursanbieter an diesem speziellen Angebot sehr interessiert, so dass seit 2005 im Rahmen der Weiterbildungsangebote der kantonalen Bibliothekskommissionen immer wieder solche «Mondomedia»-Kurse stattfinden können.

Zukunftsperspektiven

Auch in Zukunft wird es für die Bibliomedia Schweiz vordringlich darum gehen, ihr Angebot an Fremdsprachenbeständen auszubauen und zu optimieren. Damit will sie ihre Funktion als «Bibliothek der Bibliotheken» aktiv wahrnehmen und das Schweizer Bibliotheksnetz bei der anspruchsvollen Aufgabe der Integration ausländischer Bevölkerungskreise tatkräftig unterstützen. Der Grundbestand soll zudem mit zusätzlichen Spezialangeboten, die sich für eine gezielte Sprach- und Leseanimation in Bibliothek und Schule eignen, ergänzt werden.

Neben der Bestandesoptimierung als ihrer Haupttätigkeit will die Bibliomedia Schweiz das Thema Integration aber auch im Bereich der Bibliotheksentwicklung fördern. In diesem Sinne erarbeitet sie Hilfsmittel wie die beiden zuvor erwähnten Publikationen, wirkt im Projekt «Mondomedia» und in Arbeitsgruppen mit, die eine zielgruppenorientierte Ausrichtung der öffentlichen Bibliotheken anstreben (z.B. SAB-Arbeitsgruppe «Ausbildungsrichtlinien»).

Da im Bereich der interkulturellen Bibliotheksarbeit nur eine starke Vernetzung zu positiven Resultaten führt, engagiert sich die Bibliomedia Schweiz zudem auch grenzüberschreitend in dieser Thematik. So ist sie ständiger Gast der Expertengruppe «Interkulturelle Bibliotheksarbeit» des Deutschen Bibliotheksverbandes. Damit soll der Austausch von Informationen gewährleistet sein, aber auch eine Zusammenarbeit in einzelnen Projekten, die für beide Bibliotheksnetze von Interesse sind, möglich werden.

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Ruth Fassbind

Direktorin des Bibliocenters Solothurn der Bibliomedia Schweiz

  • 1 (solothurn@bibliomedia.ch).

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*Pflichtfeld

Abstract

Offres multiculturelles de Bibliomedia Suisse en faveur des bibliothèques publiques Bibliomedia Suisse met, à titre de prêt, des collections itinérantes à disposition des bibliothèques publiques (bibliothèques de la ville, communales et scolaires) et des écoles, ceci afin de compléter leur offre en livres, et mène depuis toujours une politique de promotion du livre en langues étrangères. Jusque dans les années 1980, c’étaient surtout l’anglais et l’espagnol qui représentaient celles-ci aux côtés de nos langues nationales. Le centre de gravité s’est déplacé au cours des années 1990: l’offre de Bibliomedia Suisse embrasse aujourd’hui la littérature des langues des plus grands groupes de population étrangers. A lui seul, le siège de langue allemande, autrement dit le Bibliocentre de Soleure, dispose d’environ 43 000 livres en albanais, anglais, croate, portugais, espagnol, tamoul; turc et serbe sont en construction. La collection des langues étrangères présente la particularité de regrouper près de 1700 livres d’images bi- ou plurilingues spécialement adaptés et propices au travail dans un environnement multiculturel. Grâce à ces ouvrages, tant la langue maternelle que la deuxième langue peuvent être entretenues et cultivées de façon optimale. Egalement, les documents plurilingues relevant de l’animation dépassent de loin l’offre en livres «normaux» avec, entre autres, les Kamishibais et les cinémas d’images, dont certains sont traduits dans 19 langues. La publication «Conseils et instruments pour accueillir les usagers de langues étrangères en bibliothèque» (2004) propose des modèles de textes organisés par modules dans toutes les langues offertes par Bibliomedia. C’est ainsi que chacun(e) peut, en fonction de ses désirs et besoins, composer une lettre de bienvenue, des explications pour l’utilisation et l’inscription à la bibliothèque, ou encore une carte de réservation. On peut consulter l’ensemble des textes, de même qu’une version PDF simplifiée en tamoul, sur www.bibliomedia.ch «Multiplicité linguistique à l’école et à la bibliothèque» paraîtra en français courant 2007. Les aiguillons de la lecture, comme le quotidien – et en particulier l’échange! – dans un contexte multiculturel, ont maintenant tout le loisir de nous piquer