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2016/4 Zeigt euch!

Der Erste Weltkrieg und die Ostschweiz im History-Blog

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Die Internetseite Zeitfenster1916.ch des Staatsarchivs St. Gallen verzeichnet seit ihrer Aufschaltung Anfang 2016 mehr als 75'000 Klicks. Das ist ein respektables Resultat für ein Projekt, das nur Amtsblattnachrichten, Protokollauszüge und Kreisschreiben publiziert.

Seit längerem diskutieren wir im Staatsarchiv St. Gallen über zukunftsgerichtete Formen der Vermittlung und der Öffentlichkeitsarbeit. In den letzten Jahren trieb uns zudem die Frage um, was wir als die Institution, die zum Ersten Weltkrieg die breiteste historische Überlieferung im Kanton besitzt, zu den Gedenkaktivitäten beitragen könnten. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee eines History-Blogs mit Quellen aus den eigenen Archivbeständen. Wir liessen uns dabei von folgenden Fragen leiten: Was geschah in unserer Region im Kriegsjahr 1916? Wie erlebten die Ostschweizerinnen und Ostschweizer den «Grossen Krieg»? Welche Auswirkungen hatte er auf ihr Alltagsleben?

Heute vor 100 Jahren

Im «Zeitfenster 1916» finden sich ausschliesslich Dokumente, die auf einen bestimmten Tag im Jahr 1916 zu datieren sind. Sie werden am betreffenden Kalendertag hundert Jahre später veröffentlicht. Unabhängig vom konkreten Inhalt ist also das Quellendatum das einzige Auswahlkriterium. So entsteht ein buntes Potpourri an Geschichten, Begebenheiten und Einblicken, die als Ganzes einen Eindruck vom Alltagsleben während der Kriegszeit geben sollen. Die Geschichte des Ersten Weltkriegs auf diese Weise darzustellen respektive zumindest einen Quellensatz zu diesem Themenbereich zu publizieren, ist neu. Spezifisch ist auch der regionale Fokus auf den Kanton St. Gallen und die Ostschweiz, wobei sich im Lauf der Recherchen herausstellte, dass die willkürlich zusammengestellten Dokumente Bezüge weit über die Kantonsgrenzen aufweisen.

Nähe dank Original-Illustrationen

Alle Blogbeiträge sind illustriert, sei es durch zeitgenössische Fotos und Bilder oder durch Scans von Quellenausschnitten. Das Projekt «Zeitfenster 1916» profitierte dabei von umfangreichen Vorarbeiten der letzten Jahre im Bereich der Bilderschliessung.
Die Quellen sind im «Originalton» und ohne redaktionelle Eingriffe – zuweilen mit allen Rechtschreibfehlern – wiedergegeben und knapp oder gar nicht kommentiert. Dadurch können Leser und Leserinnen des Blogs regelrecht in die Geschichte eintauchen. Das ist sonst nur durch einen unvermittelten Kontakt mit Archivquellen, zum Beispiel in einem Lesesaal, möglich. Geschichte wird so für ein breites Publikum unabhängig von Öffnungszeiten des Staatsarchivs zwar nur virtuell, aber direkt zugänglich.

Bilder von Originalquellen machen Geschichte erlebbar. Hier das Bild zum Beitrag vom 26. August des History Blogs «Zeitfenster 1916».

Die Klick-Zahlen belegen eine positive Projektbilanz nach einem Dreivierteljahr Laufzeit. Neben einer hohen Medienpräsenz kann die Website überdies zahlreiche Verlinkungen auf andere Homepages nachweisen. Persönliche Rückmeldungen über Twitter, die Kommentarfunktion oder per Mail fallen ausnahmslos wohlwollend aus. Sie belegen, dass die Beiträge Schüler und Fachhistorikerinnen ebenso ansprechen wie Journalistinnen und Politiker oder themenspezifisch Interessierte, und dies weit über die Landesgrenzen hinaus.

Der Aufwand für die Erarbeitung und Betreuung des «Zeitfensters 1916» entspricht dem Aufwand für die Konzipierung und Gestaltung einer herkömmlichen, professionell betreuten Ausstellung, erweist sich aber als deutlich kostengünstiger und ortsunabhängiger. Der History-Blog sichert dem Staatsarchiv ein ganzes Jahr lang die Aufmerksamkeit von Personen, die über eine solche Aktivität oder zum Beispiel über eine Vortragsreihe nicht zu erreichen wären.

Zeitfenster und Schaufenster

Das Staatsarchiv St. Gallen betrat für sich über weite Strecken Neuland. Es sammelte erste Erfahrungen mit der Präsentation von Primärarchivquellen (etwa der Publikation aller Regierungsratsprotokolle aus dem Jahr 1916). Die Mitarbeitenden mussten sich mit neuen Kommunikationsformen (insbesondere Twitter) auseinandersetzen. Nicht zuletzt war es für die beteiligten Archivare und Historikerinnen ungewohnt, Quellen nicht thematisch, sondern ausschliesslich nach Datum zu suchen und inhaltlich weder zu bewerten noch quellenkritisch in einen Kontext zu stellen.


Mit dem History-Blog ist das Staatsarchiv St. Gallen sichtbar, indem es auf kundenfreundliche und zeitgemässe Weise Archivquellen vermittelt. Ausserdem ist es besser präsent in einer weltweiten, virtuellen Umgebung. Mit dem Auftritt über das Internet kann es dem Image von Archiven als verstaubten Institutionen entgegenwirken und auf die Schätze und Vielfältigkeit der Themen in seinen Beständen hinweisen. Insofern ist der History-Blog nicht nur ein Zeitfenster, sondern auch ein Schaufenster.

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Regula Zürcher

Dr. phil. Regula Zürcher ist Leiterin Privatarchive / Sammlungen im Staatsarchiv des Kantons St. Gallen. Sie ist zudem die Stellvertreterin des Staatsarchivars.

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  • GuestEmush

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Das Staatsarchiv St. Gallen betreibt seit Anfang 2016 einen täglichen History Blog. «Zeitfenster 1916» wird gespeist mit Quellen aus den eigenen Beständen. Ziel ist, das Kriegsjahr 1916 aus einer regionalen und alltagsgeschichtlichen Perspektive darzustellen und dadurch auf den reichen Quellenfundus im Archiv aufmerksam zu machen. Der Artikel stellt das Projekt vor und zieht eine Zwischenbilanz.

Les Archives d'État de Saint-Gall ont mis sur pied depuis le début de l'année 2016 un blog historique : la «fenêtre sur 1916» (Zeitfenster 1916). Ce blog est alimenté quotidiennement avec des sources provenant de fonds des Archives d'État. Le but est de présenter et faire comprendre l'année de guerre 1916 dans une perspective régionale et historique au quotidien et d'attirer ainsi l'attention sur les richesses des fonds d'archives. L'article présente le projet et tire un bilan intermédiaire.